Kreis Soest - Der Blick schweift über weite Felder. In saftigem Grün präsentiert sich der schon recht hochgewachsene Mais. Getreideähren auf unterschiedlich gelb-grauen Flächen wiegen sich im Wind. Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, die Gemarkung Gabrechten in Bad Sassendorf, durch die die diesjährige Vorernte-Feldrundfahrt des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest führt. Die Bauern, die auf diesen fruchtbaren Bördeböden anbauen, haben Grund zur Zufriedenheit. Nicht überall im Kreisgebiet sind die Voraussetzungen so gut wie hier.
Das macht Vorsitzender Josef Lehmenkühler (Ehringhausen) schon vor Antritt der Fahrt deutlich. Der von der Landwirtschaft geprägte Kreis Soest stellt keine homogene Einheit dar, es gibt verschiedene Naturräume, in denen sich mit unterschiedlichem Erfolg wirtschaften lässt. „Und selbst die Standorte innerhalb eines Betriebes unterscheiden sich“, macht der Vorsitzende die Herausforderungen deutlich, denen sich der Landwirt ausgesetzt sieht. Da gelte es, mit der Natur zusammen das Optimale für die Pflanzen herauszuholen. Die Natur alleine liefere „nichts 100prozentiges“. Da gebe es immer etwas auszugleichen.
Das haben die Landwirte insbesondere im laufenden Erntejahr 2012 ziemlich bitter erfahren müssen: Nach optimalen Verhältnisen bei der Aussaat und einem für die Pflanzen idealen Herbst stellte sich eine Wetterkonstellation ein, die zu hohen Verlusten führte. Zwei bis drei Wochen starkem Frost ohne schützende Schneedecke folgte eine Trockenperiode, in der die Pflanzen vielerorts - vor allem im südlichen Kreisgebiet - keine Chance hatten, sich zu regenerieren, sie vertrockneten. Auf der Haar gab es Totalausfälle. „Als Ersatzfrucht wurde oft Mais genommen, weil der Zeitpunkt für die Aussaat anderer Pflanzen bereits überschritten war“, so Lehmenkühler. Die geplante Fruchtfolge sei so durcheinandergebracht worden. Der Vorsitzende schätzt, dass auf etwa 50 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Kreis Soest Verluste zu beklagen sind.
Hat der kühle und nasse Mai gemäß der alten Bauernregel den Pflanzen einen guten Schub gegeben („Der Mai hat viel gerettet.“), ist die anhaltende Feuchtigkeit jetzt ein Problem, wie der Bauern-Chef und Dirk Schulze-Gabrechten deutlich machen. Durch die Felder des Landwirts aus Bad Sassendorf-Lohne führt die Vorernte-Inspektion.
Der Mais zeigt sich hier in üppigem Grün. Zwar braucht er Wasser, das er zurzeit genug erhält, doch sind auch Sonne und Wärme vonnöten. „Bis zur Ernte im September/Oktober kann ja noch einiges passieren“, geben sich die Landwirte zuversichtlich.
Die Gerstenernte sollte eigentlich in vollem Gange sein. Einige Flächen sind zwar schon gedroschen, weitere Erntetätigkeiten werden aber durch die anhaltende Feuchtigkeit behindert. Durch den derzeitigen schnellen Wechsel von Trockenheit und Nässeabschnitten werden die Getreidestängel brüchig, die Ähre neigt sich zum Boden, einige brechen ab. Schwierigkeiten beim Dreschen sind vorprogrammiert.
Der Roggen - er spielt im Kreis Soest eine nur untergeordnete Rolle - hat sich im Winter als erstaunlich stabil herausgestellt. Bleibt es feucht, besteht die Gefahr, dass die Körner in den Ähren bereits keimen, was zu einer minderen Qualität führt. Das Stroh der sehr langen Halme wird an Pferdehalter verkauft, dient aber auch der Anfertigung von Strohkränzen.
Zum Teil ins Lager gegangen sind Weizenflächen um Bad Sassendorf. Unwetter sind oft der Grund. Jedoch kann das auch mit nahe am Feldrand gepflanzten Bäumen und Büschen zu tun haben, die dem Getreide Wasser wegnehmen. Deshalb werden an Feldrainen auch gerne Grünstreifen stehengelassen, die gleichzeitig im Zuge des Vertragsnaturschutzes angelegt werden, um Refugien für Insekten und andere Tiere zu schaffen.
Recht gut stehen die Zuckerrüben, obwohl sie im Mai in Bad Sassendorf durch Hagel in Mitleidenschaft gezogen wurden. Kamillepflanzen wachsen „in tolerabler Anzahl“ auf den Rübenäckern. Der Raps ist derzeit schon weit fortgeschritten. Die Landwirte befürchten, dass er noch während der Gerstenernte reif wird und gedroschen werden muss. Die Pflanzen haben den Winter ebenfalls sehr gut überstanden.
Der Kartoffelanbau ist in den vergangenen zehn bis 15 Jahren in der Soester Börde stark ausgeweitet worden. Die Frucht braucht viel Wasser, allerdings besteht bei anhaltender Nässe auch die Gefahr des Pilzbefalls. Frühkartoffeln können derzeit wegen zu nasser Äcker zum Teil noch nicht geerntet werden. - khg