Handwerk

„Das Wasser von der Haar kam nicht so regelmäßig“
STIRPE  ■  Seit 155 Jahren ist die Stirper Mühle im Besitz der Familie Möllers. Der Ur-Urgroßvater von Franz Möllers hatte sie damals dem Freiherrn von Fürstenberg abgekauft. Und nicht erst ab dieser Zeit erfüllt sie ihre Aufgabe, die der heutige Betreiber so beschreibt: Getreide in Mehlkorn und Schale mit Hilfe von Mahl- und Siebvorgängen zu trennen. Mit dem Müllerhandwerk verbindet sich manch romantische Vorstellung. Franz Möllers sagt aber ganz nüchtern: „Unsere Mühle klappert schon lange nicht mehr am rauschenden Bach. Das Wasser von der Haar kam nicht so regelmäßig.“ Er hat die Mühle 1979 von seinem Vater übernommen. Der hatte sie im Jahre 1963 ausgebaut. Umgestellt auf elektrischen Betrieb. Heute besorgt ein Blockheizkraftwerk die Energie für Strom und Wärme. Außerdem baute der Vater ein Silo, um loses Getreide verwerten zu können. Die Zeit, da es in Säcken angeliefert wurde, war endgültig vorbei. „Ein wichtiger Meilenstein“, sagt der Sohn. Dem Stirper Müller ist der Beruf in die Wiege gelegt worden. Familientradition. Aber darin sieht er nicht nur Verpflichtung. Ohne Neigung wäre es nicht gegangen. Seine Lehre macht er in Benteler. Von 1966-1969. Danach geht er zwar nicht auf die viel besungene Wanderschaft, das ist längst passé, aber immerhin verdingt er sich für einige Jahre als Geselle in Warburg und Rheda. Die Prüfung als Meister und Müllereitechniker legt er an der Deutschen Müllerschule in Braunschweig ab – im Anschluss an die Bundeswehrzeit. 1975 kehrt er in den väterlichen Betrieb zurück. Arbeitet als angestellter Meister. Bis er dann 1979 selbst die Regie übernimmt. Die Mühle führt er zunächst in traditioneller Weise weiter. Doch dann kommt das Jahr 1986. Mit der Katastrophe von Tschernobyl. Ein einschneidendes Ereignis für Franz Möllers. Sie bringt ihn auf den Biotrip. Zwar arbeitet er noch eine Weile parallel, verarbeitet biologisch wie herkömmlich angebautes Getreide nebeneinander, aber seit sechs Jahren vermahlt er nur noch Biokorn. „Diese Umstellung,“ sagt der Meister, „geschah nicht aus taktischen Erwägungen, sondern aus dem Herzen heraus.“ Allerdings - wenn sie das nicht getan hätten, dann wären sie heute nicht mehr am Markt. In der Müllerei habe es einen gewaltigen Verdrängungswettbewerb gegeben. Um das zu verdeutlichen, verweist Franz Möllers auf Zahlen. Anfang der 1950er Jahre seien in der alten Bundesrepublik noch 1500 Mühlen in Betrieb gewesen. Heute gebe es, und zwar im vereinten Deutschland, gerade mal 400. Seinem Betrieb, so der Müllermeister, sei die Umstellung sehr gut bekommen. Das Geschäft mit dem biologischen Getreide habe sich kontinuierlich gesteigert. Sie hätten so gut zu tun, dass auch schon mal am Sonntag gearbeitet werden müsse. Sie - das sind neben Franz Möllers ein Teilhaber sowie drei Gesellen und ein Auszubildender. Ja, der Teilhaber. Vor vier Jahren habe er einem damaligen Mitarbeiter angeboten, als Gesellschafter in die Firma einzutreten. Und so seien sie nun eine GmbH. Der nunmehr 58-Jährige wirft einen Blick auf frühere Zeiten. Als der Vater noch säckeweise Schrot zu den „Kleinstbauern“ brachte, damit die ihr Schwein kräftig füttern konnten. Neben Mehl und Schrot wurden in dieser Zeit auch andere Futtermittel hergestellt, unter Zugabe von Soja und Fischmehl. Die Hinwendung Franz Möllers zur Bioverarbeitung hatte eine weitere Folge. Er habe sich, so sagt er, vor über acht Jahren einen Lebenstraum erfüllt. Da ihm schon immer der Umgang mit Menschen wichtig gewesen sei, habe er seiner Bio-Mühle einen Bio-Laden angegliedert. In dem er nun auch, wovon der Verfasser sich überzeugen darf, so recht nach Herzenslust als Ernährungsberater tätig sein kann.  ■  Willi Kröger
08.01.2010 10:09
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