Von Hörste ins „Venedig von Westfalen“, Endstation Kiskerwehr: Eine Bootstour auf der Lippe
Lippstadt - Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, Sonnenmilch, wasserfeste Wimperntusche und die Schwimmweste sitzt - beste Voraussetzungen für eine Kanutour auf der Lippe. Von Hörste über Esbeck nach Lippstadt. Acht Kilometer, drei Boote, zweieinhalb Stunden. „Hat jetzt jeder ein Paddel“, fragt Tourbegleiter Hendrik. Im Stehen sollte es etwa bis zum Kinn reichen. Dann noch eine kurze Einführung in die Grundlagen des Paddelns, Steuerns und des Naturschutzes - los geht’s.
Alle Mann runter zum Steg, die Boote ins Wasser, einsteigen. Wacklige Angelegenheit. Also Konzentration. Schließlich möchte man nicht schon vor Beginn der Tour unfreiwillig baden gehen. Ab an die Paddel. Eins, zwei, eins, zwei - Ahoi. Ruhig gleiten die Kanadier, wie die offenen Boote genannt werden, durch das Wasser der Lippe. Nicht besonders tief hier. Der Grund ist zu sehen. Aber so ein Boot hat nicht viel Tiefgang.
Auf dem Fluss herrscht fast völlige Stille. Einzig das Eintauchen der Paddel und das Zwitschern der Vögel ist zu hören. Der Lärm der Stadt ist vergessen. Tolle Atmosphäre, beeindruckende Naturschönheit.
Oben die B 55, unten der Fluss
Zwischen den dicht bewachsenen Ufern schlängelt sich die Lippe kurvig durch Felder und Wiesen. Libellen, Schmetterlinge, Wasserläufer - ab und zu schaut einem eine Kuh über den Weidezaun beim Paddeln zu. Enten, Haubentaucher und Schwäne mit jungen Küken schwimmen vor den Booten her.
Das volle Abenteuerprogramm wartet in Esbeck - ein kleiner Wildwasserabschnitt. Leichtes Gefälle, die Strömung wird stärker, die Boote schneller, im Bauch kribbelt’s. Schaukeln. Hoffentlich kentert das Kanu nicht. „Mittig durchsteuern“, ruft der Tourbegleiter. Ab geht die wilde Fahrt. 300 Meter Action. Spaß ist garantiert. Gekreische auch. Früher war hier eine Wehranlage. Die versperrte die Fischwanderwege.
In Esbeck warten drei weitere Boote. Paul (9) feiert seinen Kindergeburtstag. Mit 14 Freunden - eine wilde Meute. „Hoffentlich werde ich nicht gleich seekrank“, sagt ein Junge, bevor die etwa 40 Kilo schweren Boote mit voller Besatzung ins Wasser geschoben werden. Seine Angst ist unbegründet. Es geht gemütlich weiter. Paddel rein ins Wasser, durchziehen, raus und wieder von vorne.
Die Kinder liefern sich ein erbittertes Wettrudern, würden am liebsten kentern und einmal so richtig in der Lippe landen. Die Kunststoff-Kanadier sind zwar unsinkbar, aber nicht unkippbar. „Wenn Schulklassen unterwegs sind, steht das auf der Tagesordnung“, berichtet Hendrik von seinen Erfahrungen.
Vom Spazierweg in Richtung Lipperode grüßen Fußgänger und Jogger. Je näher die Boote dem „Venedig Westfalens“ kommen, desto breiter wird die Lippe. Während über die B 55 Lkw und Autos donnern, bahnen sich die Kanus unter der Brücke den Weg durch das Wasser. Ein imposantes Bild.
Am Horizont tauchen auf der linken Uferseite die Hella-Werke auf. Durch die Baumwipfel sind die Türme und das Firmenlogo zu erkennen. Die Lippe wird hier noch ein wenig breiter. Stehen kann man da bestimmt nicht mehr. In der Ferne zeichnet sich der „Grüne Winkel“ am Horizont ab. Davor im Wasser etwa 20 Kajaks. Die Rettungswesten der Paddler strahlen leuchtend orange. Sie steuern ihr Boot alleine. Mit einem Doppelpaddel.
Nur noch 200 Meter bis zum Ausstieg am Kiskerwehr in Lippstadt. Schade eigentlich. Noch einmal rechts ab. Wildromantisch dieser kleine Seitenarm der Lippe. Der Anleger kommt näher. Die letzten Meter paddeln. Langsam seitlich ranfahren. Gar nicht so schwer wie gedacht. Dann wieder fester Boden unter den trockenen Füßen. Glück gehabt.
Am nächsten Morgen grüßt der Muskelkater. Trotzdem: Das war sicher nicht das letzte Mal im Kanu. Dann geht’s von Hörste nach Benninghausen. 19 Kilometer durch die tolle Landschaft des Naturschutzparks Hellinghäuser Mersch und einer Bootsrutsche in die Nördliche Umflut. - cc