Handwerk

„Der Fliesenleger muss räumlich denken können“

LIPPSTADT - Es gab keine familiäre Vorgabe für seinen Berufsweg. So musste und durfte Franz-Wilhelm Kanne allein entscheiden. „Ich wollte ein Handwerk erlernen. Und zwar außerhalb von stickigen Werks-hallen.“ So kam er denn zu einem Beruf, der ihn auf einem Umweg zu frühen Meisterehren führte. „Damals war ich mit 24 Jahren der jüngste Meister“, berichtet er. Klingt da ein wenig Stolz mit durch? Wäre ja durchaus berechtigt, vor allem auch angesichts der Tatsache, dass er sich ausschließlich in Abendkursen auf seinen Titel vorbereiten konnte. Ohne den Vorteil einer Meisterschule.

Das mit dem Umweg muss erklärt werden: Franz-Wilhelm Kanne erlernte zunächst den Beruf des Stuckateurs. Bei der Firma Herberhold in Lippstadt. Nach der Gesellenprüfung entschied er sich dann für eine „Abbiegung“. Ins Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk. „Das lag mir mehr.“

Der Ausbauberuf hat eine uralte Tradition

Auch dieser sogenannte „Ausbauberuf im Bereich des Bauwesens“ hat eine uralte Tradition. Steinzeitliche Kultplätze sowie Prachtstraßen und Tempelplätze aller Hochkulturen sind Zeugen einer stolzen Vergangenheit. Doch es geht ja um die Gegenwart. Im Jahre 1976 macht sich Franz-Wilhelm Kanne, nachdem er zwei Jahre als angestellter Meister tätig war, in Lippstadt selbstständig. In einer Zeit, meint er, in der er das eigentlich nicht hätte tun sollen. Ölkrise. Und damit auch Baukrise. Dennoch: Das Vorhaben des jungen Meisters gelingt. Zunächst arbeitet er allein. Später kommen Gesellen und Lehrlinge hinzu. Heute beschäftigt sein Betrieb zehn Mitarbeiter. In Erwitte, wohin er anlässlich des Baus einer repräsentativen Fliesenausstellung den gesamten handwerklichen Bereich verlegt hat.

Dieser handwerkliche Bereich - wie setzt er sich zusammen? Wie hat er sich entwickelt? Die Erklärung führt noch einmal in die Vergangenheit. Und zwar diesmal in die jüngere. Denn - Tradition hin oder her - die heutige Bezeichnung dieses Berufs gibt es erst seit 1935. Zuvor verarbeiteten Ofenbauer und Töpfer die Fliesen, die sie anfänglich sehr aufwendig in der eigenen Werkstatt herstellen mussten.

Wenn in seinem Beruf gemeinhin nur von Fliesen die Rede sei, so meine Frage an den Meister, wie sehe dann der Umgang mit Platten und Mosaiken aus? Platten, bekomme ich zu hören, werden vornehmlich im Außenbereich sowie in Kellern und auf Treppen verlegt. Und Mosaiken sehr häufig in und an privaten Schwimmbecken.

Stichwort privat. Um private Aufträge kümmert sich inzwischen vorwiegend Sohn Matthias, der, nach einiger Zeit der Eigenständigkeit, ab Beginn dieses Jahres mit dem Vater eine GmbH gegründet hat. Auch er ein Meister. Der „Altmeister“ sieht sich eher für die öffentlichen Aufträge zuständig. Dazu einige Beispiele von heute: Dreifaltigkeitshospital Lippstadt, eine Mensa in Paderborn, die Feuer- und Rettungswache in Soest. Fernuni Hagen. Und einige mehr.

Hohe Ansprüche an körperliche Fitness

Es floriert also. Auch für die Zukunft sieht Franz-Wilhelm Kanne nicht schwarz. Da macht er sich schon eher Sorgen um geeigneten Nachwuchs. „Unser Beruf stellt hohe Ansprüche an die körperliche Fitness. Knie und Rücken sind besonders gefordert“, sagt der 61-Jährige. Und was die übrigen Voraussetzungen anlange, da sei besonders die Fähigkeit zu räumlichem Denken gefragt. „Der Fliesenleger muss sich einen Rohbau in seiner Vollendung vorstellen können.“

Das Gespräch kommt noch auf die Arbeitsweisen und die Baustoffe. Da habe sich, so der Meister aus Rixbeck, im Laufe der Jahrzehnte nicht allzu viel verändert. „Früher wurde allerdings mehr gemörtelt. Während heute nur noch geklebt wird.“ Es müsse eben schnell gehen. „Die Leute haben keine Zeit mehr.“ Und noch etwas. Den früheren „winterlichen Durchhänger“ gebe es inzwischen nicht mehr. Dank besserer Heizmöglichkeiten. - Willi Kröger

25.11.2011 21:15
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