Handwerk

Aus den Zahnkünstlern wurden Zahntechniker

LIPPSTADT - Es waren vor allem gesundheitliche Erwägungen. Aber auch ästhetische Empfindlichkeiten spielten mit hinein. Und als dann noch der Wohlstand allmählich zunahm, da schlug die Stunde eines neuen Handwerks. Der Zahntechniker war geboren, den man zunächst Zahnkünstler nannte. Diese Nähe zum Kunstbereich war es auch, die den Schüler Alexander Tourneur von der Overhagener Schulbank über einen Schnupperkurs zu seinem Beruf brachte.

„Da ich mir ein Studium nicht vorstellen konnte, andererseits aber ein Hang zur kreativen Gestaltung bestand, kamen für mich vor allem drei Berufe in Betracht: Optiker, Goldschmied oder Zahntechniker. Ein Praktikum im Labor Graffenberg in Lippstadt gab den Ausschlag.“ Es folgte die Lehre im gleichen Betrieb, und als am Ende eine Eins auf dem Zeugnis stand, war für den Jung-Gesellen klar: „Jetzt will ich auch Meister werden.“

Zunächst arbeitet er noch einige Jahre bei Graffenbergs. 1986 wechselt er - direkt „an die Front“. Zum Lippstädter Zahnarzt Dr. Hiegemann. Während der Arbeit in dessen Labor bereitet er sich auf die Meisterschaft vor, und zwar in externem Selbststudium. 1992 ist es geschafft. Er bildet nun eine Laborgemeinschaft mit dem vorherigen Arbeitgeber, um dann aber doch den Weg in die völlige Eigenständigkeit zu gehen. In Lippstadts Südstraße errichtet er ein Labor, gemeinsam mit einem Kompagnon. Der Betrieb floriert, und zeitweilig sind neun Fachkräfte beschäftigt, einschließlich Auszubildenden. Dennoch - die Arbeit in der zahnärztlichen Praxis hält Alexander Tourneur im Nachhinein für die befriedigendere. Wegen des engen Kontakts zum Patienten. Den hat er in seinem Labor oft vermisst. Er zieht da einen Vergleich zur bildenden Kunst. „Als Mitarbeiter des Zahnarztes ist man von Anfang bis Ende dabei - vom Gipsabdruck bis zum Einsetzen des Ersatzteils.“ Einschließlich der Fertigung sei das eine Art Gesamtkunstwerk. „So wie das Bild des Malers auch erst dann vollendet ist, wenn er es für die Vernissage aufgehängt hat.“

Einen Unterschied zwischen der Tätigkeit im eigenen Labor und der in der zahnärztlichen Praxis sieht er noch auf einem anderen Feld. Der Zahnarzt könne das Produkt des Technikers direkt an seinen Patienten verkaufen. Und zudem müsse er keinen Meister beschäftigen. Für ihn gebe es nicht die Zwänge einer Handwerksordnung. Als selbstständiger Unternehmer hingegen sah sich Alexander Tourneur auf verschiedene Weise eingeengt.

Im Laufe der Jahre stellt sich bei ihm ein diffuses Gefühl der Verdrossenheit ein. Diese anonyme Form der Arbeit, das patientenferne Fertigen von Kronen, Brücken, Stiftzähnen und Prothesen - auf die Dauer erscheint es ihm unerquicklich. Hinzu kommt, wie er es nennt, die häufige Kommunikationsverzerrung in der Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber. Das alles führt letztlich zu einem gesundheitlichen Zusammenbruch. Burn out, erklärt er freimütig. Um ebenso offen dann einzuräumen, dass auch wirtschaftlicher Druck eine Rolle gespielt habe. Seitdem die Leistungen der Krankenkassen eingeschränkt worden seien, habe sich eine merkliche Zurückhaltung seitens der Versicherten ergeben. Und nicht zuletzt die Angebote aus den osteuropäischen und asiatischen Ländern hätten sich spürbar negativ ausgewirkt.

Im Jahre 2009 zieht Alexander Tourneur - 52-jährig - die Reißleine. Um sich, nach kurzer Regenerationsphase, einer neuen beruflichen Aufgabe zuzuwenden. Er hat sich das Internet zum Partner genommen. Für die Vermarktung eigener Ton- und Bildschöpfungen.

- Willi Kröger

05.08.2011 18:56
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