Handwerk

Ein junger Handwerkszweig: Im Sog des Automobils

Lippstadt - Die bislang in dieser Reihe porträtierten Handwerksmeister sind oder waren allesamt Vertreter eines Berufes mit Jahrhunderte langer Tradition. Bei Joachim Kienel ist das nicht ganz so. Was in der Natur der Sache liegt. Denn er übt ein Handwerk aus, das seine Entstehung dem Motorfahrzeug verdankt. Joachim Kienel ist Autosattlermeister.

Aber das ist nicht etwa ein Beruf aus dem Nichts. Schließlich wurde da nur „umgesattelt“ - vom Pferd aufs Auto. Und anfangs wurde ja auch noch zweigleisig gearbeitet. Für die Pferdestärken der einen wie der anderen Art. Doch als der Siegeszug des Automobils nicht mehr aufzuhalten war, da schlug die Stunde der Spezialisten. „Bei uns in Lippstadt,“ sagt Joachim Kienel, „war Christian Berlik der Erste, der in seinem Meisterbrief den Titel Autosattler schwarz auf weiß hatte.“

Namen der Firma bewusst beibehalten

Christian Berlik, 2006 verstorben, war ein Breslauer, den es - nach seinem Kriegsdienst in Eringerfeld - über Oestereiden nach Lippstadt verschlagen hatte. In der Firma von Franz Gasch war er zunächst als „Allround-Sattler“ tätig, bevor er sich selbstständig machte und hauptsächlich dem Auto verschrieb. Nach Anfängen in der Burgstraße und dann Soesttor fand der Betrieb 1965 im Tonhüttenweg seinen endgültigen Sitz. Und dort wird er unter dem angestammten Namen seit 1989 von Joachim Kienel geführt.

Im Jahre 1962 hatte er als Lehrling bei Christian Berlik angefangen. Schon fast zum Altgesellen gereift, entschloss er sich schließlich doch zur Meisterprüfung. Das war im Jahre 1991. Warum er sich relativ viel Zeit ließ? Ganz einfach. Es war lange unklar, ob er die Nachfolge seines Chefs antreten würde. Und dann war es auch eine Geldfrage. Er war nicht in der privilegierten Lage eines Meistersohnes. Den Besuch einer vollzeitigen Fachschule konnte er sich nicht leisten. Also musste er sich in mühevollen Abendkursen das nötige Wissen erwerben. Gar nicht einfach - so nebenbei. Denn er hatte ja schon zwei Jahre zuvor die Führung der Firma übernommen. Und er hatte Familie.

Den Namen der Firma behielt er bewusst bei, denn es war ein guter. Der weit über Lippstadts Grenzen hinaus bekannt war. Er behielt seinen guten Ruf auch unter Joachim Kienel. Strahlte hinaus bis zu Opel nach Bochum. Dies nur ein Beispiel.

Auf Auswärtsmontage wurde auch schon mal gearbeitet. Heute weniger. Überhaupt ist heute vieles anders. Was unter anderem an der Beschaffenheit der Autos liegt. Früher, so Joachim Kienel, musste zuerst der Sattler den sogenannten Himmel ausbauen, bevor der Schlosser tätig werden konnte. Heute gebe es diesen Himmel nicht mehr. Dank Plastik.

Was sich für den Autosattler negativ ausgewirkt hat, das ist die Methode Leasing. „Ehe eine Plane beim LKW kaputt ist, wird der Wagen schon ausgetauscht.“ Joachim Kienel erwähnt das nur beiläufig. Wie auch die Sache mit den Schonbezügen für PKW-Sitze. Auf die seien Autofahrer vor Zeiten geradezu erpicht gewesen. Später ließ das Interesse daran nach, doch neuerdings steige es wieder an. Vornehmlich bei Firmenwagen.

Auch der Bootsfahrer will es bequem haben

Nicht allein das Auto beschert einem Sattler das tägliche Brot. Mit der Zeit sind da weitere Arbeitsfelder entstanden. So durch das „Auto zu See“. Schließlich möchte es auch der Bootsfahrer bequem und häuslich haben. Und wer die angestammte Häuslichkeit ausdehnen möchte, indem er sich einen Wintergarten zulegt, für den ist der Autosattler ein kompetenter Fachmann.

Doch damit nicht genug. Da gibt es noch die vielen Spezialanfertigungen für die Industrie. Joachim Kienels Firma stellt Folien her für den Transport von Scheinwerfern. Für die Hella natürlich. Und die Lippstädter Satro GmbH benötigt Manschetten für die Befüllung ihrer Maschinen zur Lebensmittelproduktion.

Flexibel also muss er sein, der Autosattler. Joachim Kienel versucht es - mit Erfolg. Und mit seiner Familie. Ehefrau Ruth hat lange die Büroarbeit erledigt. Was nun Tochter Katrin besorgt, gelernte Autosattlerin. Schwiegersohn Christian ist ebenso dabei und vom Fach. Wie natürlich Sohn Sebastian. Er ist Meister seit 2003 und wird den 64-jährigen Vater demnächst ablösen. Zum Familienteam hat sich dann noch ein weiterer Fachmann hinzu „gesellt“.

- Willi Kröger

06.05.2011 18:59
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