SPORT

Für Motocross-Talent Emely heißt es vom Start weg „volle Pulle“

Von Thomas Wiegand

Völlinghausen - Das letzte Foto ist im Kasten, da wirft Emely auch schon wieder ihre Maschine an und dreht auf einem Acker hinter dem elterlichen Haus die nächsten Runden. Welche Leidenschaft die erst achtjährige Schülerin gepackt hat, ist unschwer zu erkennen: das Motocrossfahren!

Und Emely Heleenders Romero ist erleichtert, dass ihre KTM 65ccm endlich aus dem Winterschlaf erwacht ist und bald wieder die nächsten Trainingseinheiten und Rennen angesagt sind. Die Faszination Motocross lässt Emely jedenfalls nicht mehr los. „Das Springen und schnelle Fahren finde ich beim Motocross besonders gut. Immer volle Pulle“, so das junge Mädchen, das in Sachen Motocross familiär vorbelastet ist. So dreht sich auch bei Vater Wilfried und Bruder Fabian auf sportlicher Ebene fast alles um den Motocross-Sport.

Vom Trampolin ausgebremst

Mit viereinhalb Jahren stieg Emely dann im Garten zum ersten Mal selbst auf eine Maschine und wurde prompt von einem Trampolin ausgebremst, das ihr irgendwie im Weg stand. Dieser letztlich harmlose kleine Crash musste erst einmal verdaut werden. Ein halbes Jahr später nahm Emely in Sachen Motocross dann noch einmal einen neuen Anlauf auf einer speziell auf sie abgestimmten KTM 50 ccm. Die hatte ihr Vater extra für sie angeschafft. Und die Investition machte sich bezahlt, denn jetzt gab es für Emely kein Halten mehr.

Inzwischen hatte sie sich auch dem AMC Geseke angeschlossen, wo ihr Bruder Fabian das Kidscross-Training leitet. Und das Talent seiner Schwester blieb dem 21-Jährigen nicht verborgen. Fabian Romero: „Man konnte schnell erkennen, dass Emely über eine sehr gute Grundtechnik verfügt und das Motorrad schon erstaunlich gut beherrscht. Zwar zickt sie manchmal etwas herum, aber ich denke, das ist normal.“

Tja, und einen solch kleinen „Zickenanfall“ hatte sie dann auch 2015 bei ihrem ersten offiziellen Rennen, dem NRW-Cup in Eschweiler. Daran erinnert sich auch Vater Wilfried noch sehr gut: „Kurz vor dem Rennen hatte der Veranstalter die Strecke gewässert. Das passte Emely wohl nicht. Sie drehte einfach um und stand plötzlich wieder vor unserem Wohnmobil.“

Als sie ihrem Ärger über die nasse Strecke Luft gemacht hatte, wollte sie im Anschluss doch wieder ihre Renndebüt in Angriff nehmen. Tat sie auch, allerdings erst mit Verspätung, denn der erste Lauf war längst in vollem Gange und fand ohne Emely statt.

Auf jeden Fall musste Emely dann kurze Zeit später in ihrem Zimmer Platz für eine Trophäe schaffen, denn der erste große Erfolg im Motocross sollte nicht lange auf sich warten lassen. Beim Niedersachsen-Cup, einer Rennserie mit zwölf Läufen, fuhr sie als Sechsjährige prompt bis auf Platz drei vor.

Und 2016 gab Emely dann wiederum beim Niedersachsen-Cup soviel Gas, dass sie am Ende allen Jungen davonfuhr und so das erste Mädchen war, das diese Meisterschaft gewinnen konnte. Ihrem Motto „Volle Pulle“ blieb sie auch bei einem Rennen in Holland treu, von dem sie heute noch mit solcher Begeisterung berichtet, als wäre es erst gestern gewesen. Emely: „Bis auf den Zweiten habe ich da alle Fahrer überrundet.“ Auf die Frage, ob bei solchen Rennen denn auch die Angst ein bisschen mitfährt, reagiert Emely ganz entspannt: „Sicherlich muss man auch mal vorsichtig sein, aber Angst habe ich keine.“

Na ja, bei Mutter Herminda sieht das mit der Angst schon etwas anders aus. Besonders die Startphase bei einem Rennen ist aus ihrer Sicht doch sehr nervenaufreibend und sie ist immer erleichtert, wenn Emely diese unbeschadet übersteht.

Für den Sport ihrer Tochter opfert die Familie jedenfalls viel Zeit, denn neben den Rennwochenenden nimmt die Schülerin der Erich Kästner-Grundschule Erwitte zum Beispiel auch an Lehrgängen in Köln teil. Hier fördert der ehemalige beste Deutsche Motocrossfahrer Marcus Schiffer das Talent der jungen Sportlerin aus Völlinghausen. Zudem bereitet sich Emely in den Ferien in Italien, Spanien und Frankreich auf Grund des dortigen riesigen Streckenangebots auf die neue Saison vor.

Kein billiges Vergnügen

Dass der Motocross-Sport kein billiges Vergnügen ist, versteht sich fast von selbst. So schlagen allein die zwölf Veranstaltungen im Rahmen des Niedersachsen-Cups mit rund 400 Euro pro Rennen zu Buche. Emely jedenfalls fiebert jetzt der neuen Saison entgegen. Dann wechselt sie nämlich auf eine Maschine mit 65ccm. Im Gegensatz zu ihrem bisherigen Motorrad in der Hubraumklasse 50ccm ist das neue Gefährt mit einer Schaltung ausgestattet.

Und plötzlich hat es Emely ganz eilig, nach dem Gespräch in ihren selbst zusammengesparten neuen Rennanzug zu schlüpfen, um wenige Augenblicke später endlich wieder echte Motocrossluft zu schnuppern.

17.02.2017 16:52
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