Rüthen - „Die Versorgung mit Internet ist heute ebenso wichtig wie die Versorgung mit Trinkwasser und Elektrizität“. Mit diesen Worten spricht Stefan Westermeier besonders den Einwohnern von Drewer aus der Seele. Der Diplomingenieur kümmert sich bei der Stadtverwaltung um eine vernünftige Breitbandversorgung in Rüthen. Schon im Mai oder Juni sollen die ersten Rechner online gehen können.
Abends ein paar E-Mails versenden, ein Blick ins Kinoprogramm werfen, Waren bestellen, im Online-Auftritt des Patriot Neues aus der Region erfahren: Ohne Internetanschluss sind viele Dinge schlechterdings nicht möglich. Darum ist der Kreis Soest zu Jahresbeginn der Telekommunikationsgesellschaft Südwestfalen (TKG SWF) beigetreten. Ziel ist, überall im Kreis ein vernünftiges Netz aufzubauen.
Auf Bundesebene wurde beschlossen, bis 2014 drei Viertel aller Haushalte in Deutschland mit Internet zu versorgen - was blöderweise 40 bis 50 Milliarden Euro kosten wird. Im Kreis Soest hat derzeit nur die Hälfte der Bevölkerung einen Zugang zum Netz, der der üblichen Datenübertragung von 16 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen von Daten entspricht. Per Definition gilt als angeschlossen, wer auf lahme zwei Megabits pro Sekunde kommt.
Jetzt legen Kreis und Stadt den Turbo ein. Bereits im März sollen Informationsveranstaltungen in den unterversorgten Ortschaften stattfinden. Dort geht es nicht nur um die reine Info, sondern auch um Geld. Schließlich müssen die Kosten für den Ausbau irgendwie von den Kommunen und den Endnutzern gestemmt werden. Geplant ist zunächst ein Flächenfunksystem mit dem Namen „L-Net-Country“ zur kurzfristigen Bereitstellung einer Grundversorgung. Ziel ist eine vollständige Abdeckung im Kreis mit drei Megabit pro Sekunde - theoretisch sind bis zu 25 möglich.
Konkret wird die Telekommunikationsgesellschaft als Bauherr auftreten, die Arbeiten an regionale Firmen vergeben und die Netze an die Lennestädter Firma Innofactory verpachten. Diese vermarktet die Anschlüsse unter dem Namen „LNet“ (lokales Netz) an die Endkunden.
Zwischen 30 und 50 Euro werden pro Anschluss und Monat fällig. „Die Wirtschaftlichkeitsgrenze der TKG liegt bei mindestens 20 Bestellungen aus einem Ort“, so Westermeier. Wobei ein Unternehmen sieben Haushalten entspricht. Sind genügend Interessenten zusammen, beginnt der Netzausbau. Fehlen Kunden, liegt es an der Stadt, ob sie einen Investitionskostenzuschuss zahlen will. „Je fehlenden Kunden werden 2500 Euro fällig.“
Der Funkturm am Stimm Stamm liefert den Zugang. Sein Gegenpart entsteht in Form eines Mastes nördlich von Drewer auf der Haar. Ein weiterer wird bei Ostönnen errichtet. Die Zukunft des Internets im Kreis liegt aber in der Erde. „Mittelfristig ist geplant, das gesamte Kreisgebiet mit Glasfaserkabel auszustatten“, erklärt Westermeier.
Schon jetzt unternimmt die Stadt die erforderlichen Schritte. Wo möglich, verlegt die Stadt Leerrohre in der Erde, die bei Bedarf die Glasfaserkabel aufnehmen können. Beispielsweise bei der Verlegung des Wasserrohrs von Kellinghausen nach Heddinghausen und im Gewerbegebiet Hankerfeld, dessen Straße jetzt fertiggestellt wurde. Westermeier bat alle ansässigen Firmen, einen möglichen Anschluss zu überprüfen. Denn „entfallen die Erdarbeiten zur Verlegung, ist bereits die größte Hürde genommen.“
Es sei unmöglich zu sagen, so Westermeier, wie sich die Internet-Technik in den nächsten zehn bis 15 Jahren entwickeln wird. Aber schon jetzt sind Bandbreiten von 50 bis 100 Megabits pro Sekunde kein Hirngespinst. - fred