GESEKE

„Reformen nur in Einheit mit, nicht gegen Rom“

GESEKE - Kaum war die Petition „Pro Ecclesia“ (Für die Kirche) am 8. Februar um 11 Uhr ins Internet gestellt, ereignete sich, wenn schon kein Wunder, so doch Erstaunliches. „Binnen einer Stunde hatten 100 Menschen das Dokument unterzeichnet“, sagt Peter Winnemöller. „Das war ergreifend.“ Inzwischen summieren sich die Unterschriften auf mehr als 6500, was den Geseker sehr freut. Immerhin ist er Autor der Petition, die ausdrücklich als Antwort auf das seit Tagen heiß diskutierte Reform-Memorandum von mehr als 200 Theologieprofessoren verstanden werden soll.

Kritikern des Zölibats wird widersprochen

Wie, darüber lässt das Dokument schon in Zeile neun keinen Zweifel: „Diese Forderungen an die Bischöfe fügen der Kirche großen Schaden zu.“ Der Zölibat sei kein „altmodisches Auslaufmodell“, wie von den Professoren und zuvor schon von einigen führenden christdemokratischen Politikern behauptet. Überdies sollten die Bischöfe dafür sorgen, dass „liturgische Experimente beendet werden“. Forschung und Lehre an den theologischen Fakultäten müssten „im Einklang mit der Lehre der Kirche erfolgen“.

Was er zu Papier gebracht und worüber er eine Nacht geschlafen habe, werde „Wir-sind-Kirche“-Aktivisten oder Hans-Küng-Jünger nicht entzücken, macht sich Winnemöller keine Illusionen. Ihm geht es aber um jene Katholiken, die zum Teil verzweifelt seien über das, was sie über ihre Kirche lesen und sehen müssten. „Da wird von den Medien oft ein verzerrtes Bild geliefert“, kritisiert Winnemöller. Wer seine Treue zum Papst oder zu einer nicht wie selbst gebastelt wirkenden Liturgie bekunde, gelte schnell als Traditionalist. „Natürlich sind Reformen immer nötig“, räumt Winnemöller ein. Die seien aber nur in „Einheit mit, nicht gegen Rom zu erreichen“.

Dass sich Reformkatholiken stets aufs Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) berufen, stört Winnemöller in gewisser Weise. Aus seiner Zeit als Pfarrgemeinderatsmitglied weiß er, dass so gut wie niemand auch nur eine Zeile der Konzilsdokumente lesen wollte. „Nirgendwo in den Konzilstexten steht zum Beispiel geschrieben, dass der Priester die Messe zum Volk zelebrieren oder in der Landessprache halten muss“, so der Geseker. Es ist erlaubt, aber nicht geboten. Das von Papst Paul VI. im Jahr 1968 autorisierte Messbuch hielten sogar einige Liturgiewissenschaftler für „mit der heißen Nadel gestrickt“. Trotzdem könne in dieser Weise gültig und würdig die heilige Messe gefeiert werden, wenn man sich daran halte und auf Experimente verzichte. In diesem Zusammenhang findet es Winnemöller beachtlich, dass bisher rund 240 Priester und an die 60 Priesteramtskandidaten die Petition unterschrieben haben.

Winnemöller rät, sich in der katholischen Kirche an die Arbeit zu machen. „Das bedeutet vor allem, die Katechese zu verbessern“, wundert er sich über erschreckende Defizite im Glaubenswissen. Übers Lernen allein komme niemand zum Glauben. Doch sollte man sich in seiner Religion schon etwas auskennen. Den Bischöfen rät Winnemöller, ehrenamtliche Katecheten auszubilden. Die könnten zum Beispiel im Kommunion- oder Firmunterricht Glaubenswissen vermitteln. Das sei umso wichtiger, als in vielen Familien seit den siebziger Jahren ein regelrechter Traditionsabriss bei der Glaubensweitergabe zu beklagen sei.

Viel stärker einsetzen müsse die Kirche auch das Internet. „Hier trifft man Menschen“, betont Winnemöller, der das Medium seit 1992 nutzt, als man den Begriff Internet kaum kannte. Der Apostel Paulus, ist er sicher, würde seine Briefe an Römer, Korinther oder Kolossser heute natürlich via „www“ verbreiten.

Keineswegs im Widerspruch zu einer größeren Internet-Präsenz steht die Rückbesinnung auf traditionelle Riten, etwa die Anbetung des Allerheiligsten, der konsekrierten Hostie, in der Monstranz. Unter dem Motto „Nightfever“ findet diese Anbetung seit dem Weltjugendtag 2005 mit Papst Benedikt XVI. in Köln inzwischen in zahlreichen deutschen Großstädten statt. Mal seien es fünf, mal 50 überwiegend junge Leute, die mehrere Stunden in der Nacht vor dem Altarssakrament verharrten, während andere Jugendliche Passanten einlüden, in der Kirche eine Kerze anzuzünden.

Bischofskonferenz ist der Adressat

Winnemöller möchte die Petition Mitte März dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), überreichen, wenn dieser mit seinen Amtsbrüdern in Paderborn zur Frühjahrskonferenz zusammenkommt. Sollten bis dahin 10 000 Unterschriften zusammenkommen, wäre das für den Geseker sowie seine knapp ein Dutzend aktiven Mitstreiter bei „Pro Ecclesia“ ein großer Grund zur Freude - schon zu Beginn der Fastenzeit. (Den vollständigen Text der Petition kann man im Internet nachlesen.) - fe

http://petitionproecclesia.wordpress.com

25.02.2011 18:57
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Norbert , Monschau 27.02.2011 17:45
Ich finde diese Laieninitiative toll und dringend notwendig. Was die Theologen in ihrem Papier "Memorandum 2011" fordern, läuft m.E. auf einen totalen Umbau der Katholischen Kirche hinaus, wobei sie von den Protestanten kaum mehr untersceidbar wäre. Es wurde höchste Zeit, dass den "Wir sind Kirche"- Aktivisten, die stets so tun, als ob sie die Gläubigen vertreten, Paroli geboten wird. Hoffentlich wachen unsere Bischöfe endlich auf!
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