Kellinghausen: Reich an Nachwuchs –
aber ohne einen Treffpunkt
Der Bau eines Bürgerhauses ist für die Kellinghäuser eine Investition in das Dorfleben und in die Jugendlichen
Kellinghausen - „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen“, beginnt Kellinghausens Ortsvorsteher Hans Brinkmann das Patriot-Bürgergespräch. Klar, ein Thema bewegt derzeit nicht nur die 91 Einwohner des kleinen Fleckchens an der Haar, sondern neben den lokalen Politikern auch die Kirchenoberhäupter. Dabei geht es eigentlich nur um den Bau eines Bürgerhauses.
Wie viele kleine Ortschaften hat auch Kellinghausen das Problem, über wenig Infrastruktur zu verfügen. Als bis Dezember2008 noch der Gasthof Schilling regelmäßig öffnete, wäre niemandem die Idee gekommen, ein weiteres Domizil für die Bewohner zu schaffen. Die Kneipe deckte die Bedürfnisse ab, sie war Versammlungsraum, Treffpunkt und stets auch Wahllokal.
Nun aber liegen die Dinge anders. Schützenoberst Antonius Bertels kennt die Sprüche, die seit Vorstellung der Pläne in der Ratssitzung vor Weihnachten kursieren: „Was wollen die paar Leute in Kellinghausen mit so einem Haus?“, ist er oft gefragt worden. Und Hinweise, dass es nur einen Verein (den Schützenverein) gibt, der nichtmal in jedem Jahr sein Hochfest feiert, wurden inzwischen ebenfalls laut. Doch die Wahrheit liegt, wie oft in diesen Fällen, tiefer.
In Kellinghausen gibt es nämlich neben einem Kirchenvorstand und einem Pfarrgemeinderat auch Landfrauen, einen landwirtschaftlichen Ortsverein, eine Ortsunion und eine ganze Reihe Musiker und Sportler. Diese Vereine sind allerdings in den umliegenden Ortschaften beheimatet. „Aber die können ja auch mal hierher zu Versammlungen kommen“, weiß Bertels. Für viele Kellinghauserinnen ist ein regelmäßiges Kaffeetrinken beispielsweise an jedem ersten Samstag im Monat schon jetzt ausgemachte Sache.
Runde Geburtstage, zu denen traditionell das ganze Dorf kommt, St. Martin, Nikolaus, ein Schüsseltreiben nach einer Jagd: Das Leben steht auch in Kellinghausen nicht still, betont Brinkmann. Und seit einigen Jahren zieht eine junge Truppe ihr Kinderschützenfest durch, „allerdings nicht mit Kapelle, sondern mit Ghettoblaster“, lacht Bertels.
Mit diesem Pfund kann das Dorf wuchern: 17 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in Kellinghausen. Auch ihnen will die Dorfgemeinschaft einen Treffpunkt bieten. Im Gegensatz zu manchem anderen Ort kommen die Einwohner nämlich fast täglich in den Genuss einer jungen Truppe, die durch das Dorf tobt und alle mögliche Plätze für sich als Spielplatz requiriert. „Das ist doch klasse“, freut sich Bertels.
„Wir haben eine absolut intakte Dorfgemeinschaft - und viele Kinder“, ist Brinkmann überzeugt. Er führt das Argument an, dass Kellinghausen von Rüthen „noch nie auch nur einen Cent“ hat haben wollen. Im Gegenteil habe man in früheren Jahren 32 Morgen Forst „mit guten Eichen“, das alte Schulgebäude und Ackerland an die Stadt abgetreten. Ebenso wie im benachbarten Langenstraße-Heddinghausen heben die Sargträger die Gräber auf dem schmucken Friedhof aus - auch das verursache keine Kosten.
Die insgesamt 50 000 Euro für das knapp 100 Quadratmeter große Bürgerhaus sollen bloß die Materialkosten decken - das sei günstiger als der Umbau beispielsweise einer Scheune. Handwerker, die das Gebäude samt Küche, Toiletten und Heizung bauen habe man. Darum würde es keine Folgekosten geben, versichert Bertels, weil alle Arbeiten auch künftig in Eigenleistung ausgeführt würden.
Dass die Kellinghäuser in die Hände spucken können, haben sie hinlänglich bewiesen: Die Magdalenen-Kapelle wurde ebenfalls aus eigener Kraft renoviert und für die Orgel darin wurde bereits viel Geld gesammelt, „das können wir nicht schon wieder tun“. Und das Gotteshaus für profane Versammlungen zu nutzen, wie es SPD-Fraktionssprecher Johannes Erling vorschlug - darauf gehen die Kellinghauser gar nicht erst ein. - fred