LIPPSTADT
Beherzter Eingriff: Passant stellt gewalttätigen Dieb

Von Eckhard Heienbrok

Lippstadt    Der 20-jährige Algerier ist Täter, sieht sich aber als Opfer. Er hat in Deutschland Asyl beantragt, wird jedoch bereits kurz nach der Einreise straffällig. Papiere hat er keine, angeblich „alles verloren“, dafür hat er hier aber schon mehrere Identitäten angenommen. Ob der jetzige Name der richtige ist? Wer weiß. Nicht unwahrscheinlich ist, dass seine Abschiebung an eben diesen fehlenden Ausweispapieren scheitert. Doch bis zur Rückführung in seine Heimat dauert es eh noch: Zunächst einmal wandert der gewalttätige Ladendieb aus dem Maghreb, der vom Schöffengericht zu 20 Monaten Haft verurteilt wurde, hinter Gitter.

Der Angeklagte hatte – nach kurzem Aufenthalt in Deutschland – bereits in Österreich erfolglos einen Asylantrag gestellt. Dann war er über Frankreich abermals in die Bundesrepublik eingereist, hatte hier – unter anderem Namen – erneut Asyl beantragt.

Im Juli dieses Jahres ging der in einer Sammelunterkunft in Möhnesee untergebrachte junge Mann bei Lott auf Beutezug. Je drei Polo-Shirts und Jeans sowie eine Kappe für insgesamt über 760 Euro steckte er in eine mit Alu ausgekleidete Tüte.

Als dennoch der Alarm ausgelöst wurde, wollte er fliehen. Es kam zur Rangelei, dabei trat er eine 54-jährige Verkäuferin, ihr Kollege (31) bekam bei der Flucht eine Faust ins Gesicht. Schlimmer als die Prellungen und Schürfwunden dürften die psychischen

„Hut ab vor Ihrer Zivilcourage“

Blessuren sein, die zumindest die Verkäuferin erlitt. Denn die vom Angeklagten ausgesprochenen Drohungen („Ich bring Dich um“) habe sie ernstgenommen. Und dass die bis heute Eindruck hinterlassen haben, wurde im Prozess deutlich. Der 54-Jährigen war sichtlich unbehaglich, als sie dem gewalttätigen Dieb im Gerichtssaal gegenübersaß.

Dass der überhaupt festgenommen werden konnte, ist einem Passanten zu verdanken. Der 48-jährige Lippstädter sah, wie eine Verkäuferin („Wo ist der Dieb?“) dem aus dem Modehaus flüchtenden Algerier folgte. Der Lippstädter, in seiner Freizeit beim Technischen Hilfswerk aktiv, stellte den Angeklagten, brachte ihn – mitsamt der auf der Flucht weggeworfenen Beute – zurück in den Laden, fixierte den in Rage geratenden Dieb auf dem Boden.

„Hut ab vor Ihrer Zivilcourage“, zollte Staatsanwalt Henrik Dahnke dem Zeugen Respekt. Auch Richter Georg Hein lobte dessen Eingreifen. „Sie haben alles richtig gemacht, und Sie hatten das Recht, ihn festzuhalten.“

Für den Angeklagten war die Sache übrigens damit, dass die Beute wieder im Laden war, offenbar erledigt, der Drops gelutscht. Mehr noch: Er sah sich als das eigentliche Opfer. Man habe ihn so festgehalten, dass er Atemnot bekommen habe. Er gab Diebstahl, Drohungen und Drogenbesitz zu, ansonsten habe er „nichts gemacht“.

Die Drogen, die er bei sich hatte, seien ein „Geschenk“ eines Bekannten. Allerdings gab er auch an, täglich zu konsumieren. Was von jenen 30 Euro, die er wöchentlich vom Staat bekommt, kaum zu finanzieren ist. Für das Gericht lag daher der Schluss nahe, dass es sich daher um gewerbsmäßigen Diebstahl (auch zwecks Drogenfinanzierung) handelte.

Zur Deliktpalette gehörte übrigens auch Sachbeschädigung: Bei einem zweiten Fluchtversuch warf sich der Algerier derart gegen die Eingangstür, dass ein Schaden von 3000 Euro entstand.

„Haftaufenthalt zur Abschiebung nutzen“

Ein Jahr und acht Monate Freiheitsstrafe, so lautete das Urteil, mit dem das Schöffengericht der Forderung des Staatsanwalt folgte. Eine Strafaussetzung zur Bewährung kam für die Richter angesichts der fehlenden günstigen Sozialprognose nicht in Betracht.

„Vielleicht kann man den Gefängnisaufenthalt zur Abschiebung nutzen“, sagte Richter Hein. Meist werden ausländische Straftäter nach Verbüßung von der Hälfte bzw. zwei Dritteln der Strafe abgeschoben – wenn ihr Land sie denn aufnimmt...

11.10.2017 18:10
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