RÜTHEN

Vom Farmer zum Kämpfer

Kallenhardt - Seine 80 Jahre sieht man ihm nicht an: Percy Schmeiser ist ein Landwirt voller Elan und Ausstrahlungskraft - und vor allem mit einer Botschaft. „Stoppt die Gentechnik“ lautet das Credo des Trägers des Alternativen Nobelpreises, den er gemeinsam mit seiner reizenden Frau Louise 2007 bekam. Dabei ist der Kanadier eigentlich „nur“ Farmer - der das Pech hatte, 1997 auf seinem Feld gentechnisch veränderten Rapssamen vorzufinden, der von seinem Nachbarn stammte. Weil er daraus Saatgut gewann, wurde er vom Biochemie-Konzert Monsanto wegen Verletzung der Patente auf 200 000 Euro verklagt. 2004 wurde er von dem Vorwurf freigesprochen. Da war er aber schon eine Symbolfigur für unabhängige Bauern und Verfechter gegen die strengen Haftungspflichten. Weltweit hält er Vorträge über die Gefahren der Ausbreitung genmanipulierter Pflanzen in der Landwirtschaft - so wie am Mittwochabend in Haus Düsse. 250 Besucher feierten den Vorkämpfer nach seinem Vortrag für zehn Minuten mit stehenden Ovationen.

Auf Einladung der Kallenhardter Landwirte Franz-Josef Dohle und Gyso von Bonin waren Louise und Percy Schmeiser auf ihrer Europa-Tour nach Kallenhardt gekommen. Bei einer Pressekonferenz auf dem Dohlenhof nahmen sie kein Blatt vor den Mund. Denn die Kreativität der Konzerne, Gene zu verändern, Patente darauf zu erwerben und abgestimmte Spritzmittel wie „Roundup“ zu verkaufen, sei groß. So gebe es inzwischen auch Veränderungen, die in den Pflanzen Toxine entstehen lassen, die Insekten abwehren. Diese Gifte seien aber auch nach der Ernte noch vorhanden - mit unbekannten Folgen für Vieh und Mensch. Zwei Seiten hat das so genannte Terminator-Gen: Es verhindert das Keimen von Samen. Gut, wenn es um die ungewollte Verbreitung veränderter Samen geht - schlecht, wenn so der Patentschutz bereits in der Pflanze verankert wird. „Das Keimen eines Samens ist doch Grundlage unserer Arbeit und des Lebens überhaupt“, schüttelt von Bonin den Kopf.

40 Milchbauern haben unter anderem darum die „faire Milch“ ins Leben gerufen. „Wir sind die ersten in Deutschland, die dies umgesetzt haben“, so Dohle. Denn in Milch, Fleisch und Eiern kann ein genmanipuliertes Futtermittel (noch) nicht nachgewiesen werden. Also setzte man auf unveränderte Einweißlieferanten und fand beispielsweise Sojaschrot, das garantiert gentechnikfrei aus Brasilien geliefert wurde.

Der Protest der deutschen Bauern richtet sich vor allen Dingen gegen die Unabsehbarkeit der Gentechnik. Würde Dohle (rein theoretisch) in Kallenhardt auch nur einen Quadratmeter veränderten Raps anbauen, „finde ich in zehn Jahren Spuren davon in Erfurt wieder“, ist er überzeugt. Ganz davon zu schweigen, dass alle Kreuzblütengewächse in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Wird Deutschland in die Fußstapfen von Kanada treten und bald unter der Herrschaft von Großkonzernen zu leiden haben, gilt doch NRW als „genfrei“? Diese Befürchtung hegt Schmeiser nicht. In Deutschland stehe man den Machenschaften kritisch gegenüber, nachdem man ihre Auswirkungen kennt. Die kanadischen Bauern hatten diese Chance nicht, sie wurden von den Ereignissen überrollt. Das Land zahlte einen hohen Preis: Den einst verbreiteten kanadischen Rapshonig beispielsweise gibt es wegen des Importverbots nicht mehr zu kaufen. Woher sollen die Bienen auch wissen, dass sie eine manipulierte Blüte anfliegen? - fred

31.03.2011 15:08
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