LIPPSTADT - Eigentlich sollen die Bilder für sich selbst sprechen. „Man kann sich den Arbeiten rein visuell nähern, man muss nicht viel wissen, um diese Kunst verstehen“, betont Markus Krüger vom Kunstverein. „Energie der Farbe“ heißt die Ausstellung von Ricardo Saro, die am Sonntag im Kunsthaus Am Speelbrink eröffnet wird, und der Name ist Programm. „In der Verlebendigung der Farbe ist er unter den heutigen Malern einer der sensibelsten“, schreibt der Kunstverein in seiner Vorankündigung über den 1947 im spanischen Santander geborenen und heute in Ronneberg bei Hannover lebenden Künstler.
Saro studierte zunächst Bildhauerei an der Werkkunstschule Hannover und schließlich Malerei und Kunstwissenschaft an der Hochschule der Künste in Berlin. 1993 erhielt er den Sprengel-Preis für Bildende Kunst der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, 1996 bis 1998 war er „artist in residence“ an der Universität Witten-Herdecke. „Ich hatte ihn schon lange im Visier“ , sagt der künstlerische Berater des Kunstvereins, Dr. Erich Franz. Besonders interessant wurde der Maler jetzt für die Lippstädter, weil sich in seinem neueren Arbeiten ganz neue Aspekte zeigen.
Bekannt geworden sei Saro eigentlich durch „monochrome“ Bilder, erklärt Erich Franz. Wobei monochrom nicht allzu wörtlich genommen werden darf, bestehen diese doch laut Franz aus zahlreichen unterschiedlichen Farben, die sich jedoch zu einem einheitlichen Farbfeld verbinden, aus dem eine Tönung dominierend hervortritt. Umgeben ist diese quasi monochrome Fläche jeweils von einem dünnen, hellen Rand.
Bilder zum ersten Mal zu sehen
Seit etwa 1998 fügt Saro in einzelnen Arbeiten auch mehrere Farbflächen in einem einzigen Bild zusammen. Dies steigert er noch mal deutlich in seinen neueren, zwischen 2009 und Ende 2011 entstandenen Arbeiten, die nach Angaben des Kunstvereins zum ersten Mal öffentlich präsentiert werden.
Der Bildaufbau ist stets schlicht und streng, das Rechteck die alles dominierende Form. Manchmal bestehen die Bilder nur aus zwei gleichgroßen Farbflächen, häufiger umgibt Saro zwei hohe Rechtecke im Innenbereich mit einem breiten Rahmen, zuweilen auch nur mit einem winkelförmigen Randbereich. Dabei treffen in einem Bild mal zwei unterschiedlich kräftige Rottöne auf ein intensives Grün, mal ein eher schmutziges Gelb auf ein blasses Beige. Dann wieder finden gedeckte Grau-, Violett und Grüntöne zueinander.
Völlig neu für Saro sei die absolute Gleichwertigkeit der inneren und äußeren Farbflächen sowie deren Intensivität, betont Erich Franz. „Die Farb-Formen stehen in Saros Bildern nicht nebeneinander, sondern sie wirken miteinander und ineinander — als optische Simultanität.“ So entwickele jedes Bild sei eigenes Strahlen, seine eigene Atmosphäre.
Die kann mal dunkel und verhalten sein, wie bei einem in gedeckten Farben gehaltenen Bild mit dem bezeichnenden Titel „Mondlicht“, mal hell und doch eher unfreundlich und abweisend wie bei „Lichtgelb“.
Diese Bilder seien keine geschlossenen Einheiten, betont Erich Franz. Sie reagierten nicht nur mit dem Betrachter, sondern auch miteinander: „Wir haben beim Hängen gemerkt, dass wir viele Bilder nicht nebeneinander hängen können, weil sie so unterschiedliche emotionale Qualitäten haben.“ - bal