Kallenhardt: Angebote für Touristen und ein Fahrdienst für die Bürger
Eine nahe Natur-Idylle lockt immer mehr Besucher an. Die Versorgung funktioniert - „außer mit Geld“
KALLENHARDT - „Die waren ganz bestimmt nicht bestellt“, grinst Ortsvorsteher Ditmar Kruse bei einem Rundgang mit dem Patriot durch den Ort, als sich eine Gruppe bei ihm nach dem Weg zum Alten Rathaus erkundigt. Wie sich herausstellt, zeigt eine Familie aus Büren ihren englischen Besuchern die Nachbarschaft. Aufmerksam sei man durch den Internet-Auftritt geworden, erklärt der Vater. Kurzerhand schließt Kruse das älteste Rathaus Westfalens auf und berichtet aus der heimischen Geschichte.Vom Tourismus, da sind sich die Kallenhardter beim anschließenden Patriot-Bürgergespräch einig, könne der Ort nur profitieren. Wenn auch nicht unbedingt in Euro. Aber ein dichtes Netz aus Wanderwegen mitsamt der überregionalen „Sauerland-Waldroute“ oder die ehemalige „Ziegenbock-Tour“ der Bike-Arena habe man dem touristischen Interesse zu verdanken. Als I-Tüpfelchen soll darum am höchsten Punkt des Ortes neben der Kirche ein Eingangsportal zur Waldroute mitsamt einer Möblierung entstehen - und schon finden immer mehr Wanderer den Weg in das Bergdorf.Zwar sei Kallenhardt nicht Willingen und darum sei die wirtschaftliche Bedeutung noch nicht so groß. „Aber wir haben doch viele Potenziale mehr als Hirschberg“, ist sich ein Kallenhardter sicher. Unterkünfte gibt es bei Knippschild und bei Westermeier, der Campingplatz ist stets gut gefüllt und Ferienwohnungen sind gefragt. Wer es exklusiv mag, kann das nahe Schloss Körtlinghausen mieten. Viel Kulturelles wird im Café zum Raben geboten.Mehr Zimmer und Pensionen wünschen sich die Bewohner dennoch. Die können aber nur aus Eigeninitiative entstehen, „die öffentliche Hand kann nur Rahmenbedingungen schaffen“, erklärt der Kallenhardter Georg Köller, der in Rüthen als Beigeordneter tätig ist. Zentrale Bedeutung komme der heimischen Abteilung des SGV zu, „die kümmern sich“, wird viel Lob gezollt. Und weil Kallenhardt zum Sauerland gehört, will man jetzt unter der Regie des Sauerland-Tourismus eine einheitliche Beschilderung der zahlreichen Wege anbringen.Apropos Beschilderung: „Der Rundgang wird gut angenommen“, verweist Ratsherrin Friederike Aust auf die vielen anschaulichen Tafeln, die die bewegte Geschichte des Ortes umfassend erklären und die der Förderverein traditionelles Brauchtum aufgestellt hat.In den 70er Jahren waren Besucher aus Holland an der Tagesordnung - und darum war damals das Interesse an einem Gewerbegebiet nur gering. Arbeitsplätze bietet beispielsweise das Haus der Pflege und die Steinindustrie.Metzger, Bäcker, Lebensmittelgeschäft: Die Versorgung klappt - „außer mit Geld“, ärgern sich viele nach wie vor über die Schließung des Geldautomaten. „Hätte Lippstadt die Sparkasse früher geschluckt, wäre er noch da“, ist einer überzeugt.Der Leerstand von Gebäuden ist ein Sorgenkind. Die Stadt überlegt, nach einer Bestandsaufnahme Abrissprämien auszuloben, um so Bauland zu schaffen. Apropos Bauland: Zwischen Markusweg und Unterer Steinpforte ist derzeit ein Baukran zu sehen. Sieben Häuser stehen auf der einst als Seniorenpark ausgewiesenen Fläche. Kallenhardter und Warsteiner Familien schaffen sich hier ein neues Heim.Tragende Säule des gesellschaftlichen Lebens sind die Vereine: 1800 Einwohner sind in 26 bis 28 Gruppierungen (da ist man sich nicht ganz einig) organisiert. Weil aber die Bevölkerungszahl sinkt, „merkt man schon, dass Nachwuchs fehlt“, erklären die Vorstände. Ein neuer Kunstrasenplatz wäre da ein überzeugendes Argument, sind sich die Sportler sicher. Auch ein Argument für Nachwuchs ist der Erhalt der Grundschule, die dafür in private Trägerschaft überführt werden könnte.Weil viele Versorgungseinrichtungen nur per Pkw zu erreichen sind, wünschen sich etliche Bürger einen ehrenamtlichen Fahrdienst. Eine Gruppe von 20 Freiwilligen, die für Besorgungen und Besuchsfahrten zur Verfügung stehen, schweben den Initiatoren vor. Die Frage der Versicherung müsse erst geklärt werden. Es ließe sich auch ein entsprechender Verein gründen - „aber Vereine haben wir echt genug“, sagt Kruse. fred