OMS Werbung
Snippets
Artikelansicht
GESEKE

Im Einsatz für die Freiheit

Geseke - Gekonnt steuert Petra Sadura den Geländewagen an den Schlaglöchern vorbei durch den dichten Verkehr. „Dieses Land fordert uns schon eine Menge Kompromisse ab“, sagt die 43-Jährige. Aber an eine Rückkehr nach Deutschland denkt sie noch nicht. „Später vielleicht, wenn meine Kinder studieren.“ Zurzeit sind ihr auch die fast 200 Jungen und Mädchen ans Herz gewachsen, die in der Aldea de Ninos Cristo Rey, dem Kinderdorf Christkönig, leben. Das liegt am Stadtrand von Cochabamba mitten in Bolivien.

Vor fünf Jahren zog Petra Sadura von Geseke aus mit ihrer Familie dorthin: Fast 10 000 Kilometer entfernt baute sie sich in Südamerika ein neues Leben auf. Auch früher hatte sich die gelernte Altenpflegerin zusammen mit ihrem Mann Volker viel im Ausland engagiert. Nach der Geburt der drei Töchter Lea, Rut und Eva wurde die Familie aber in Geseke sesshaft. Vorübergehend. Hier leitete Petra Sadura die Tagespflege St. Elisabeth neben dem Haus Maria. Die Einrichtungen gehören den Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel. „Und als die Provinzoberin bei einer Tagung im Bergkloster Bestwig erwähnte, dass man für die Aldea in Cochabamba eine Leitung suche, hat es in mir gekribbelt“, blickt Petra Sadura zurück.

Während der Fahrt vom Provinzhaus der Schwestern in Cochabamba zurück zur Aldea telefoniert Petra Sadura mit Senior Theodoro. Der Schreiner hat nach seiner Haftentlassung Arbeit gefunden. Er möchte seine drei Kinder zurück, hat aber noch keine Wohnung. Freundlich, doch bestimmt antwortet Petra Sadura, dass es dafür noch zu früh sei: „Sie brauchen erst eine Wohnung. So lange sind ihre Kinder bei uns besser aufgehoben.“

Zwei Sozialarbeiterinnen helfen Petra Sadura dabei, die Kinder aus den Gefängnissen herauszuholen. Denn oft zieht bei der Verurteilung eines Elternteils die ganze Familie mit in die Zelle ein. Die Häftlinge werden sonst kaum versorgt. „Das erfordert Überzeugungsarbeit“, weiß Petra Sadura. Welche Familie lässt sich schon gern ihre Söhne und Töchter wegnehmen? Aber in der Aldea finden die Kinder wieder Freunde. Hier haben sie Platz. Zwei Gruppen von etwa 15 Jungen und Mädchen teilen sich jeweils ein Haus. Morgens gehen die Drei- bis 18-Jährigen zum Kindergarten oder in die Schule, nachmittags dürfen sie spielen. Die „Tias“ und „Tios“ begleiten sie erzieherisch in den Gruppen. Zwei Psychologinnen, Therapeuten und Ärzte beobachten ihre Entwicklung.

„Während der Haft versuchen wir den Kontakt zwischen Kindern und Eltern aufrecht zu erhalten“, erklärt Petra Sadura. Inzwischen haben die Psychologinnen auch die Erlaubnis, in den Gefängnissen mit den Eltern zu arbeiten: „Denn sie müssen auf die Zeit danach vorbereitet sein.“ Viele Beziehungen gingen in dieser Zeit auseinander - und dann blieben die Kinder auf der Strecke.

„Nicht wenige wurden auch schon sexuell missbraucht oder misshandelt. Teilweise sogar in der Zelle“, so die Leiterin des Kinderdorfes. Um das alles zu zu verarbeiten, ist der Zusammenhalt der eigenen Familie umso wichtiger. Und auch der ist nicht einfach: Ihr Mann arbeitet wieder in Deutschland. Mit ihm wird aber jeden Samstag „gescypt“.

Und einmal im Jahr kommt Petra Sadura mit den Töchtern nach Deutschland. In Cochabamba besuchen die Mädchen eine amerikanische Schule und machen ein internationales Abitur: Spanisch, Deutsch und Englisch sprechen sie fließend. Die Älteste lernt neben der indigenen Landessprache Quechua sogar noch Chinesisch. Sie möchte einmal Dolmetscherin werden. Bis dahin wird Petra Sadura noch so manches Schlagloch umfahren müssen.

Als sie in der Aldea mit einem Hupsignal ankommt, schieben die älteren Kinder mit einem der Erzieher das große Tor auf. Einige Kinder laufen jubelnd auf sie zu. Wie die kleine Ana Maria. „Das sind die Momente, die mir zeigen, dass ich hier am richtigen Platz bin“, sagt Petra Sadura.

29.06.2012 17:55
Vorlesen
Werbung
Artikel kommentieren
Bitte geben Sie den Bestätigungscode ein:
neuen Code generieren
Suche
Ticker
Lokal
Überregional
Videogalerie
17.04.2013
Großbaustelle Flughafen Paderborn-Lippstadt
1
Wetter
Kalenderblatt
Heute, 21.05.2013
21. Kalenderwoche
141. Tag des Jahres
Noch 224 Tage bis zum Jahresende
Sternzeichen: Zwillinge
Namenstag: Hermann, Konstantin, Wiltrud
Sonnenaufgang:
aa
Sonnenuntergang:
a
Mondaufgang:
b
Monduntergang:
c
Mondphase:
d
mehr
Zeitungsverlag Der Patriot GmbH • Hansastraße 2 • 59557 Lippstadt • Postfach 2350/2360 • Tel.: (02941) 201-00 • Fax (02941) 201-297