Lippstadt - Zackige Paraden, unerschütterliche Majestäten und ein orakelnder Bürgermeister - all das prägte am Wochenende das Schützenfest des Lippstädter Schützenvereins.
Der Name Linhoff steht in Lippstadt für Halali und Ackerkrume. Und wer so naturverbunden ist, dem machen auch die Unwägbarkeiten seiner Umwelt nicht sonderlich zu schaffen. Jedenfalls ließ sich der König des Lippstädter Schützenvereins, Thomas Linhoff, nicht die Laune verderben, als am Sonntagnachmittag just in jenem Moment, in dem er aus dem Rathaus trat, der Regen zu plätschern begann.
Der Jäger und Landwirt führte unbeirrt seine Königin Britta Bödefeld auf das schwarze Pflaster. Im Gefolge hatten sie den 50-jährigen Jubelkönig Ulrich Pötting, die 40-jährige Jubelkönigin Ursula Brülle, das 25-jährige Jubelpaar Werner Timmermann und Angelika Becker, Kronprinz Dirk Selzener, Zepterprinz Klaus Wittmers und einen eleganten Hofstaat, in dem die Familien Linhoff und Cosack besonders stark vertreten waren. Die 60-jährige Jubelkönigin Rieke Borberg winkte nebst Ehemann Wilhelm von der Rathaustreppe.
Auch die zahlreichen Zuschauer ließen sich durch ein paar Tropfen nicht von dem Schauspiel abhalten, das jedes Jahr einen Höhepunkt des Schützenfestes darstellt: die Fahnenparade und das Abschreiten der Front durch die Majestäten und schließlich der Parademarsch der 36 Offiziere und 402 Schützen, ehe das Bataillon den Festumzug durch die Stadt antrat.
Bei aller Festlichkeit hielt Oberst Toni Rösch auch einen Augenblick inne: Er gedachte der Toten des Vereins, insbesondere des vor wenigen Tagen verstorbenen langjährigen Hauptmanns der 3. Kompanie, Ferdi Wördehoff. „Lieber Ferdi“, rief Rösch dem Kameraden hinterher, „du wirst uns mit deiner unnachahmlichen Art fehlen. Dein Einsatz, deine Hingabe haben uns und unserem Verein viel gegeben.“
Am Samstagabend hatten die Majestäten bereits eine Reihe von Gastvereinen zum Festakt in der Schützenhalle an der Bellevue begrüßen können. So waren der Nördliche und der Südliche Schützenbund sowie die Schützen aus Lipperbruch, Lipperode und Cappel erschienen.
„Zufrieden und glücklich haben wir im vergangenen Jahr die Ehre genossen, unseren traditionsreichen Lippstädter Schützenverein repräsentieren zu dürfen“, resümierte Linhoff vor rund 300 Gästen. Und an seine potenziellen Nachfolger gerichtet fügte er hinzu: „König sein ist in unserem Verein für jedermann machbar.“
Bürgermeister Christof Sommer stellte in seinem Grußwort fest, die Halle habe „mit den neuen Fenstern sicherlich gewonnen“. Er dankte allen Spendern, die ihren Beitrag dazu geleistet haben. „Ich hoffe, das geht auch so weiter, damit es hier nicht irgendwann so aussieht wie im Stadthaus.“ Daran knüpfte auch Sigvart Rinke an, als er die traditionelle Lobrede auf den Vorstand hielt. „Gib einfach Schützen-Bonds aus“, empfahl der Hauptmann der 2. Kompanie dem Oberst, „um die Finanzierung der Dachsanierung aufzutreiben.“
Der Bürgermeister betätigte sich freilich auch als das Orakel vom Ostwall. Er habe letztes Jahr schon am Schützenfest-Sonntag erkennen können, dass Thomas Linhoff tags darauf den Vogel abschießen würde, sagte Sommer. Gemeinsam hätten sie auf dem Schießstand um die Schießmedaille gekämpft - und die habe als Motiv nun einmal die Villa Linhoff geziert. Was wohl dieses Jahr darauf abgebildet sei, fragte der Bürgermeister in die Runde. „Jedenfalls: Die Zeichen gilt es zu deuten.“
Nun, es ist der Tivoli, der 2012 die Schießmedaille schmückt. Dort hat kürzlich der Schütze Ralf Twillemeier neue Büroräume bezogen. Er gehörte in den letzten Jahren stets zu den Anwärtern, hatte 2011 den drittletzten Schuss auf den Vogel abgegeben und 2010 den vorletzten. Zwei Ex-Könige arbeiten bereits im selben Haus: Dr. Dr. Wolfgang Rieffel und Ralf „Auge“ Stotz. - isa