LIPPSTADT

Lieber kontrolliert trinken als für immer verzichten

Eickelborn - Lebenslange Abstinenz - diese Aussicht schreckt viele Alkoholkranke davon ab, sich wegen ihrer Abhängigkeit in Behandlung zu begeben. Einen neuen Weg zeigen die Kliniken des Landschaftverbands Westfalen-Lippe (LWL) mit einem Seminar auf. „Kontrolliertes Trinken statt völlige Abstinenz“, so die Devise. Gestern zogen Dr. Rüdiger Holzbach, Chefarzt der Suchtmedizin, und zwei Teilnehmer eine positive Bilanz des Pilotprojekts.

Ab und zu ein Gläschen Wein oder Bier in geselliger Runde - kein Problem. Wenn aber gelegentlicher Genuss zur Gewohnheit wird, müssen sich Betroffene mit ihrer Abhängigkeit auseinandersetzen. Therapien zielten bislang auf eine völlige Abstinenz vom Alkohol ab, was für viele Patienten aber laut Holzbach abschreckend ist. Die Klinik für Psychiatrie in Benninghausen bietet Alkoholkranken einen anderen Weg an: Im Seminar „Kontrolliertes Trinken“ lernen Betroffene, den Alkoholkonsum einzuschränken - ganz ohne den Druck, ein Leben lang komplett verzichten zu müssen.

Die Wochenplanung ist dabei ein wichtiger Baustein des Seminars. „Die Teilnehmer überlegen sich jede Woche, welche Höchstmenge sie am Tag und in der Woche trinken und an wie vielen Tagen sie auf Alkohol verzichten möchten“, erklärte Dr. Rüdiger Holzbach. Darüber hinaus werden ihnen Strategien an die Hand gegeben, die ihnen im Alltag helfen sollen.

Ein Konzept, das Früchte trägt: Im ersten Seminar dieser Art lernten 15 Teilnehmer in zehn Sitzungen, sich selbst Ziele zu setzen und diese umzusetzen. Elf von ihnen schafften es, ihren Konsum zu reduzieren, drei kamen zur Erkenntnis, dass ein Entzug für sie die bessere Therapie sei.

Vom Erfolg des Seminars berichteten auch zwei Teilnehmer. Otto (72) will nicht für immer verzichten. Gar keinen Alkohol zu trinken falle ihm schwer, aber eine Reduzierung sei in Ordnung. Sein Ziel war es, vormittags auf Alkohol zu verzichten - was ihm auch gelang. Geholfen hätten ihm dabei Disziplin, die Wochenplanung und der Ansporn, anderen Teilnehmern über die Erfolge zu berichten. „Ich nutze die Zeit, die ich gewonnen habe, für Familie, Garten und neue Hobbys“, erzählte der 72-Jährige gestern. „Ich bin froh, dass ich mich dem gestellt habe.“

Auch Manuela kann erste Erfolge verbuchen. Ihr Konsum ist drastisch gesunken, auch wenn „noch Luft nach oben“ sei, wie sie sagte. „Mein Ziel ist es, nicht aufzugeben und am Ball zu bleiben“, sagte die 52-Jährige. „Und die Tage, an denen ich abstinent bleibe, werden immer mehr.“ Sie fühle sich in der Gruppe verstanden: „Hier fühle ich mich trotz der Problematik als Mensch.“

Aber das Programm ist nicht für jeden geeignet. Bereits abstinent lebende Alkoholiker oder Menschen mit starken Entzugsbeschwerden können nicht teilnehmen.

Im August startet ein neues Seminar. Voraussetzung zur Teilnahme sind ein Vorgespräch und die Bereitschaft, sich in der Gruppe auszutauschen. Informationen und Anmeldung unter Tel. (0 29 02) 82 52 02. - kty

01.06.2015 19:31
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