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ANRÖCHTE
„Lieber die echten alten Helden“

Anröchte - „Whatever Happened To The 80s“ ist einer der populärsten Songs der aus Ibbenbüren stammenden „Donots“, die am Samstag beim „Big Day Out“ die Bühne rockten und die Stimmung regelrecht zum Kochen brachten. Bei ihrer schweißtreibenden Bühnenshow spielte das Quintett reichlich Lieder aus seinem aktuellen Album „The Long Way Home“, bei denen immer wieder ein leichter Bezug zu den Achtzigern zu erkennen ist. André de Vos sprach mit Sänger Ingo Knollmann.

Was mir bei eurer aktuellen Platte aufgefallen ist, ist der 80er Jahre-Anteil in euren neuen Songs. Ist dieses Element durchgekommen, weil ihr gesagt habt, es ist alles möglich, was von diesem straighten Punkrock-Konzept abgeht?

Ingo Knollmann: Ja, im Grunde genommen haben wir alles zugelassen, und diese 80er Jahre-Komponente liegt zum Teil einfach daran, dass wir damit groß geworden sind. Ich bin von den neuen Platten von anderen Gruppen nicht so begeistert. Da hörst du dir eine neuere Band an und alle schreien: „Hurra!“, und ich denke dann immer so: ‚Ja, aber das haben ‚The Police’ vor ein paar Jahrzehnten viel, viel besser gemacht. Warum soll ich mir das jetzt anhören?

Hast du das „philosophisch“ schon einmal hinterfragt, warum das so ist?

Ingo Knollmann: Ich überlege die ganze Zeit schon. Vielleicht ist man aber auch in seinem kleinen Horizont gefangen, weil man an Musik immer gewisse Erinnerungen koppelt. Wenn du zum Beispiel heute einen Song hörst, den du immer gehört hast, als du vor 20 Jahren im Urlaub warst, dann kriegst du immer noch dieses Urlaubsgefühl. Das finde ich ganz spannend, dass das immer noch funktioniert, denn ich verbinde die besten Erinnerungen immer mit Musik. Letzten Endes, da können wir uns darüber einigen, hört man sich eigentlich immer lieber noch einmal die alten Scheiben an, und es kommt eigentlich wenig richtig Beeindruckendes von neuen Gruppen heraus. Und so ist es bei mir oder bei uns allen die große Liebe zu Bands wie „New Order“ oder „The Cure“ oder auch andere 80er Jahre-Sachen - nicht die schlechten, die guten natürlich!

Sind dann die jüngeren Leute vielleicht gar nicht mehr „richtige Rocker“?

Ingo Knollmann: Das ist auch eine gute Frage! Vielleicht ist das überheblich und arrogant, das so zu sehen. Ich weiß es nicht. Ich werde natürlich auch bewegt von Musik, aber dann sind heutzutage eher solche Bands wie „30 Seconds To Mars“ angesagt, die mir wenig sagen…

Oder „Killers“, die eigentlich recht brav um die Ecke kommen?

Ingo Knollmann: Ja genau! Das geht mir eigentlich ziemlich am Gesäß vorbei, aber letzten Endes hat jede Generation ihre großen Bands. Und vielleicht wird in 20 Jahren gesagt: „’30 Seconds To Mars’, das war geil damals!“ Man weiß es nicht so genau, aber es ist lustig zu sehen, wie diese Riesen-Riesen-Bands, diese „Larger-Than-Live“-Gruppen, immer die gleichen sind. Es sind immer noch „AC/DC“, immer noch „Metallica“. Nachwachsen tut da eigentlich nicht richtig was.

Hinzu kommt, dass die Leute nicht mehr in den Mengen die Platten kaufen. Und dadurch erlischt auch das persönliche Verhältnis, die Verbundenheit?

Ingo Knollmann: Das ist ein Zeitgeist-Problem, aber gleichzeitig sitzen auch alle im gleichen Boot. Von daher muss es aber trotzdem auch eine andere Möglichkeit geben, dass es weiter geht und dass es in 20 Jahren noch ein kollektives Gedächtnis mit guter Musik gibt. Ich bin für uns als Band total froh, dass wir schon 17 Jahre den ganzen Kram machen dürfen, die Leute zu unseren Konzerten kommen und auch alte Fans wieder da sind, aber auch neue wieder nachwachsen. Das finde ich, ist schon irgendwie ein ganz tolles Kompliment!

07.08.2011 19:32
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