Handwerk

„Der Uhrmacher braucht Geduld und gute Augen“

ERWITTE - Es steht da in dicken Lettern. Im Brief der Handwerkskammer Arnsberg. Uhrmachermeister. Ein Titel, zu dem Reinhard Brexel einen kurzen und trockenen Kommentar liefert. „Im Grunde,“ sagt er nämlich, „trifft das gar nicht zu. Das mit dem Meister. Nie im Leben habe ich eine Uhr hergestellt.“ Nun ja, das haben die allermeisten seiner Kollegen auch nicht. Wie auch, im Zeitalter der Industrie? Die Arbeit des Uhrmachers von heute besteht vorwiegend im Montieren, Demontieren und Reparieren von Uhrwerken und Zubehörteilen, insbesondere der Uhrgehäuse. Reinhard Brexel ergänzt: „Die einst rein mechanische Arbeit wurde durch die Quarztechnologie regelrecht reformiert.“ Und nicht nur als Handwerker - der brauche Geduld und gute Augen -, sondern auch als Berater und Verkäufer sei der Uhrmacher gefordert. Was dazu auch noch für die Schmuckbranche gelte.

Reinhard Brexel trat in die Fußstapfen seines Vaters. Der hatte 1948, als ihm mit der Währungsreform die Stunde Null schlug, am Markt in Erwitte ein Uhrenfachgeschäft eröffnet. Später siedelte er sich am Hellweg an, wo der Betrieb noch heute seinen Sitz hat. Für Sohn Reinhard kam kaum ein anderer Beruf in Betracht. Sicher, technischer Zeichner, das hätte er sich auch vorstellen können. Doch Vaters Wunsch gab den Ausschlag. Und so ging er bei ihm in die Lehre. Dreieinhalb Jahre. In denen er einen mehrwöchigen Blockunterricht an der Uhrmacherschule in Hamburg absolvierte. Fast nebenbei erlernte er auch noch den Beruf des Augenoptikers. Beide Gesellenprüfungen legte er 1980 ab.

Und in beiden Berufen arbeitet er auch einige Jahre in Rietberg. Zwischendurch, von 1985 bis 1987, besucht er die Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung im Uhrmacherhandwerk. Ausschließlich in Abend- und Samstagskursen. Der Meister im Uhrmacherhandwerk genügt ihm dann. Den Optikerberuf wird er im weiteren Verlauf vernachlässigen. „Für eine weitere Meisterprüfung fehlten mir - in der Zwischenzeit Familienvater geworden - die Zeit und der Nerv.“

Das Geschäft des Vaters übernimmt Reinhard Brexel im Jahre 1992. Seitdem erlebt er die in seinem Handwerk üblichen Veränderungen. In einem Handwerk, das, man mag es kaum glauben, aus dem der Schlosser und Schmiede hervorgegangen ist. Selbst als Mitte des 16. Jahrhunderts die ersten Uhrmacherzünfte in Deutschland entstanden, hatten Schlosser noch das Recht zum Bauen von Uhren.

Uhrmacherei zählte zu den Künsten

Die Uhrmacherei zählte zunächst zu den Künsten, dann auch zum Kunsthandwerk. Uhrmacher galten als Pioniere der Feinmechanik. Wenn Reinhard Brexel seine Arbeit beschreibt, dann erwähnt er schon mal „die tolle Herausforderung, die ein Chronograph (eine Armbanduhr mit Stoppvorrichtung) an den Fachmann stellt“. Da kommen mehr als 300 Einzelteile zusammen.

Hat es sich stark bei ihm ausgewirkt, dass heute Uhren als Billigware aus allen möglichen Quellen zu beziehen sind? Nicht so sehr, wie man meinen möchte. Offenbar hätte es ihn schlimmer treffen können. Für viele Menschen ist Uhrenkauf doch immer noch Vertrauenssache. Der 56-jährige Meister aus Erwitte hat sich Kenntnisse auch im Goldschmiedehandwerk angeeignet. „Solche Arbeiten mache ich mit Vorliebe,“ betont er mit Nachdruck. Die Brexels sind eine Uhrmacherfamilie. Reinhard ist darin die Nummer 13. Und er ist nicht der Letzte.

- Willi Kröger

04.11.2011 19:14
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