Handwerk

„Unser Beruf fällt nicht den Maschinen zum Opfer“

LIPPSTADT - Auch und gerade zum Handwerk gehört der ständige Wandel. Zu dem von Adolf Weddemann ganz besonders. Denn es hat im Laufe der Zeit nicht nur sein Gesicht verändert, sondern auch seinen Namen. Anstreicher? Das war einmal. „Seit den 1960er Jahren,“ sagt der Meister vom Lippstädter Roßfeld, „nennen wir uns ganz offiziell Maler und Lackierer.“ Und er fügt hinzu: „Dieser Beruf ist ein Vollhandwerk.“ Was bedeutet: Ohne den Meisterbrief führt kein Weg in die Selbstständigkeit.

Selbstständig ist „Adolf III.“ (schon Firmengründer und Großvater sowie der Onkel trugen diesen Namen) seit 1972. Er übernahm den damals in der Hospitalstraße angesiedelten Betrieb von Vater Franz. Bei ihm hatte er das Handwerk erlernt.

Anfangs mit Fahrrad und Holzbollerwagen

Die Meisterschaft erringt er 1967 nach dem Besuch der Fachschule für Malerhandwerk in Stuttgart. Schon bald nach der Firmenübernahme macht sich der junge Meister daran, den Betrieb zu erweitern und auch auf eine größere räumliche Basis zu stellen. Die bietet sich 1974 im Roßfeld. Dort wächst die Belegschaft von fünf Mitarbeitern auf nunmehr fünfundzwanzig. Und mit zwölf komplett ausgerüsteten Werkstattwagen (angefangen hatte es einst mit Fahrrad und Holzbollerwagen) ist die Firma Weddemann heute sehr mobil und weit über die Stadtgrenzen hinaus tätig. Inzwischen mehr und mehr unter der Führung von Sohn Patrick. Der natürlich auch Meister seines Fachs ist.

„Befassen Sie sich denn heute auch noch mit der Verschönerung von Wohnräumen?“ Die Antwort ist ein spontanes Ja. Allerdings, so Adolf Weddemann, Mustertapeten würden seit langem kaum mehr geklebt. Zu hoch sei der Arbeitsaufwand.

Schon sehr früh richten der Altmeister und seine Mitarbeiter ihr Hauptaugenmerk auf die Renovierung historischer Kultur- und Kirchenräume. Und auf Fassadengestaltung. „Die Idee, Hauswände vom tristen Grau zu befreien und stattdessen farbig zu gestalten, kam in den 1970er Jahren auf,“ erklärt „Ata“, wie er von Freunden und Bekannten genannt wird. Und speziell in diesem Bereich ist er in Lippstadt eine Art Pionier.

Überbetriebliche Ausbildungsstätte

Als Vorreiter wirkt er auch auf einem anderen Sektor. Im Jahre 1968 trägt die Handwerkskammer den Wunsch an ihn heran, ein Konzept für eine überbetriebliche Ausbildungsstätte zu erstellen. Er tut es gern - und über drei Jahre lang leitet er die Lehrgänge an der damaligen Kreisberufsschule. „Das war der Einstieg,“ sagt der 67-Jährige. „Andere Berufe zogen nach.“ Was den weiteren Wandel in seinem Handwerksberuf anlangt, verweist Adolf Weddemann auf einen neuen Schwerpunkt: die energetische Sanierung von Altbauten sowie die Instandsetzung witterungsgeschädigter Fassaden. Was überhaupt nicht mehr in Betracht komme, erläutert der Lehrherr von mehr als 100 Azubis, das sei der Einsatz umweltschädlicher Lacke und Lasuren. Mit solchen Einschränkungen hatten die vormaligen Anstreicher noch kein Problem. Für den Einsatz auf diesem Gebiet sieht Adolf Weddemann seinen Betrieb besonders gut gerüstet. Durch jahrelange Arbeit in sensiblen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Altenheimen.

Was noch in diesen Zusammenhang gehört: Die Beseitigung von Schimmel und ihren Ursachen ist auch ein sich stetig verbreiterndes Tätigkeitsfeld.

Die Firma Weddemann ist ein Familienunternehmen in mancherlei Hinsicht. Wie zum Beispiel durch die Mitarbeit der Ehefrau. „Meine Frau Elisabeth, die ich übrigens während der Ausbildung in Stuttgart kennen gelernt habe, leitete und organisierte die Arbeit im Büro.“

Wenn sein Beruf auch einige Wandlungen durchgemacht hat - vor der betrieblichen Zukunft ist dem Seniorchef nicht bange. Wenn es schon in der Vergangenheit keinen Rückschlag gab, warum denn demnächst? „Unser Beruf fällt nicht den Maschinen zum Opfer.“ Das Credo eines Mannes, der sein Handwerk von der Pike auf und in allen - vor allem farblichen - Facetten kennt. Nur diesen Malerwitz, den kannte er noch nicht: Sagt der Lehrling zum Meister: „Die Fenster habe ich gestrichen. Soll ich die Rahmen jetzt auch noch?“

- Willi Kröger

22.10.2010 19:35
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