Handwerk

Ein Lippstädter Betrieb mit rheinischen Wurzeln

Lippstadt - Die alten Griechen waren es nicht. Ausnahmsweise mal. Aber die Phönizier. Die sollen schon vor 7000 Jahren Sodabrocken mit Sand zu Glas verbunden haben. Sollen. Sicher ist hingegen und damit Geschichte, dass unter den Römern der Werkstoff Glas zu großer Blüte kam und entsprechend vielfältiger Anwendung. Zur Geschichte gehört fast auch schon die Entwicklung der Lippstädter Kunstglaserei, die Günter Hertel seit Jahrzehnten betreibt. Zuerst in der Poststraße und dann in der Bökenförder Straße.

Sein Vater hatte einen Zweig der „Königlich Sächsischen Hofglaserei“, die von Karl Hertel im Jahre 1869 in Düsseldorf gegründet worden war, 1928 nach Lippstadt verpflanzt. Nach seinem Tod 1947 musste Sohn Günter das Ostendorfgymnasium verlassen, um beim Onkel in Düsseldorf die familiär vorgezeichnete Berufsbahn zu betreten.

Unter den Glasern gibt es solche und solche. Für Günter Hertel war es keine Frage. Er entschied sich, wie schon die familiären Vorgänger, für die künstlerische Variante. Es gebe, sagt er, zwar keine gesetzlich oder sonst wie geregelte Unterscheidung zwischen den Vertretern der eher profanen Berufsausübung und denen mit mehr künstlerischer Ausprägung; der Unterschied habe sich in der Entwicklung so ergeben.

Seine Meisterprüfung legt er 1958 ab. Schon zuvor hatte er den väterlichen Betrieb übernommen, den seine Mutter einige Jahre quasi kommissarisch geführt hatte. Gemeinsam mit Bruder Hubert und weiteren Mitarbeitern formt er ihn zu einem weithin bekannten Unternehmen.

Sein Kunsthandwerk - Künstler will sich Günter Hertel nicht nennen - besteht, grob gezeichnet, aus der Arbeit mit Glaserzeugnissen der verschiedensten Art. Das schließt die Erstellung von Entwürfen, die Bearbeitung von Rahmen, die Einrahmung von Spiegeln und vieles andere ein. Vor allem aber die Gestaltung von Fenstern einschließlich deren Bemalung.

Hierin bestand in den ersten Meisterjahren die Hauptaufgabe von Günter Hertel. In Lippstadt boten ihm die Neubauten von Maria Frieden, Antonius- und Piuskirche ein dankbares Betätigungsfeld. Doch sein Aktionsradius ragt weiter über Lippstadt hinaus. Eine Auflistung seiner Arbeiten an Kirchen würde Seiten füllen.

„Ich arbeitete viel nach Entwürfen von Bernhard Gohla und Peter Wittkop“, erläutert der Meister in der Rückschau. Eine gute Zeit lang hat auch die Renovierung und Restaurierung von Kirchenfenstern eine bedeutende Rolle gespielt. Auch heute noch. Doch inzwischen würden häufig Schutzverglasungen angebracht, sagt der 81-Jährige, damit die Bemalung vor Witterungseinflüssen geschützt bleibt. Auch das bringt natürlich Arbeit für die Hertels, doch es schränkt andererseits die Notwendigkeit der Farberhaltung ein.

Aber nicht nur Kirchenmalerei stand auf dem Programm des Altmeisters. Zahllose Privathäuser, auch das Lippstädter Metzgeramtshaus, profitierten von seiner und seiner Mitarbeiter Kunstfertigkeit. Und Familien- und Vereinswappen - „die vom BVB und Schalke gehen am besten“ - waren und sind gefragt. Im Lauf der Jahre nahm auch die Glaserei der ganz alltäglichen Art zu. „Wir haben viel mit Versicherungen zu tun. Auch Glasbruch bietet uns Arbeit.“

Für die Zukunft sieht sich Günter Hertel gut aufgestellt. Gemeinsam mit Sohn Helmut, auch er längst Meister und inzwischen Firmenchef, sowie Enkelsohn Philipp. Und zwei Monteuren.

- Willi Kröger

14.10.2011 15:30
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