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LIPPSTADT

Drohbrief nach Mafia-Manier treibt Chor zur Selbstaufgabe

Lipperode - Der Vorstand der Lipperoder Burgschwalben ist mit seinen Kräften am Ende, kann und will nicht mehr. Auch Ursula Tillmann hält diesen „Psychoterror“ einfach nicht mehr aus: Seit dem 15. Dezember ist für die Chorleiterin und ihren Vorstand nichts mehr, wie es einmal war. An diesem Donnerstagmittag öffnet die 51-Jährige einen an sie adressierten Brief: Ein Drohschreiben - gespickt mit scharfer Schreckschuss-Munition. Eine Warnung nach Mafia-Manier, die den Chor nun tatsächlich zur Selbstaufgabe treibt.

Es sind handschriftliche Zeilen, die die einst unbeschwerte Sängerin bis ins Mark treffen. Und Drohungen, die nach Ansicht des gesamten Vorstandes „den Fortbestand des Kinder- und Jugendchores in vollem Umfang in Frage stellen“. Stand heute wollen sich die Lipperoder Burgschwalben auflösen. In aller Konsequenz, endgültig. Wenn, ja wenn sich der Schuldige nicht doch noch alsbald finde.

Vor Eltern reinen Tisch gemacht

Sechs Wochen hatten Vorstand und Chorleitung „ernsthaft versucht, den Fall im kleinen Rahmen zu klären“. Ohne großes Aufsehen. Und ohne die Beteiligung der Eltern. Vor allem im Interesse der Kinder, sagen sie, mit Blick auf den Ort und das Gemeinwohl.

Doch getuschelt wird im Dorf bereits seit Tagen. Und gemutmaßt, auf wildeste Weise. Wohl auch, weil die Chorproben schon seit Wochen „aus organisatorischen Gründen“ abgesagt werden. Ein Zustand, der eigentlich gar keiner ist. Deshalb trat die Chor-Spitze am Dienstagabend gemeinsam die Flucht nach vorn an, machte vor den versammelten Eltern reinen Tisch. Es sei an der Zeit, mit diesem „brisanten Thema“ an die Öffentlichkeit zu gehen, auch auf Rat der eingeschalteten Anwältin. Für die Sicherheit der Burgschwalben könne und wolle der Chor-Vorstand unter diesen Umständen nicht länger garantieren. Schließlich werde Ursula Tillmann in dem Schreiben nicht als Privatperson, sondern vielmehr als Chorleiterin bedroht.

Und in der Tat: Neben obszönen Beleidigungen steht die 51-Jährige in eben jenem Schreiben vor allem in ihrer Funktion als Chorleiterin im Visier. Der anonyme Autor wörtlich: „Es werden sowieso immer die gleichen Lieder gesungen. Was hast du eigentlich gelernt? Deine Vater hätte dich in die Hecke (...)“

Und weiter: „Ich werde dir schon zeigen, wer was zu sagen hat (...)“ bis hin zu „Sei vorsichtig, du (...)“. In Verbindung mit der beigelegten Schreckschuss-Patrone aus einer Selbstschuss-Falle für Wühlmäuse sieht sich die Chorleiterin „ernsthaft bedroht“ - sowie auch ihre Schützlinge.

Zumal der anonyme Autor die Lipperoder Chor-Szene zu kennen scheint: „Wenn wir Konzert in Lipperode haben müssen die Burgschwalben auftreten und nicht woanders“, heißt es in dem Schreiben. Im Folgenden: „Du hast den Cor nicht gegründet es wahren unsere Eltern.“ Hinweise, die nahezu unweigerlich auf den Gemischten Chor Cäcilia - einen anderen Lipperoder Chor - hinweisen. Oder es ganz gezielt sollen. Fakt ist jedenfalls: Die Lipperoder Burgschwalben wurden vor 36 Jahren von Eltern des Gemischten Chores Cäcilia gegründet. Vier Jahre wurde gar unter dessen Obhut gesungen, ehe sich der Kinderchor - „nach stetigen Umstimmigkeiten“, so der Burgschwalben-Vorstand unisono, 1980 selbstständig machte. Ein weiteres Indiz - und nach Ansicht der Chor-Spitze Auslöser für den Drohbrief: Am dritten Adventssonntag sangen die Burgschwalben bei einem internen Auftritt für Behinderte im Josefshaus - während Cäcilia am Abend zum Adventskonzert in die katholische Kirche bat. Am Donnerstag darauf folgte der Drohbrief.

Pikant: Von 1991 bis 2008 leitete Ursula Tillmann parallel zu den Burgschwalben auch eben jenen Gemischten Chor Cäcilia. Nach eigenen Angaben „mit viel Hingabe und Herzblut“. Man habe gemeinsam gar „eine tolle Zeit und viel Spaß“ gehabt. Und das obwohl sie damals nach eigenen Angaben in die Rolle der Chorleiterin gedrängt worden sei. Aufgrund von Herzproblemen und zweier Pflegefälle in der eigenen Familie trennte sich die damals 48-Jährige 2008 schließlich von den „Älteren“. Eine Trennung, die ihr einzelne Cäcilia-Mitglieder „vielleicht übel genommen haben“.

„Keine Bedrohung, eher Beleidigung“

Polizei-Sprecher Winfried Schnieders ist die „verfahrene Geschichte“ durchaus bekannt. Mitglieder des Gemischten Chores Cäcilia seien dazu bereits angehört worden. Allerdings habe sich dabei kein hinreichender Tatverdacht ergeben. Die Polizei sieht in dem Brief zwar „keine ernste Bedrohung, sondern eher eine Beleidigung“, so Schnieders. Und dennoch: Selbstverständlich werde der Drohbrief noch auf Spuren untersucht - bevor die Akte schließlich der Staatsanwaltschaft übergeben werde. Letztere müsse dann entscheiden, ob die Polizei den Fall weiter verfolgen soll.

Während die Eltern der Burgschwalben entsetzt sind, distanziert sich der Cäcilia-Vorstand von besagtem Brief. - stn

01.02.2012 18:21
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  Jenny Bölter, Esbeck 01.02.2012 22:20:35
Und der Cäcilia-Vorstand hat sich bis jetzt nicht gemeldet oder dazu geäußtert.
  Sonja Schlink, Lippstadt 01.02.2012 22:27:28
Cäcilia hat sich von dem Drohbrief überhaupt nicht distanziert. Warum kommt von dem Vorstand wohl keine Reaktion? Ach ja... Keine Reaktion ist auch eine Reaktion
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