Handwerk

„Frauen lassen sich eher von Männern frisieren“
LIPPSTADT - Eine Friseurin ist eine Haarkünstlerin. So steht es im Lexikon. Was bedeutet, dass auch sie eine Frau der Künste ist - Gerda Pütt. Die sieht sich allerdings eher als solide Körperpflegerin. Immerhin - sie ist Meisterin in einem Handwerk, das, laut Eigendarstellung, „das Erscheinungsbild eines Menschen so verändert wie sonst nur ein Schönheitschirurg.“Seit 1972 führt Gerda Pütt ihren Betrieb in Lippstadts Cappelstraße. Bereits in der dritten Generation, was in ihrem Gewerbe schon eine Seltenheit ist. Und mit Sohn Uli steht auch die vierte Generation bereit. Doch ob der - zur Zeit als Fachtrainer tätig - die Tradition fortsetzen wird? Die Tradition wurde begründet von Gerda Pütts Großvater. Der hieß Peter Niggemeier, und er errichtete im Jahre 1899 das Haus, das ihm und seiner Familie fortan Wohn- und Arbeitsstätte zugleich sein sollte. Peter Niggemeier war nur Herrenfriseur. Barbier - wie man zu seiner Zeit auch noch gern sagte. Zu einer Zeit, da Herren, die es sich leisten konnten, frühmorgens zum Rasieren kamen. Ein hübsches Anekdötchen aus jenen Jahren: Regelmäßig, so Gerda Pütt, sei auch „Küken Jo“, der populäre langjährige Küster von St. Nicolai, zu diesem Zweck in den Salon des Großvaters gekommen. Eines Morgens, in sichtlicher Eile, habe er zu ihm gesagt: „Peter, mach mir erst nur eine Backe, ich muss jetzt läuten.“Mit Rasieren hat sich die Enkelin nicht mehr befassen müssen. Obwohl sie Meisterin im Damen- wie im Herrenfach ist. Diese Arbeit überließ sie gern ihrem Bruder Hermann, der bis 1971 das Geschäft führte. Er hatte es 1956 von seinem Vater übernommen und eine Zeit lang gemeinsam mit ihm geführt. Vater Hermann Schulte-Nölle, der eingeheiratet hatte, war ausschließlich Damenfriseur. Aber auch Herren gingen bei ihm nicht ungeschoren davon.Ob die Geschlechtertrennung beim Frisieren denn heute überhaupt noch eine Rolle spiele, will der Verfasser wissen. „Kaum,“ sagt Gerda Pütt, aber es gebe immer noch einige Männer, die gegenüber Frauenhänden etwas zögerlich seien. Hingegen: „Frauen lassen sich eher von Männern frisieren.“Die Meisterin aus der Cappelstraße hat so einige Wandlungen in ihrem Handwerk erleben müssen. Einem Handwerk, das sich aus der mittelalterlichen Tätigkeit der Bader und Barbiere entwickelt hat. Diese Vorläufer der heutigen Friseure widmeten sich noch der so genannten „niederen Heilkunst“ - wie Zähneziehen und Aderlassen.Zu Gerda Pütts Ausbildung, die sie im Lippstädter Salon Kett erhielt, gehörte neben dem Frisieren auch der Erwerb von Fähigkeiten in der Kosmetik sowie im Perückenknüpfen. „Das haben wir früher noch von Hand gemacht. Heute erledigt das die Fabrik.“ Aber das Maßnehmen wie auch das Zuschneiden gehöre noch zu den Aufgaben des Handwerks.Überhaupt - früher. Da hätten sie sich die Finger wund gerieben bei der Dauerwelle. Heute schrieben die Berufsgenossenschaften das Tragen von Handschuhen vor. Zeitweilig sei die Dauerwelle etwas verdrängt gewesen, heute sei sie durchaus wieder gefragt. Wichtig sei inzwischen aber vor allem das Schneiden - und nicht zuletzt das Färben.Gibt es so etwas wie eine „Hoch“-Zeit des Figaro - wie zum Beispiel früher vor den Schützenfesten? Das komme schon noch vor, vor allem bei den jeweiligen Hofdamen. Im Friseurgewerbe haben sich die Betriebe - gegen den Trend in den meisten Handwerksberufen - deutlich vermehrt. „Weil man heute den Meisterbrief nicht mehr braucht,“ sagt Gerda Pütt, die selbst sechs Jahre im Prüfungsausschuss tätig war.Von den Friseuren wird ja gesagt, dass sie auch eine Art von Beichtvätern und Seelentröstern seien. „Da ist schon was dran,“ sagt die inzwischen 70-Jährige, die auch deswegen noch nicht ans Aufhören denkt. Denn vor allem das Gespräch mit den langjährigen vertrauten Kundinnen ist ihr wichtig. Und von denen hat sie noch viele.  n Willi Kröger
05.12.2009 00:00
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