Handwerk

„Möchtest Du nicht mal meine Firma übernehmen?“
LIPPSTADT - Er ist schon etwas ungewöhnlich, dieser Berufsweg, den Klaus Brand gegangen ist. Seinem ersten Meisterbrief hat er nämlich noch einen zweiten hinzugefügt. Und das aus einem sehr schönen Grund. Aus Liebe.Es geschieht im Jahre 1972. Da lernt der aus Worms stammende Maschinenbaumeister Klaus Brand ein Mädchen namens Marita kennen. Sie ist die Tochter des in Lippstadt ebenso bekannten wie angesehenen (leider viel zu früh verstorbenen) Klempner- und Installateurmeisters Albert Lehmenkühler. Der junge Wormser arbeitet zu der Zeit bei der Brauerei Weißenburg. Montage - im Auftrag seines heimischen Arbeitgebers. Über mehrere Jahre schon war er auf diese Weise in aller Welt tätig gewesen: Maschinen für die Getränkeindustrie installieren.Dem Klempnermeister aus Lippstadts Süden ist der Maschinenbaumeister aus Deutschlands Südwesten - 1969 hatte der die Meisterprüfung in Kaiserslautern abgelegt - als Schwiegersohn durchaus willkommen. Noch lieber allerdings wäre es ihm, wenn er auch aus seinem Fach käme. Und das umso mehr, da der eigene Sohn, den er für die Nachfolge ausgebildet hatte, sich für einen gewerblichen Lehrerberuf entschied. Und so stellt Albert Lehmenkühler Klaus Brand eine fast schicksalhafte Frage: „Möchtest Du nicht mal meine Firma übernehmen?“ Der Schwiegersohn in spe ist nicht abgeneigt. Geht beim künftigen Schwiegervater in die Lehre - und macht schon 1975 die Meisterprüfung als Gas- und Wasserinstallateur. „Dazu“, sagt Klaus Brand, „gehört auch der Heizungsbau und alles das, was man mit Sanitär umschreibt.“ Heute bezeichne man das gesamte Berufsbild mit Anlagenmechaniker.Welch ein Wandel gegenüber dem ursprünglichen Tätigkeitsfeld seines Schwiegervaters. Der hatte auch noch Dachrinnen angebracht. Sanitär? Wer hatte schon Badezimmer in Lippstadts Süden - und überhaupt - im Jahre 1948. Oder auch Jahre danach. Zu dieser Zeit wurden die Klempner/Installateure gern als „Lötmeister“ tituliert.Und Zentralheizungen. Auch die waren in der Nachkriegszeit - erst recht davor - noch kaum verbreitet.Klaus Brand arbeitet bis 1979 als Angestellter im Betrieb des Schwiegervaters. Dann wird er selbst der Chef. Gemeinsam mit Frau Marita führt er fortan die Firma in Lippstadts Josefstraße. Das Mitwirken seiner Frau hebt er ausdrücklich hervor: „Bei ihr laufen die Fäden zusammen.“Im Laufe der Zeit, sagt Klaus Brand, habe sich der Beruf des Klempner-Installateur-Heizungsbauers noch einmal stark verändert. Energieeinsparung und Umweltbelastung seien Gesichtspunkte, die früher viel weniger Bedeutung gehabt hätten. In diesem Zusammenhang nennt der Meister weitere Begriffe: Erdwärme, Luft-Wasserwärme, Solar, Pellets. Die brächten neuzeitliche Herausforderungen, denen sich der Meister in seinem Handwerk zu stellen habe. Wenn er denn mit der Entwicklung Schritt halten wolle.Klaus Brand hat das so gewollt. Er hat den Betrieb auf dem Standard von Albert Lehmenkühler nicht nur gehalten, sondern den modernen Bedingungen angepasst. Die langjährigen Mitarbeiter hat er weiterbeschäftigt. In der Regel seien es vier Gesellen und zwei Auszubildende gewesen. Zu denen auch Sohn Daniel gehörte. Der ist inzwischen selbst Anlagenmechanikermeister. Und seit 2007 auch Chef der Firma. Klaus Brand: „Da hielt ich die Zeit für gekommen. Ich war 62 Jahre alt. Seither arbeite ich auf 400-Euro-Basis. Mit Rat und Tat, soweit mein Sohn das möchte. Meine Frau ist noch als volle Bürokraft tätig.“In den letzten Jahren hat sich die Firma Albert Lehmenkühler - aus gutem Grund heißt sie noch immer so - beträchtlich ausgedehnt. Sodass der goldene Boden ihres Handwerks an der Josefstraße nicht mehr ausreicht. Die Aussiedelung zur Bremer Straße steht an.  n Willi Kröger
07.11.2009 00:00
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