Handwerk

„Sie wollen sich wirklich selbstständig machen?“

LIPPSTADT - Er ist jetzt 75 Jahre alt. Ans Aufhören denkt er aber noch längst nicht - der Lippstädter Handwerksmeister Fritz Schirmer. Und das hat zwei Gründe. Zum einen ist da kein erblicher Nachfolger, der ungeduldig mit den Hufen scharren könnte. Und andererseits macht ihm sein Beruf noch immer viel Spaß. Dennoch: Er kann sich gut vorstellen, dass sich aus seinen verlässlichen Mitarbeitern - einige sind schon 35 Jahre dabei - mal einer herausschält, der den Stab übernimmt. Eines Tages.

Fritz Schirmer hat sein Handwerk beim Vater erlernt. Ein Handwerk, das eine lange Geschichte hat und mit der Erfindung der elektrischen Batterie um 1800 eine beispiellose technische Entwicklung einleitete. Man könnte den Bogen sogar bis zu den alten Griechen spannen, aus deren Wort Elektron sich der Name Elektrizität entlehnt.

Bis zum Jahre 1967 - Meisterprüfung 1962 - arbeitet der Sohn beim Vater. Dann verwirklicht er seinen Wunsch nach Eigenständigkeit. Und stößt bei den Verbandsoberen auf Skepsis. „Sie wollen sich wirklich selbstständig machen?“ Diese Frage stellen sie ihm in Arnsberg, als er den Antrag auf Firmengründung einreicht. Die Zeit des Wiederaufbaues sei doch vorbei, bekommt er zu hören. Das mochte wohl sein. Aber es war da noch eine andere Zeit: die der rasanten Evolution in der Elektrobranche. Was sich allein schon im Namen zeigt. Fritz Schirmer begann als Elektroinstallateur. Heute nennt er sich einen Energieanlagenelektroniker. Dieser Begriff deckt ein weites Feld ab. Auf dem die vielen Früchte der Elektrizität sich üppig vermehrten - von der Bogenlampe über den Morse-Telegraf und das Telefon bis hin zu den modernen Kommunikations- und Informationssystemen. Es sind nur einige Meilensteine auf diesem Weg.

Im Jahre 1967, als Fritz Schirmer den Weg des Unternehmers beginnt, gibt es in Deutschland etwa 60 000 Telexteilnehmer, weltweit rund 240 000.

Der junge Meister startet mit einer kleinen Schar von Mitarbeitern. Heute hat er 18 Angestellte. Darunter aber keinen Lehrling, obwohl er im Laufe der Jahre um die 70 von ihnen ausgebildet hat. Qualifizierter Nachwuchs sei inzwischen schwer zu bekommen. Wohl auch, „weil Elektrotechnik viel Mathematik beinhaltet.“ Und die begabteren Schüler strebten gern nach Höherem.

Fritz Schirmer leitet seinen Betrieb von der Schaltzentrale in der Bastionstraße aus. Die Werkstatt ist in der Adelheidstraße angesiedelt - ein heimischer Stromkreis mit Nord- und Südpol.

Wenn auch das wichtigste Handwerkszeug des Meisters der Computer ist, so kann er sich doch noch gut an die Zeiten als „Strippenzieher“ erinnern. Wie an die Arbeit mit Hammer und Meißel zum Schlitzen der Wände. „Gibt es heute fast gar nicht mehr.“

Auch die Kundschaft sei jetzt eine grundlegend andere. Kaum noch Arbeiten für Privatkunden. Der Großteil der Aufträge komme inzwischen aus Wirtschaft und Verwaltung.

Die Hauptaufgaben in seiner Branche sieht der 75-Jährige heute in der Installation von Schutzmaßnahmen. Unfallverhütung spiele eine überragende Rolle. Wie natürlich auch die EDV-Datenleitungsnetze.

Eine der vielen Veränderungen in seinem Handwerk macht Fritz Schirmer noch einmal an einem simplen Beispiel deutlich: „Früher gab es in einem Raum eine Steckdose. Das hat sich fast verzehnfacht.“

Er macht sich keine Sorgen um seine Nachfolge. Aber auch nicht um seinen Berufsstand. Dem er unbedingt die Pflicht zum Meisterbrief erhalten will. Der Brief sei der beste Garant für ständige Weiterbildung.

- Willi Kröger

11.02.2011 20:11
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