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KREIS
Kahlfrost macht Sorgen

KREIS SOEST - Der Lerche, die laut einer Bauernregel im Februar auf die Heid’ muss, wird ihre Pflicht in diesen kalten Tagen eher leid als lieb sein. Dass die Bauern im Kreis Soest den kaum noch erwarteten Wintereinbruch schon leid sind, wäre zwar eine übertriebene Behauptung. Allerdings richten sich sorgenvolle Blicke auf die Ackerkulturen. „Kahlfrost bei zweistelligen Minusgraden ist nicht gut“, sagt Christian Deisenroth, Pflanzenexperte der Landwirtschaftskammer, Kreissstelle Soest. Zur Panik bestehe jedoch kein Anlass: „Diese Wetter-Konstellation ist eigentlich normal bei Wintern in unserer Region.“

Der Kreis Soest, weiß Deisenroth, gehört nämlich zu einer Zone im Grenzbereich zwischen dem kalten und eher trockenen Kontinental- sowie den vom Wetter-Geschehen auf dem Atlantik beeinflussten See-Klima. „Längere Kältephasen ohne Schnee sind hier häufiger als anderswo“, bilanziert Deisenroth und erinnerte an die Winter 1987, 1993 oder 2003.

Dennoch seien die Frost-Attacken der vergangenen Tage und vor allem Nächte nicht zu unterschätzen. „Gefährdet sind vor allem besser entwickelte Bestände der Wintergerste“, erläutert der Kammer-Experte. Wie sehr die strammen Minus-Temperaturen den Pflanzen tatsächlich schaden, lässt sich jedoch erst im Verlauf des Monats März ermitteln. Dann beginnt das Pflanzenwachstum wieder - oder eben auch nicht. „Man kann das mit einem Salat vergleichen, der im Kühlschrank liegt und lange Zeit ganz frisch aussieht. Sobald man ihn aber draußen liegen lässt welkt er“, erläutert Deisenroth. Der Frost lässt die Pflanzen im schlimmsten Fall erfrieren und vertrocknen. Dann bliebe dem Landwirt, der Getreide anbaut, nur noch, das Feld neu einzusäen, etwa mit Sommergerste.

Schützen kann der Bauer seine Getreidekulturen vor des Winters eisigem Zugriff nicht. Das unterscheidet ihn von seinen Kollegen im Obstbau. Die können zum Mittel der Frostschutzberegnung greifen. Damit bezeichnet man das gezielte Besprühen von Nutzpflanzen im Obst-, Wein- und Gemüsebau mit sehr feinen Wassertröpfchen. Beim Gefrieren des verteilten Wassers wird auf den Pflanzen Wärme freigesetzt, so dass in der Regel Blätter und Blüten vor Frostschäden bewahrt und spätere Ernteausfälle vermieden werden. Die besten Überlebenschancen haben noch die weniger üppigen Getreidebestände. Eine Pflanze, die sozusagen am Boden verharrt, bietet dem Frost eben nicht so viel Angriffsfläche.

Zwar sagen die Meteorologen für Ende kommender Woche eine Frost-Abschwächung voraus, doch könnte die Milderung für manche Gersten-Schläge schon zu spät sein. „Bis dahin vergeht noch eine Woche, und mehrere kalte Tage liegen bereits hinter uns“, meint Deisenroth. „Ich bin sehr gespannt, wie das die Bestände überstehen“, fügt er hinzu. - fe

02.02.2012 18:45
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