Jack Player, Die heißen Eisen und Sally’s Secret stellten sich beim Nachwuchsfestival auf dem Rathausplatz vor
Lippstadt - Schon vor 20 Jahren kamen in Lippstadt junge Musiker aus den Kellern gekrochen, um ihre Musik auf dem Marktplatz einem größeren Publikum zu präsentieren. Dann war irgendwann Schluss, bis der Kulturring Lippstadt auf die Idee kam, ein Revival zu starten. Das war eine gute Idee.
Bereits zum vierten Mal bot der Rathausplatz am Sonntagabend drei Nachwuchs-Bands aus der Region ein Forum, ihre Musik zu präsentieren. Dabei kam Erfrischendes und Überraschendes zutage wie etwa mit Marc Rauchbach, Till Kampschulte und Robbie Dale von Jack Player.
Die Rüthener Jungs beeindruckten mit solidem, druckvollem Herzblutrock. Ihre eigenen Kompositionen im Akustik-Sound ließen ihre Liebe zum Blues, zu melancholischen und kraftvollen Interpretationen erkennen. Ein bisschen Doors, ein bisschen Cohen, starker Gesang in Cockney-Englisch, der Einsatz der Djembe-Trommel und melodiöse Gitarrenriffs gaben dem Sound einen Hauch von 68-er Musik in modernem Gewand.
Bereits in der Szene herumgesprochen haben sich Die heißen Eisen mit Sebastian Kroschke, Maximilian Gross und Veit Dickhut. Das Trio, das beim Landeswettbewerb „Jugend jazzt NRW“ den ersten Preis gemacht hatte, überzeugte mit improvisatorischer Kraft und Intensität. Stilistisch liegt ihre Musik zwischen Funk und Rock, dabei war — ungewöhnlicherweise — Kroschke mit seinem Bass tonangebend.
Die drei legten ein heftiges Tempo vor, machen mit einem Funky Bass ordentlich Fufu und jammten auf der Bühne. Sie gingen komplett in ihrer Musik auf, schraubten sich ekstatisch in die Soli und zeigten keine Berührungsängste mit stilistischen Wechseln innerhalb der Stücke. Sie überraschten mit Ethno-Sound auf Didgeridoo und Mandoline, gingen im Reggae weiter und endeten im Lounge-Sound. Es war alles drin in diesen Eigenkompositionen. Einige junge Damen waren ganz heiß auf Autogramme, die die drei ihnen bereitwillig aufs Dekolleté schrieben.
Sally’s Secret aus Büren mit Sarah, Arne, Sascha und Domi war die „älteste“ Band an diesem Abend. Die 2002 gegründete Gruppe setzte auf soliden, souverän gespielten Rock. Die aggressiven Gitarrenriffs lehnte sich zum Teil am Hardrock an.
Da allerdings hatte sich das Publikum schon ein wenig gelichtet. Das hatte unter den drei Zelten dem monsunartigen Regen wacker standgehalten, was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tat — ganz im Gegenteil. Trotzdem ließ Organisator Detlef von Rüden den leisen Wunsch anklingen, dass ein durchgehendes, höheres Zelt nicht schlecht wäre. Aber das ist ja auch immer eine Frage der Finanzen. - rio