Lippstadt - Zwischen dem Kreisvorstand und dem Kreisschiedsrichterausschuss (KSA) scheint sich dermaßen viel Ärger angestaut zu haben, der nun im Rücktritt von gleich fünf der ingesamt sieben Mitglieder des KSA gipfelte.
Unter ihnen auch der Vorsitzende des KSA, Lothar Stahn, der dieses Amt erst 2010 von Siggi Hilgers übernommen hatte. Warum das Tischtuch zwischen dem Kreisvorstand und dem KSA zerschnitten sei, dazu wollte sich Lothar Stahn nicht näher äußern: „Ich werde dazu nichts sagen, denn wir haben uns entschieden, nicht in die Offensive zu gehen.“
Neben Lothar Stahn legten auch sein Stellvertreter Hubert Hense sowie die Beisitzer Siggi Hilgers, Uwe Bühring und Stefan Krautkrämer ihre Ämter nieder. Marcel Sieg und Tilman Maucher hingegen zeigten dem Kreisvorstand nicht die rote Karte und sind weiter im Amt.
Doch was war der Auslöser dafür, dass gleich fünf Mitglieder des KSA die Brocken hinwarfen? Laut Josef Finkeldei, Vorsitzender des Kreisvorstandes, hätte es Differenzen mit einigen Mitgliedern des KSA gegeben, die unterschiedliche Auffassungen von Strukturen betreffen.
Ganze Sache hat sich hochgeschaukelt
Josef Finkeldei: „Diese Probleme gibt es schon seit längerer Zeit, und die ganze Sache hat sich jetzt hochgeschaukelt.“ Ein Knackpunkt des ganzen Ärgers soll dabei die automatische Ansetzung von Schiedsrichtern im DFBnet sein. Laut Finkeldei steht dem Kreis ein Schiedsrichter-Pool zur Verfügung, aus dem dann die Referees praktisch per Knopfdruck automatisch den Spielen zugeteilt werden. Dabei fließen alle Eckdaten der Unparteiischen in diesen automatischen Suchlauf ein. Dieses von Finkeldei als Variante A bezeichnete Schiedsrichter-Ansetzungsverfahren beinhaltet allerdings eines nicht: ein „automatisches Fingerspitzengefühl.“
Und genau hier vertrat der Kreisvorstand die Meinung, dass man durchaus weiter auf die Ansetzungen von Schiedsrichtern per Knopfdruck bauen kann, sich jedoch die Option offen lassen sollte, manuell nachzubessern. Nach Vorstellungen des Kreisvorsitzenden könnte dies bei besonders brisanten Duellen oder kurz vor Ende der Saisen geschehen, wenn es um die Meisterschaft oder um den Klassenerhalt geht. Diese Ansicht schien der KSA aber nicht teilen zu wollen.
Josef Finkeldei: „Und dieser Punkt war dann später auch Anlass für große persönliche Differenzen, die ich an dieser Stelle aber nicht weiter ausschlachten will.“
Neuer „Häuptling“ wird gesucht
Da die Saisonvorbereitung bereits auf Hochtouren läuft, ist jetzt auch beim Kreisvorstand schnelles Handeln gefragt. Josef Finkeldei jedenfalls hat für heute Abend einen Kreis von zehn Personen zusammengetrommelt, um in einer kreativen Runde womöglich einen neuen Kreisschiedsrichterausschuss aus der Taufe zu heben. Und, so Finkeldei, natürlich werde auch ein neuer „Häuptling“ für die Schiedsrichter gesucht. Dieser müsste dann eigentlich auf einem außerordentlichen Kreistag gewählt werden. Da aber die Zeit drängt, wolle man beim Verband einen Antrag stellen, dass ein möglicher neuer „Häuptling“ das Amt zunächst kommissarisch übernimmt. Josef Finkeldei: „Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen. In der Vergangenheit ist einiges schiefgelaufen und jetzt eskaliert. Vielleicht muss auch ich mir den Fehler vorwerfen lassen, dass ich nicht eher eingegriffen habe.“ - towi