Ortsteil-Serie

Kneblinghausen: Zwischen jungen Galoppern und alten Römern

KNEBLINGHAUSEN  - Als Nachfolger einst streitbarer römischer Legionen fühlen sich die Kneblinghauser eigentlich nicht. Schließlich ist es nur ein Zufall, dass das Dorf 900 Jahre nach dem Besuch aus Italien zwischen Möhne und Wermecke entstand. Römer wie Dorfgründer wählten einen strategisch geschickten Ort: Man kann nämlich von Kneblinghausen über einen (trockenen) Höhenrücken zur Haar gelangen - und „die Wege sind teilweise noch sichtbar“, weiß Heribert Schlüter als Ortschronist zu berichten. Dass jüngste Grabungen keine römischen Funde zutage förderten, stört indes niemanden. „Wir könnten auch mit einem Germanenlager leben“, grinst Schlüter.Auffällig viele Vertreter der Vereine haben sich zum Gespräch mit dem Patriot in der Gaststätte eingefunden. Das verwundert nicht: Statistisch gesehen ist jeder der gut 300 Einwohner Mitglied in 3,2 Vereinen. Oder andersrum gerechnet: Von den Mitgliederzahlen her habe man gefühlte 1500 Einwohner, scherzt ein Kneblinghauser.Am Vorabend der kommunalen Neuordnung (die für den Ort den schnöden Namen „Rüthen 8“ vorgesehen hatte) wurde 1972 die Schützenhalle gebaut. „Eine glorreiche Entscheidung“, ist sich Ortsvorsteher Friedhelm Thomas sicher. Ohne die Halle stünden die Vereine nämlich ganz anders da. Dreimal wöchentlich ist die Halle belegt, der Gesellschaftsraum wird 30mal im Jahr genutzt. „Das ist unser Kulturzentrum“, so der Ortsvorsteher. Wobei ähnliches auch für die Gaststätte Beiteke gilt: „Bei 300 Seelen ist das gar nicht so einfach. Ohne Vereine könnte sich die Gaststätte gar nicht halten“, wirft Wirt Karl Beiteke in die Runde und erntet Zustimmung. Neben dem inzwischen 303 Jahre alten Schützenverein gehören die Karnevalisten zu den Kneblinghausern mit der größten Außenwirkung. „Karnevalsmuffel kann man an einer Hand abzählen“, weiß KKK-Präsident Thorsten Biermann. Sessionseröffnung, eine Sitzung, der kfd-Karneval und der Rüthener Umzug gehören zum Programm der Karnevalisten, die sich 1975 gründeten. Ein Prinzenpaar „lohnt sich nicht“ sagt der oberste Narr. So bleibe alles kostenmäßig im Rahmen. Mitmachen ist Ehrensache, „Karnevalisten sind wir eigentlich alle“.1973 wurde der Tischtennisverein ins Leben gerufen. Mit einer Herren-, einer Jungen- und einer Mädchenmannschaft können sich die Sportler (natürlich in der Schützenhalle) austoben. Übrigens ebenso wie die Frauenturngruppe, die ebenfalls zum TTV gehört. Jüngstes Pflänzchen in der Vereinsszene ist der Musikverein, den es seit 2005 gibt.Dass die Frauen einen regen Teil des Dorflebens bilden, ist für die Kneblinghauserinnen, die sich alle an einem Tisch gruppiert haben, sonnenklar. Die wichtigsten Dinge des täglichen Bedarfs werden in Rüthen besorgt. Ein Einkaufserlebnis finde sich aber eher im nahe gelegenen Büren. Nahe liegt auch die Kreis- bzw. Bezirksgrenze. In gewisser Weise wirke diese Grenze wie ein Graben, fließen doch weder Informationen noch Schülerströme von hüben nach drüben. Mit einer Einschränkung: Rund 30 Ehen sind zwischen Kneblinghausern und Siddinghausern geschlossen worden.Einen Wunsch äußern alle Anwesenden übereinstimmend: Es müsste mehr Kneblinghauser geben und für diese auch mehr Arbeitsplätze vor Ort (entgegen der landläufigen Meinung arbeiten nur zehn Einwohner beim größten Arbeitgeber Meister Werke). Denn gerade junge Menschen würden wegziehen und ihr Glück in der Ferne suchen.Ein Bericht über Kneblinghausen wäre nicht vollständig ohne ein paar Zeilen über Tiere. Denn es gibt einige höchst interessante Vierbeiner, die mal nur in der näheren Umgebung, aber auch international für Interesse sorgen. Zu letzteren gehören die Rennpferde des Gestüts von Hans-Hugo Miebach. Deutschlands schnellste Pferde kommen von hier. „Next Desert“ gewann vor sechs Jahren das 133. Deutsche Derby und gilt damit als schnellster Kneblinghauser. Gestütsleiter Karl Jörg, den es vor 30 Jahren ins Gestüt verschlug, lobt das gute Wasser und die gute Luft. „Ich versuche, Fehler nicht zweimal zu machen“, nennt er bescheiden das Geheimnis seiner Zuchterfolge.Etwas langsamer gehen es die beiden Esel Leo und Rosi der Familie Dünschede an, die längst zum Ortsbild gehören. Ähnliches gilt für die beiden Kamele von Alfons Bödger, die auf ihrer Weide am Römerlager für Erstaunen sorgen. Und dann ist da noch (neben rund 150 Kühen) das Rückepferd Jimmy von Fritz Dünschede. Der Kaltblüter mampft zufrieden sein Heu und träumt von den Zeiten, als man nur mit Hilfe von seinesgleichen die Bäume aus dem nahen Wald holen konnte.   fred

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11.10.2008 00:00
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