Hemmern: Zum Kapellenweihfest kommen auch die Ehemaligen
Vereinsheim ist aus dem Hemmerner Dorfleben gar nicht mehr wegzudenken. Schützenfest mit Kultstatus und gelegentliche Verkehrsprobleme
HEMMERN - Der höchste Punkt des Kreises Soest liegt in Hemmern: Die Spitze Warte mit ihrem gleichnamigen Hotel, dem Reiterverein und zahlreichen Windrädern liegt nämlich so gerade noch auf dem Gebiet der rund 160 Einwohner umfassenden Ortschaft. Letztere liegt aber viel tiefer auf der anderen Seite der alles überragenden Talbrücke der Landesstraße 776.Eine Straße wie diese wäre heute gar nicht mehr zu realisieren. Aber „damals wurde das so hingenommen“, wissen die Hemmeraner. Dabei hätte der Bau der Brücke in dieser Höhe gar nicht sein brauchen. Wie viel die L 776 genutzt wird, merken die Einwohner, wenn wegen eines Unfalls eine Sperrung besteht: Dann quetschen sich mit einem Mal etliche Fahrzeuge durch die Ortsmitte. Aber die Nähe der gut ausgebauten Straße macht die Bevölkerung mobil: Man ist rasch in Lippstadt oder Büren, auf dem Flughafen oder der Autobahn 33. Oder in Rüthen: „Seit Buschkühle da ist, fahren viele zum Einkaufen dorthin, früher war es eher Büren“, erklärt ein Einwohner beim Patriot-Gespräch im Vereinshaus. Denn Hemmern liegt ziemlich am östlichen Rand der flächengrößten Gemeinde: Bis nach Büren-Weine sind es keine sechs Kilometer. Besonders die sportinteressierte Jugend zieht es dorthin.Dabei hat Hemmern einen eigenen Sportverein: Die Spiel- und Sportgemeinschaft wurde 1981 gegründet. Damals sprossen vielerorts die Freizeitmannschaften und so mancher gute Fußballer wurde an andere Vereine ausgeliehen. Immerhin: Die Menzeler Fußballer werden von einem Hemmerner trainiert. Auch wenn es einen eigenen Platz (80 x 5 Meter) gibt, liegt der sportliche Schwerpunkt auf Radfahren und Walking. Alle zwei Jahre gibt es ein Sportfest.Ebenfalls nur alle zwei Jahre wird im Wechsel Schützenfest gefeiert. „Das hat Kultstatus“, wissen die Bewohner. Die Feier wird entsprechend frequentiert und es gehört zum guten Ton, als ehemaliger Dorfbewohner in die alte Heimat zu kommen. Ein Vorteil ist der Termin, wird doch von Freitag bis Sonntag gefeiert. „Wir sind auf Auswärtige angewiesen“, erklärt Ortsvorsteher und Schützenvorsitzender Stephan Deimel.Dreh- und Angelpunkt aller Festivitäten ist das Vereinshaus. „Eigentlich sollte es eine Grillhütte werden“, erinnern sich manche, die zuvor nur auf eine ausgebaute Doppelgarage zurückgreifen konnten. Heute ist der inzwischen sogar erweiterte Bau ein echtes Schmuckstück und aus dem Dorfleben gar nicht mehr wegzudenken. Prominentester Besucher war übrigens der damalige Vizekanzler Franz Müntefering, der anlässlich der Gründung des SPD-Ortsvereins „Haar“ vorbeischaute. Eine Grillhütte gab es später doch noch: Bei der Aktion „neu-Land“ der KLJB wurde sie errichtet. Immer mehr Spielgeräte kommen hinzu.Mit dem Ausbau des Borns, einst Waschplatz des Dorfes, hatte Hemmern Pech: Die Firma ging seinerzeit pleite und eine vernünftige Bauaufsicht seitens der Stadt habe es nicht gegeben. Um die Dorferneuerungsmaßnahme zu einem glücklichen Ende zu führen, wünschen sich die Einwohner nun, eine etwas abseits gelegene Quelle begehbar zu machen. Manche Einwohner wünschen sich zudem, das Kriegerdenkmal in der Ortsmitte zu sanieren.Ein großes Fest kündigt sich für dieses Jahr auch schon an: Am 3. Oktober wird das 300-jährige Bestehen der Anna-Kapelle gefeiert. Ein fünfköpfiges Organisationsteam kümmert sich um die Feier, zu der neben der Bevölkerung (samt Ex-Hemmeranern) auch die Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte aus Altenrüthen, Menzel und Drewer sowie die früheren Geistlichen des Ortes eingeladen sind. Dem geistlichen Auftakt folgt ein weltliches Fest im Vereinshaus. „Wir brauchen noch Helfer“, weiß Mitorganisatorin Renate Bracht. Und Fotos werden gesucht: Es sollen nämlich Bilder aus alten Zeiten gezeigt werden - und so das Hemmeraner Wir-Gefühl noch mehr gestärkt wird. fred