Handwerk

Das jüdische Mahnmal ist von ihm gemeißelt worden

ANRÖCHTE - Helmut Kleere aus Anröchte übt einen Beruf aus, der als einer der ältesten überhaupt gilt. Einen Beruf, in dem einige Großmeister Leistungen vollbracht haben, die für die Ewigkeit bestimmt sind. Weltwunder.

Solche Höhen konnte und wollte Helmut Kleere niemals anstreben. Seine Ambitionen waren nüchtern und klar. Er sieht sich auch gar nicht als Künstler. Aber - ein gediegener Kunsthandwerker, der wurde er allemal. Als eindrucksvolles Beispiel steht dafür unter anderem das jüdische Mahnmal in Lippstadts Rathausstraße. Ein Zeichen der Erinnerung und des Gedenkens. Er fertigte es in seinen späteren Berufsjahren.

Angefangen hat der Anröchter Altmeister - seinen Betrieb hat er 2010 aufgegeben - im Jahre 1955. Inspiriert durch den Vater, der auch Steinmetz war. Aber nicht in selbstständiger Tätigkeit. So ging Sohn Helmut bei Meister Bergschneider in Lippstadt in die Ausbildung. „Ich hatte einen hervorragenden Lehrmeister“, betont er mehrfach. Nach der Gesellenprüfung bleibt er ein weiteres Jahr in Lippstadt.

An die damalige Arbeit in der Nicolaikirche hat er eine besondere Erinnerung. „Als Stift durfte ich an der Chorgestaltung mitwirken.“

Im Anschluss an die Lippstädter Zeit zieht es ihn nach Süden. Erstaunt stellt er fest, dass die Schwaben nicht nur eine andere Mentalität haben, sondern auch eine für ihn ungewohnte Arbeitsweise praktizieren. Die Steinmetze dort hätten ihre Ressourcen viel effektiver ausgenutzt. Typisch schwäbisch, meint er.

Den jungen Gesellen zieht es erneut weiter. Sein Ziel ist die Meisterschaft. Die gewinnt er nach zwei Jahren an der Fachschule in Mayen. Da ist er gerade mal 22 Jahre alt. Er darf sich nicht nur Steinmetz-, sondern auch Steinbildhauermeister nennen. Doch beides genügt ihm noch nicht. Er setzte den Techniker drauf. Für den Fall, „dass ich einmal in einem größeren Betrieb arbeiten würde.“

Doch dazu kommt es nicht. Der Jungmeister macht sich selbstständig. In seiner Heimatstadt Anröchte - 1964. Die Art seines Berufes bringt es mit sich, dass er vorwiegend außerhalb tätig ist. Und das wiederum vorwiegend in Norddeutschland und in der Eifel. Warum gerade dort? „Im Norden hatte ich einige persönliche Beziehungen geknüpft, und in der Eifel wurde sehr viel Anröchter Stein verbaut.“

Das ergiebigste Arbeitsfeld von Helmut Kleere lag immer in und an den Kirchen. Restaurierung. Fenstersanierung. Regelmäßig ist er mit einigen wenigen Mitarbeitern unterwegs. Einen, der auf meisterlicher Augenhöhe mit ihm tätig war, möchte er ganz besonders herausstellen. „Das ist Josef Altstädt, ein exzellenter Fachmann.“ Auch sein Vater habe ihm in späteren Jahren viel geholfen. Nur - Lehrlinge habe er nie ausgebildet. Die seien kaum zu bekommen gewesen. In Anröchte? Erstaunlich. „Ja“, sagt der 70-Jährige, „die jungen Leute zog es eher in den industriellen als in den handwerklichen Bereich. In den Steinbrüchen und Sägewerken wurden sie zu Facharbeitern ausgebildet.“

Umstellung von Hand- auf Luftmeißel

Wie fast alle Handwerker musste sich auch Helmut Kleere immer auf Neuerungen umstellen. Wie beispielsweise den Übergang vom Handmeißel auf den Luftmeißel. „Fiel mir besonders schwer.“

Und wenn der heutige Ruheständler - gelegentlich übernimmt er noch den einen oder anderen Kleinauftrag - auf seine wichtigsten Arbeiten zurückblickt, dann verweist er vor allem auf die aufwändige Bodenplattierung in der Braunschweiger Stadthalle oder in der Lippstädter Marienkirche. Und natürlich auf dieses eine Objekt: das jüdische Mahnmal in Lippstadt. Der Fall hat eine interessante Vorgeschichte. Der mit der Gestaltung dieses Denkmals beauftragte Künstler, der heimische Designer Ernst Ewers zum Rode, sieht dem Anröchter Meister bei Fassadenarbeiten in der Lippstädter Innenstadt zu. Er fragt ihn, ob er sich die handwerkliche Umsetzung seines Entwurfs zutraue. Klares Ja. Und so entsteht im Jahre 2003 dieses markante Werk, das eigentlich längst fällig war.

- Willi Kröger

11.03.2011 19:54
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