Von der pfiffigen Idee bis zum eigenen Unternehmen
NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger ermutigt zur Selbstständigkeit. Startercenter in Lippstadt und Soest berieten im Vorjahr fast 600 Interessierte
LIPPSTADT - Eine pfiffige Idee, großes Engagement und die eigene Begeisterung: Diese Dinge nannte NRW-Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger gestern in Lippstadt als gute Voraussetzungen für eine Neugründung. Dazu gehöre aber auch, mit Qualität beraten zu werden. Und genau das nehmen die Startercenter NRW Hellweg mit Standorten in Soest und Lippstadt für sich in Anspruch. Mit der Kampagne „Wir machen Gründer groß“ sowie einem Informationstag in Lippstadt (siehe Infokasten) sollen künftig noch mehr Menschen zum Sprung in die Selbstständigkeit ermutigt werden. Die „Ausfallrate“, so Voigtsberger, liege bei unter 20 Prozent.
Rund drei Viertel aller neuen Arbeitsplätze würden durch Neugründungen entstehen, führte der Minister aus. Allein im Kreis Soest gab es laut Kreis-Wirtschaftsförderer Volker Ruff im letzten Jahr 3100 neu angemeldete Gewerbe, „die leider nicht alle von einer Beratung begleitet wurden“. 1300 Erstkontakte hatten die Startercenter im Kreis Soest für sich notiert, 578 ausführliche Beratungen resultierten daraus. 170 Erstkontakte sowie 95 Beratungsgespräche gab es 2009 in Lippstadt, in diesem Jahr waren es 60 Beratungen (Stand: Ende September). Lippstadts Wirtschaftsförderer Wilhelm Coprian betonte: „Wir raten nicht nur zu, sondern manchmal auch ab.“ Es gehe schließlich um das Wohl desjenigen, der einem gegenübersitze. Unterstützung sei vor allem im kaufmännischen Bereich, beim Marketing und bei sozialer Kompetenz, etwa für das Gespräch mit den Banken, gefragt. Der überwiegende Teil der Gründer sei im Alter bis 40 Jahre und bringe Berufserfahrung mit - es gebe aber eben auch Ausnahmen. IHK-Präsident Ralf Kersting ergänzte, dass es sich bei Existenzgründern oft um fachlich hoch qualifizierte Menschen und um Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus handle.
Ein Denkmal für eine Existenzgründerin
Als „erfolgreiches Vorbild“ für Gründungswillige findet sich künftig im Foyer des Lippstädter Technologie- und Entwicklungszentrums Cartec eine Aluminium-Statue der Warsteinerin Eva Risse. Dabei ist die 39-jährige Dachdeckermeisterin nicht unbedingt die typische Existenzgründerin: Zum einen ist sie als Frau in einem männerdominierten Handwerk tätig, zum anderen hatte sie 2003 den in eine wirtschaftliche Schieflage geratenen Betrieb der Eltern übernommen. Das gerade auch diese Nachfolgeregelungen zur Gründerberatung dazugehören und dieser Bereich immer wichtiger wird, betonten der Soester Wirtschaftsförderer Ferdinand Griewel und Lippstadts Bürgermeister Christof Sommer.
Wobei Eva Risse einen guten Rat für künftige Existenzgründer parat hatte: „So wie ich es gemacht habe, war es überstürzt. Ich habe mich nicht kundig gemacht. Das würde ich heute anders machen.“ Das könnte sie bei vier Startercentern im Kreis: Drei davon in Soest (Kreishandwerkerschaft, Kreis-Wirtschaftsförderung, Stadt-Wirtschaftsförderung) sowie eines in Lippstadt (im Cartec; gemeinsam betrieben von Wirtschaftsförderung Lippstadt und der IHK Arnsberg). - axs