GESEKE

Dazwischen ein Hektar Kräuter

Geseke    Seit Jahren nimmt die Masse der Insekten dramatisch ab. Kaum ein Autofahrer, der ganz anders als früher nach einer schnellen Fahrt Windschutzscheibe und Scheinwerfer mühsam reinigen muss. Fachleute sprechen von einem 80-prozentigen Rückgang der Biomasse. Gegen die weitreichenden Folgen stemmen sich Jäger Thomas Linneweber und Landwirt Jens Wilper.

Beiden ist klar, dass das Insektensterben dringend gebremst werden muss. Sie probieren nun einen Weg aus, der bei geringem Aufwand einen großen Effekt erzielen könnte. Zwar lobt Linneweber den Einsatz von immer mehr Landwirten, auf den Randstreifen ihrer Felder Saatmischungen von Blühpflanzen auszubringen (wir berichteten). Aber die Streifen sind inmitten der Agrarlandschaft eben nur schmale Inseln. „Die sind zu klein, wir brauchen Fläche“, sagt Linneweber. Er setzt auf einen größeren Effekt und hat mit Jens Wilper ein Experiment gewagt. Dieser hat auf 64 Hektar Mais angebaut, den er für die Bullenmast benötigt. Auf einem Hektar wogen aber seit dem Frühjahr blütentragende Pflanzen, die die Landschaft in ein Insektenparadies verwandeln. Auch diese energetisch wertvollen Pflanzen will Wilper später ernten und mit verfüttern, um auf seine Kosten zu kommen. Denn für ein Hektar Insektenweide werden 300 Euro für speziell erzeugtes Saatgut fällig. Mais würde nur 110 Euro kosten und auch mehr Energie bringen. Da tröstet es nur wenig, dass für fünf Jahre nicht nachgesät werden muss, weil die Samen wieder auskeimen.

In diese Deckungslücke stößt nun Thomas Linneweber mit seinem Vorschlag. Denn als Jäger sieht er das Blütenmeer nicht uneigennützig. Insekten bedeuten Nahrung für Kiebitze, Fasane und Rebhühner, die ihre Aufzucht durch das Frühjahr bringen müssen. Das aber gelingt ihnen immer weniger. „80 Prozent der Fasane sterben. Man sieht kleine Rebhühner und kleine Kiebitze – und nach drei Monaten sind alle weg“, zieht er eine traurige Bilanz. „Früher gab es im Revier hundert Fasanenhähne. Heute sind es noch 25“, schätzt er. Gehe es so weiter, gebe es in fünf Jahren in den Niederwild-Revieren rings um Geseke gar keine Jagd mehr. Und damit auch keine Jagdpacht für die Landwirte, die auf diese Einnahmen verzichten müssten. 9000 Euro Jagdpacht zahlt Linneweber an die Jagdgenossenschaft, die die Summe anteilig an die Grundstücksbesitzer aufteilt.

„Jeder Landwirt hat solche Möglichkeiten“, blickt Linneweber auf den blühenden Hektar zwischen einem Maisfeld und dem Rand eines Wäldchens. Denn „wenn Jäger und Bauern nicht dagegenhalten, geht viel verloren“, sorgt er sich um die Artenvielfalt.

Im Emsland habe man diese Richtung bereits erfolgreich vor fünf Jahren eingeschlagen, „dort ist man schon weiter“. Darum hofft er, dass künftig immer mehr Flächen mit Klee, Reinfarn, Malve, Kamille, Luzerne und vielen anderen Kräutern ein Domizil für Insekten werden.    fred

17.07.2017 18:47
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