Handwerk

„Suppenknochen gehen doch kaum mehr über die Theke“
LIPPSTADT  ■  Theo Feldmann ist Meister im Fleischerhandwerk. Aber auch in einem anderen (Kunst-) Handwerk hat er es zu wahrer Meisterschaft gebracht – dem des Holzbildhauers. Allzu gern hätte er diesen Beruf ergriffen. Jedoch: Dem Vater zuliebe setzte er die Familientradition fort. Die hatte mit dem Großvater begonnen, und zwar in Geseke. Dort war nicht Platz für mehrere Söhne. Also erwarb er für einen von ihnen die gerade in Konkurs gegangene Pferdemetzgerei Wesendrup an Lippstadts Südertor. Das geschah im Jahre 1930. Der Neu-Lippstädter, Theo Feldmanns Vater, führt das Geschäft bis 1966. Dann übernimmt der Sohn. Der allerdings, Meister seit 1959, schon einige Zeit vorher „das Sagen“ hat. „Denn“, berichtet Theo Feldmann, „mein Vater hatte auch zuvor schon immer einen Meister beschäftigt. Im Grunde fühlte er sich mehr zur Bauerei hingezogen.“ Ob der Sohn deshalb seine Lehre lieber außerhalb macht? Und dann noch im relativ fernen Witten-Annen? „Das war ein sehr renommierter Betrieb.“ Der Lehre folgt eine „gesellige“ Wanderschaft. Durch verschiedene Städte. Meisterprüfung an der Fleischereischule in Frankfurt. Ob und wie sich der Fleischer vom Metzger oder gar Schlachter unterscheide, möchte der Verfasser wissen. Nun ja, es gebe da wohl gewisse regionale Unterschiede, ist die Antwort. Fleischer, das klinge eben etwas feiner, nicht so grobschlächtig. „Es hat sich als offizielle Bezeichnung, jedenfalls in unserem Bereich, letztlich durchgesetzt.“ Durchgesetzt hat sich auch Theo Feldmann. Gemeinsam mit Ehefrau Marlies baut er sein Geschäft zu einem Fixpunkt im Süden aus. Hat gute Jahre. „Das Jahr 1982 war unser bestes,“ erinnert er sich. Sie hätten damals sogar erwogen, Nummern im Laden zu vergeben. Zwecks Regulierung des zuweilen heftigen Andrangs. Doch dann fahren den Feldmanns, wie auch allen anderen in der Branche, die Supermärkte in die Parade. „Das bekamen wir schon zu spüren“, räumt der 74-Jährige ein. Gleichwohl sind durchweg fünf Leute in der Wurstküche beschäftigt und ebenso viele im Laden. Dort immer an vorderster Front: Ehefrau Marlies, die vor der Heirat eigens eine Umschulung zur Fachverkäuferin gemacht hatte. Theo Feldmann hat einige Wandlungen in seinem Beruf erlebt. Anfänglich werden noch im Schlachthof an der Beckumer Straße die Schweine und Rinder selbst zerlegt. Später, an der Welserstraße, geschieht das schon maschinell. Von dort wird nur noch das zubereitete Fleisch abgeholt. Die Tiere kamen nicht von irgendwo. „Nur von Bauern meines Vertrauens.“ Das im Lauf der Jahre veränderte Kaufverhalten kommt zur Sprache. O ja, das habe ihr Geschäft schon merklich beeinflusst, bestätigt Theo Feldmann. Früher hätten sie beispielsweise „Speise in rauen Mengen“ verkauft. Dieser Teil des Marktes sei mit der Zeit völlig eingebrochen. Und wer koche, ein anderes Beispiel, heute denn noch eine deftige Suppe? „Suppenknochen gehen doch kaum mehr über die Theke.“ Auch der Trend, die Wurstküche um eine Garküche zu erweitern, geht an Feldmanns nicht vorbei: „Seit Anfang der 1980er Jahre gab es bei uns täglich drei Gerichte zum Mitnehmen,“ sagt Ehefrau Marlies. Dafür sorgten aber nicht sie oder der Meister, dafür hatten sie eigens eine „Heißmamsell“ angestellt. Im Jahre 2007 gibt Theo Feldmann sein Geschäft ab –an die Familie Pätzold. Seine Söhne, obwohl beide vom Fach, haben kein Interesse. Aber auch nach der Berufsaufgabe bleibt Theo Feldmann, ein in vielen Bereichen engagierter Mensch, Lehrlingswart seiner Innung. Bis 2009. Und, nicht zu vergessen: die neun Jahre als Fachlehrer an der Berufsschule. Nunmehr kann er sich aber ganz seiner handwerklichen Kunst widmen.  ■  Willi Kröger
06.03.2010 10:19
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