Lippstadt - Neben den Metallern der Rothen Erde führt Christian Julius nun auch die Südlichen Schützen: Mit dem 153. Schuss kratzte der 44-jährige Gesamtbetriebsratsvorsitzende am Montagmittag im Weihewinkel die letzten Splitter des Aars aus dem Kugelfang. Und regiert nach 2002 nun schon zum zweiten Mal den Süden. Diesmal an seiner Seite: Christine Julius.
Auch Moderator Ralf Schulte erinnerte sich noch ganz genau, sprach gar von einem Déjà-vu, als Christian Julius (1. Kompanie) gegen 13.30 Uhr ein letztes Mal entschlossen zur Flinte schritt. Und seine Mitstreiter Peter Poppels (43), Dirk Heine (43) und Guido Volmari (48) nach einem packenden Vierkampf mit einem krachenden Treffer zu Gratulanten machte.
Vorausgegangen war dem Jubeltaumel eine ebenso spannende Jagd auf die Insignien. Schon mit dem zweiten Schuss spaltete Christian Diederichs (2. Kompanie) mit einem Blattschuss den Apfel, in die 1. Kompanie holte Matthias Frerich mit dem achten Schuss das Zepter. Und widmete dies sogleich seinem verstorbenen Schützenbruder Franz-Josef Ricks.
„Der Adler macht den Propeller“
Auch er sei Schütze mit Leib und Seele gewesen, erinnerte Ralf Schulte. Und habe das Zepter nicht selten selbst ins Visier genommen. Nach dem neunten Schuss dann erstmals ein lautes Raunen: „Der Adler macht den Propeller“ kommentierte eine Hofdame lautstark den sich drehenden Vogel. Wohlgemerkt: nach dem neunten Schuss. Grad um Grad ließen die Schützen den Aar nun im Kugelfang kreisen - ehe Fabian Bumke (4. Kompanie), Sohn des scheidenden Königs höchstpersönlich, mit dem 45. Schuss die Krone traf. „Wahnsinn“ und „Jawoll“ ließ es der stolze Vater durch den Weihewinkel schallen - und drückte seinem Filius einen dicken Kuss auf die Wange: „Ich bin so stolz...“ Selbst für den ungewöhnlichen Namen des Vogels („Nachtschwärmer“) hatte Bumke Senior in der Schießpause eine Erklärung parat: Nahezu „alle Kneipen des Südens“ habe er mit Adjutant Werner Gooding in seinem Königsjahr einmal „abgeschlossen“: „Anstrengend, aber sooo schön.“
Doch die Zeit seiner Regentschaft neigte sich am Montagmittag Schuss um Schuss dem Ende entgegen. Ernst, das war auch Andreas Bumke schlagartig klar, wurde es spätestens, als die vier offiziellen Anwärter auf den Königstitel nach einer Schießpause endlich abwechselnd ans Gewehr traten.
Keine Kaiser im Süden, nur Könige?
Vor allem Guido Volmari bewies Treffsicherheit, aber auch Dirk Heine (rechter Flügel) und Peter Poppels (linkes Rumpfstück) rupften „Nachtschwärmer“ nach besten Kräften.
Doch von Glück konnte am Ende keine Rede sein - das musste auch das geschlagene Trio am Ende eines zähen Wettkampfs neidlos anerkennen. Denn auch und vor allem Christian Julius war es, der den Aar Schuss um Schuss mit Blei füllte. Ein gezielter Treffer knapp oberhalb der eisernen Schraube - und schon segelte „Nachtschwärmer“ nach 153 Schuss zu Boden. Ob der 44-Jährige nun Kaiser ist oder nicht - darüber entbrannte noch unter der Vogelstange eine Diskussion. „Im Süden gibt es keine Kaiser, nur Könige“, argumentierten Offiziere. „Julius ist der erste Kaiser“, sagten andere. Doch den Betriebsrat schien das nicht zu stören. Auf den Schultern seiner Schützenbrüder ließ sich der neue Regent zur Theke tragen. Und zünftig feiern. - stn