Handwerk

„Das Nähen mit Pechfäden habe ich noch gelernt“
OESTEREIDEN - Handwerk hat goldenen Boden. So hieß es immer. Aber gilt das auch heute noch uneingeschränkt? Ist der Handwerksmeister immer noch der, der er einmal war? Im Rahmen einer Serie stellen wir Ihnen Handwerksmeister vor, die ihren Weg aus der „alten Zeit“ in die moderne Gegenwart beschreiben.Sattler nennen sie ihn noch heute im Dorf. Obwohl er nie einer war. Der Vater, ja, der hatte noch dieses altehrwürdige Handwerk ausgeübt. Und das nicht nur stationär in der eigenen Werkstatt. Im Winter war er häufig zu den Bauern gegangen, um vor Ort deren Pferdegeschirre zu reparieren. Und hin und wieder einen Sattel. Doch Herrenreiter gab es nicht so viele in Oestereiden.Josef Eickhoff hat nicht nur den Vornamen von seinem Vater geerbt. Auch die Liebe zu dessen Beruf. „Etwas anderes kam für mich nie in Frage“, sagt er. Allerdings - mit Pferdegeschirren wollte er sich nicht abgeben. Die Zeit dafür war aber auch vorbei. Dennoch: „Das Nähen mit Pechfäden habe ich noch gelernt.“Das war zur Zeit seiner Ausbildung in Rüthen. Für den Beruf des Raumausstatters. Und der ist vielseitig. Polsterei, Bodenbelag, Wandbehang, Dekoration - kurzum: Fast alles gehört dazu, was das Wohnen behaglich macht. Polsterei hatte natürlich auch schon der Vater betrieben, doch allein in dessen Fußstapfen wollte der Sohn sich nicht bewegen. Er wollte sie erweitern. Und das tat er. Mit sichtbarem Erfolg.Als Geselle arbeitet Josef Eickhoff einige Jahre in Westenholz und Büren. 1966, mit 24 Jahren, legt er die Meisterprüfung ab. Und beginnt nun Schritt für Schritt mit der Umwandlung des väterlichen Betriebes. Schon bald werden die alten Räume zu eng. Ein Neubau muss her, am gleichen Standort. Als er fertig ist, 1984, meinen zwar einige, er passe nicht „in unser Dorf“. Weil er sich so sehr von der rustikalen Bebauung in Oestereiden abhebe. Umso besser passt er ins geschäftliche Konzept. Denn er ist ein Blickfang. Und auf neugierige Blicke ist ein Unternehmen dieser Branche angewiesen. „Inzwischen“, erklärt Josef Eickhoff, „hilft uns auch schon mal ein Kundenblick ins Internet“.Was den Kundenkreis angeht, so hat die Firma Eickhoff einen beträchtlichen Radius. Aus Frankfurt, Wiesbaden, Düsseldorf oder gar Füssen kamen schon Aufträge.Dem Raumausstatter aus Oestereiden haben natürlich auch die Zeitläufte in die Karten gespielt. Mit der zweiten Einrichtungswelle nach dem Krieg, mit wachsendem Wohlstand und veränderter Wohnkultur waren entsprechende Wünsche verbunden. Wo - zum Beispiel - früher bloßer Anstrich oder schlichte Raufasertapeten die Wände zierten, werden es von nun an mehr und mehr textile Wandbespannungen. Und nicht mehr nur die Polstermöbel von der Stange sind begehrt - „die stellen ohnehin fast ausschließlich die Fabriken her“ - sondern aufzupolsternde „alte Schätzchen“ stehen auf der Wunschliste. Auch mit Antiquitäten diverser Art befasst sich der Oestereidener. Dabei arbeitet er eng mit einem ortsansässigen Tischler zusammen.Man kann vom Meister Eickhoff nicht sprechen, ohne seine Frau Marianne zu nennen. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Unternehmens geworden. Eigentlich wollte und sollte sie, als gelernte Bankfachfrau, nur fürs „Bürokratische“ zuständig sein. Doch schon bald fand sie Geschmack an dem gestalterischen Handwerk ihres Mannes. Und Geschmack hat sie in hohem Maße. Zudem das richtige Gefühl für die Mode und ihre Trends. So fährt auch nicht etwa der Meister zu den internationalen Fachmessen für Wohnambiente - in London, Paris oder München. Das ist ihr Metier. Schließlich hat sie auch noch das in dem Beruf so wichtige Ausmessen gelernt.In der Firma Eickhoff sind sieben Personen beschäftigt. In der Polsterei, in der Näherei sowie in Präsentation und Verkauf. Diesen Bestand sieht Josef Eickhoff auch in nächster Zukunft nicht gefährdet. Er selbst will noch nicht in den völligen Ruhestand, nimmt sich aber mehr und mehr zurück. Denn da ist ja auch noch Tochter Silke.Die Arbeit führt ihn häufig über die dörflichen Grenzen hinaus. Aber er ist bis heute der bodenständige Handwerker geblieben. Sattler? Klingt doch gut - im Oestereidener Volksmund. Übrigens: Der Sattlerberuf ist noch nicht gänzlich ausgestorben. Von Bedeutung ist er fast nur noch in der Reiterei.  n Willi Kröger
03.10.2009 00:00
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