Handwerk

Sein Dienst an der Waffe ist reine Handwerksarbeit

LIPPSTADT - Wenn die Büchsenmacher ihr Handwerk beschreiben, dann verzichten sie nur selten auf diese Beteuerung: Wir sind keine Revolverhelden. „Genau richtig,“ sagt auch Klaus Stöhr, um aber gleich hinzuzufügen, dass ein bisschen Spaß schon dazu gehöre. Spaß an dem, womit sein Handwerk zwangsläufig verknüpft sei - Jagd und Schießsport. „Büchsenmacher“, so hat es mal jemand aus der Branche formuliert, „sind für Sportschützen und Jäger so wichtig wie der KfZ-Mechaniker für Autobesitzer.“

Klaus Stöhr sollte und wollte das berufliche Erbe des Vaters antreten. Der war in den 1930er Jahren von Königsberg auf Umwegen nach Lippstadt gekommen. Hatte, nachdem er kurze Zeit bei der Firma Jehn tätig gewesen war, sich als Meister seines Fachs in der Hellen Halle selbstständig gemacht.

Bei Vater Werner geht Sohn Klaus mit 15 Jahren in die Lehre. Sie ist der Beginn eines recht bewegten Berufslebens. Nach der Gesellenprüfung arbeitet er ein Jahr bei einem Waffengroßhändler in Gummersbach. Und erkennt, dass ein solides Maß an kaufmännischem Wissen auch und gerade für einen Büchsenmacher und -händler nur förderlich sein könnte. Also: ein Jahr Handelsschule.

Anschließend verdingt er sich drei Jahre als „Fremdarbeiter“. Als „Jung-Geselle“ bei der weltbekannten Firma Brennecke in Berlin. Um dann noch, bevor er vom schwer erkrankten Vater dessen Geschäft übernimmt, ein Jahr lang als Werkzeugmacher bei der Firma Hella zu arbeiten. Seine Meisterprüfung legt Klaus Stöhr im Jahre 1968 vor der Handwerkskammer Münster ab.

Fortan betreibt er in eigener Regie - auch als Ausbilder einer Reihe von Lehrlingen - sein mit viel Service verbundenes Präzisionshandwerk, dessen Berufsbild vor allem von diesen Tätigkeiten geprägt ist: Wartung der Waffen, Reparaturen, Montage und Einschießen von Zielvorrichtungen, Ersatzteilanfertigung. Auch die komplette Herstellung von Waffen gehört dazu. Damit, so Klaus Stöhr, sei er aber seit seinem Meisterstück nicht mehr befasst gewesen. So viel Handarbeit sei schon lange nicht mehr zu bezahlen.

Neben seiner handwerklichen Tätigkeit hat sich der Meister aus der Hellen Halle ein zweites Standbein geschaffen - den Handel mit jagdlichem Zubehör aller Art. Vom Zielfernrohr bis zur Bekleidung. Das gehöre einfach dazu, erklärt der 68-Jährige. Denn den Büchsenmachern blase der Wind des Zeitgeistes nicht erst seit Winnenden ins Gesicht. Immer schärfere Waffengesetze. Den Jägern fehle die richtige Lobby.

Jäger ist Klaus Stöhr aber auch. „Mein einziges Hobby,“ sagt er schmunzelnd. Das habe sich zwangsläufig ergeben. Allein schon durch den Kontakt mit seinen Kunden.

Zudem ist Klaus Stöhr Sportschütze. (Also hat er noch ein zweites Hobby.) Mehr als 20 Jahre war er Geschäftsführer des Schießvereins Centrum. Und dem Lippstädter Schützenverein ist er ebenso verbunden. Eine lange Zeit hat er in maßgeblicher „Schussposition“ die jeweiligen Königsaspiranten befeuert. Sein Vater, fügt er hier ein, habe noch Anfang der 1950er Jahre die gleiche Arbeit bei vielen auswärtigen Schützenvereinen verrichtet.

In den Selbstdarstellungen der Büchsenmacher ist zuweilen auch diese Einschätzung zu finden: Die wichtigsten Eigenschaften für eine Tätigkeit in der Waffenbranche seien Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit. Das sieht auch Klaus Stöhr so. Was nicht zuletzt durch seine umsichtige Nachfolgeregelung bestätigt wird. Rechtzeitig hat er sich darauf vorbereitet. Im Jahre 2008 verkauft er den Betrieb an seinen früheren Lehrling Carsten Hanisch - „mit allem Drum und Dran“. Sohn Frank, der für den Beruf wohl ausgebildet war, hatte „Höheres“ vor. Nach seinem Studium ist er nun Leiter eines mittelständischen Unternehmens der Metallverarbeitung.

Ein bisschen Spaß muss für Klaus Stöhr allerdings weiterhin sein. Täglich ein paar Stunden legt er noch immer Hand ans Gewehr. Fürs gesetzlich bewilligte „Altmeistersalär“.

- Willi Kröger

17.12.2010 19:17
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