WIRTSCHAFT

Cartec-Technologiezentrum steht vor Veränderung

Kreis Soest-  Die Weichen für das Cartec in Lippstadt sollen neu gestellt werden: Die Vermietung der Büros an Gründer und Unternehmen könnte künftig die Wirtschaftsförderung übernehmen. Die bisherige Cartec GmbH hingegen steht vor einer Umfirmierung – der Kreis Soest würde mit der Stadt Lippstadt ein digitales Zentrum gründen, um den Mittelstand bei der Digitalisierung zu unterstützen. Entsprechende Beschlüsse stehen in Regionalausschuss, Kreistag und Stadtrat an.

In dem 1998 eröffneten Gebäude hatte die Cartec GmbH 2002 die Aufgaben als Betreibergesellschaft übernommen – damals schon mit Kreis und Stadt als Gesellschaftern. Erklärtes Ziel sei es seinerzeit insbesondere gewesen, Büroflächen für Existenzgründer im Bereich Automotive zu bieten. „Diese Kernaufgabe wurde voll erfüllt, hat aber mittlerweile in der scharfen Ausrichtung auf diese Branche an Bedeutung verloren“, resümiert Peter Franken, Beteiligungsmanager des Kreises. Das Vermietungsgeschäft sei unverändert lokal bedeutsam und sollte daher vollständig im Aufgabenbereich der Stadt oder Wirtschaftsförderung betrieben werden. Nach Patriot-Informationen sind aktuell 31 Firmen im Cartec ansässig, die Auslastung liegt bei 98 Prozent; es gibt sogar eine Warteliste. Aber: „Eine kreisweite Aufgabe, Technologiezentren für Automotive zu betreiben, sehen wir nicht mehr“, so Franken. Zumal, wie Kreis-Wirtschaftsförderer Volker Ruff im Patriot-Gespräch erinnert, gerade für diese Branche ja vom Knowhow des ebenfalls am Cartec angesiedelten Kompetenzzentrums Fahrzeug-Elektronik profitiere. Bis heute ebenfalls ein Ziel der Cartec GmbH: Durch Unternehmenskontakte, Kunden-Lieferantenbeziehungen und Kooperationen sollte die Vernetzung der regionalen Wirtschaft gefördert werden.

An der nun vor der Umfirmierung stehenden Cartec GmbH sind die Stadt Lippstadt und der Kreis Soest laut Mitteilung noch mit je 27,6 Prozent beteiligt und leisten je zur Hälfte einen Verlustausgleich gemäß Wirtschaftsplan bis zu einer Obergrenze von 205 000 Euro; eine Summe freilich, die selbst nach dem Auszug der Hochschule (2014) nicht in Anspruch genommen wurde und meist deutlich darunter lag. Laut Kreis-Mitteilung haben derweil die privaten Gesellschafter bereits grünes Licht gegeben und ihren Ausstieg signalisiert – zu ihnen zählen Hella, Schieffer, Wiag, Jürgenhake (alle Lippstadt), Brand (Anröchte), Schlüter (Erwitte) sowie die Sparkasse Lippstadt, Volksbank Beckum-Lippstadt und die Deutsche Bank.

„Aus einer Unternehmensbefragung wissen wir, dass Unternehmen gerade beim digitalen Wandel Beratungsbedarf haben – individuell, neutral, branchenunabhängig“, erklärt Kreis-Wirtschaftsförderer Volker Ruff. Darum sei beabsichtigt, die Gesellschaft Anfang 2018 zunächst unter Federführung der Stadt Lippstadt und des Kreises als „Digitales Zentrum Mittelstand GmbH“ (DZM) umzufirmieren. „Die neue GmbH fungiert als Brückenkopf zwischen heimischer Realwirtschaft und digitalen Start-Ups. Sie unterstützt branchenübergreifend alle mittelständischen Unternehmen in den Kommunen des Kreises Soest im bevorstehenden Digitalisierungsprozess“, bringen Volker Ruff (Wirtschaftsförderung Kreis Soest) und Dr. Ingo Lübben (Wirtschaftsförderung Lippstadt) die Zielsetzung auf den Punkt.

Mit einer Anschubfinanzierung von jährlich maximal 80 000 Euro (Kreis Soest) und 40 000 Euro (Stadt Lippstadt) von 2018 bis 2020 wollen beide Partner dem neuen Digitalen Zentrum Mittelstand Starthilfe geben. Darüber hinaus wird angestrebt, weitere Kommunen als Gesellschafter zu gewinnen. Sie könnten auch über einen Beirat eingebunden werden; auch Unternehmen hätten bereits Interesse an einer Mitarbeit in einem solchen Gremium bekundet (wie aus den Unterlagen für den Regionalausschuss am Montag im Cartec hervorgeht). Die aktuellen Cartec-Mitarbeiter (vier Vollzeitstellen) seien informiert, man werde sich mit den Plänen intensiv auseinandersetzen. Zu weiteren personellen Angelegenheiten wollte sich Volker Ruff, aktuell Vorsitzender der Cartec-Gesellschafterversammlung, nicht weiter äußern.    axs


Kreis will Portfolio bereinigen

Nicht nur bei der Cartec GmbH in Lippstadt stehen Veränderungen an: Ende 2018 soll die KonWerl GmbH, an der die Stadt Werl und der Kreis Soest mit jeweils 27,8 Prozent beteiligt sind und je zur Hälfte einen (meist ausgeschöpften) Verlustausgleich bis zu einer Obergrenze von 165 000 Euro leisten, aufgelöst werden. Das Vermietungsgeschäft dort soll künftig die Werler Wirtschaftsförderung betreiben. Zwar sollen die Klimaschutzaktivitäten des Kreises konzentriert im KonWerl verortet werden, aufgrund zunehmender Kooperationen mit weiteren Partnern erfordere dies jedoch flexiblere organisatorische Strukturen als die heutige GmbH.

Die Evaluation der Technologiezentren war durch das Bestreben von Kreistag und Bürgermeisterkonferenz ausgelöst worden, das Beteiligungsportfolio des Kreises zu bereinigen. Unstrittiges Ziel: Beteiligungen insbesondere im Bereich der Wirtschaftsförderung, die dauerhaft nicht ohne Zuschüsse auskommen, auf den Prüfstand zu stellen. Freiwillige Leistungen mit lokalem Bezug sollten nicht vom Kreis Soest erbracht, sondern den Gemeinden vor Ort überlassen werden. Die Liquidation des KonWerl – die privaten Gesellschafter hätten sich ohnehin zurückziehen wollen – bringt für den Kreishaushalt und damit auch für die Kreisumlage ab 2019 eine jährliche Entlastung von 82 500 Euro.

19.06.2017 17:54
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