KULTUR

Von Zyklopenbabys und beleidigten Leberwürsten

Lippstadt - „Eines schönen Syntax bemerkte ich, dass ich sprachsüchtig bin“, erklärt Marius Ehle den amüsierten Zuschauern. Sprachsüchtig zu sein klingt komisch, ist jedoch eine sehr gute Voraussetzung, um an einem Poetry-Slam, einem modernen Dichterwettstreit, teilzunehmen. Deshalb ist der junge Mann aus Paderborn mit seinem „Sprachtick“ auch beim ersten „Hinterhof-Slam“ im Lustspielhaus bestens aufgehoben. Kurz hält er inne, dann beschreibt er die Begegnung mit einer jungen Frau: „Als sie meinen Satzstrang in die Hand nahm, hoffte ich, dass sich daraus nicht nur eine Kurzgeschichte entwickeln würde.“

Sechs Teilnehmer hatten den Mut beim freundschaftlichen Wettkampf der Poeten ihre selbstverfassten Texte zu präsentieren. Moderator Karsten Strack erklärte allen Slam-Neulingen im Publikum die Regeln: Jeder Teilnehmer hat sechs Minuten Zeit, um mit seinem Vortrag zu überzeugen. Ausgewählte Zuschauer bewerten die Lyrik und Prosa mit Noten von 1 (Der Vortrag bereitet mir körperliche Schmerzen) bis 10 (Der Oberhammer. Ich möchte ein Kind von dem Poeten haben).

Die Sieger aus zwei Runden ziehen ins Finale ein. Hier entscheidet schließlich der Applaus des gesamten Publikums über den Gesamtsieg. Witzig, absurd, durchgeknallt, nachdenklich und kritisch — die Bandbreite der Texte ist unglaublich groß und macht jeden Auftritt auf seine Art einzigartig und spannend.

Matthias Marschalt aus Werl zitiert brüllend komische Einträge aus einem Tagebuch: „Das Katzenfutter ist aus. Habe nichts mehr zu essen.“ Um Lebensmittel geht es auch bei Marcus Märtens aus Paderborn. Er beschreibt den Konflikt der Lebensmittel in seinem Kühlschrank und erzählt, dass die Leberwurst von allen gemoppt wird: „Deshalb zieht sie sich in eine Ecke zurück und ist beleidigt.“

Jan Werner aus Hovestadt ist der Punk unter den Slammern. Er trägt sozialkritische Texte vor, die er sonst als Sänger einer Band „ins Mikro brüllt“. Ganz spontan und unvorbereitet hat er sich auf die Bühne gestellt — für freien Eintritt und Freibier macht man das schon mal. Textaussetzer kommentiert er trocken mit einem: „Oh, fuck!“

Im Finale stehen schließlich Fabian Navarro aus Suttrop und Simon Böhmer aus Soest. Die talentierten jungen Dichter schmettern ihre intelligenten Reime mit einer ungeheuren Schnelligkeit ins begeisterte Publikum. Navarro hat Kurzgedichte über das Ficken und die Atomkraft oder Zyklopenbabys im Angebot. Zudem weiß er mit dem nachdenklich stimmenden Beitrag „Leise sein“ zu überzeugen.

Simon Böhmer erzählt von drei grünen Grashalmen namens Heinz, Peter und Klaus und zieht mit dem kritischen „Monolog eines Serienkillers“ alle Register seines Könnens. Am Ende ist er es, der die kuriose Siegesthrophäe in den Händen hält: ein quietschbuntes Kindermikrofon. Bei einem Poetry-Slam geht es halt vor allem darum, dass alle Spaß haben. Und den hatten Teilnehmer und Publikum an diesem Abend auf jeden Fall. Schade nur, dass es keinen Teilnehmer aus Lippstadt und keinen weiblichen Poeten auf der Bühne gab.

Am 8. Januar findet der nächste „Hinterhof-Slam“ statt. Wer daran teilnehmen möchte, kann sich unter der Nummer (0 52 51) 6 88 68 09 bei Karsten Strack oder im Lustspielhaus in der Hospitalstraße 8 bei Ulrich Kremser melden. - juro

14.12.2010 19:40
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