Handwerk

„Die Abwrackprämie hat uns richtig gut getan“

ANRÖCHTE - Früher nannte man sie landläufig Autoschlosser. Später mutierten sie zu Mechanikern. Und als diese mit den Kfz-Elektrikern zu einem neuen Berufsstand verschmolzen, da waren sie allesamt Kfz-Mechatroniker. Womit auch nach außen die veränderten Anforderungen im Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk sichtbar wurden. Diese Veränderungen hat Michael Friedrich noch überwiegend mitgemacht. Doch als er 1983 den Betrieb seines Vaters übernahm, gemeinsam mit seinem Bruder, da war er nicht mehr nur klassischer Handwerker, da war er auch Autohändler. Vertragshändler von Opel.

Zunächst als „Unterhändler“

Die Partnerschaft hatte der Vater Karl Friedrich (er starb vor wenigen Wochen) schon Anfang der 60er-Jahre begründet. Er war ein Oberpfälzer, den der Krieg und die Liebe nach Westfalen verschlagen hatten. „Als Soldat hatte er meine Mutter in Overhagen kennen gelernt“, erklärt der Sohn. Karl Friedrich arbeitet nach dem Krieg einige Jahre im Autohaus Braun in Lippstadt, um sich aber schon sehr bald in Anröchte selbstständig zu machen. Zunächst ohne feste Markenbindung, als sogenannter Unterhändler. „Zu dieser Zeit“, sagt der heutige Meister, „hat mein Vater sich mit nahezu allem befasst, was Räder und einen Motor hatte.“ Er selbst habe - zum Beispiel - mit einem Goggomobil nichts mehr zu tun gehabt.

Es war ganz selbstverständlich für ihn, dass er dem Vater im Beruf nachfolgen würde. Den er aber nicht bei ihm, sondern in Paderborn erlernte. Die Gesellenjahre allerdings verbrachte er im väterlichen Betrieb. Im Jahre 1983 macht er die Meisterprüfung. Und führt, als sich der Senior dann aus dem Geschäft zurückzieht, zusammen mit seinem Bruder die Firma. Der Bruder ist für den kaufmännischen Bereich zuständig. Nach dessen frühem Tod übernimmt Michael Friedrich auch diesen Part und somit allein die Leitung des Autohauses. „Im Verein mit meiner Frau,“ sagt er nicht ohne Nachdruck. Brigitte Friedrich ist für alles zuständig, was mit Büchern und Finanzen verbunden ist. Zur Entlastung des 56-jährigen Chefs ist ein weiterer Meister eingestellt. Insgesamt sind sie 20 Beschäftigte.

Auf die Wandlungen in seinem Beruf angesprochen, verweist Michael Friedrich vor allem auf den starken Einfluss der Elektronik. Sie habe zu einem wesentlichen Teil die Handarbeit ersetzt. Und Veränderungen in der Zukunft? Wie sieht er die Entwicklung des Elektroautomobils? Zunächst noch abwartend. Auch Opel arbeite daran. Doch das scheint ihn noch nicht allzu sehr zu berühren.

Ob Opel denn das alleinige Standbein sei, möchte ich wissen. „Natürlich nicht“, ist die Antwort. „Wir reparieren Fahrzeuge aller Art, bis hin zum Kleinlaster. Und handeln selbstverständlich auch mit Gebrauchtwagen aller Herkunft.“ Aber - und dies ist ihm wichtig: Die Treue zur Marke ist eines seiner Geschäftsprinzipien. Sie allein garantiere auf Dauer Erfolg. Von Kontinuität spricht er in dem Zusammenhang. Was den Blick auf die Zukunft lenkt. Die sieht er offenbar recht rosig. „Wir sind gut gerüstet.“ Sohn Christopher wird für eben diese Kontinuität sorgen. Dass er das Handwerk nicht mehr erlernte, sondern als Diplomkaufmann demnächst die Firma führen wird, ist da kein Widerspruch.

Chromblitzendes Ambiente

Inmitten dieses chromblitzenden Ambientes wird einem so richtig bewusst, dass das Auto ein ganz starker Wirtschaftsfaktor ist - und nebenbei trotz Internet der Deutschen liebstes Kind. Und führt zu der Frage nach der Konjunkturspritze, mit der vor gut zwei Jahren die damalige Regierung den wirtschaftlichen Kreislauf stützte und die manchem Normalverbraucher arge Schmerzen bereitete. Michael Friedrichs unzweideutige Antwort darauf: „Die Abwrackprämie hat uns richtig gut getan.“ Und es gab keinen Einbruch danach. Was denn noch mal sein Leitwort bestätigt: Kontinuität.

- Willi Kröger

02.09.2011 19:43
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