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LIPPSTADT
„Weihnukka“ und andere Traditionen zum Fest

Von Giew Maschajechi

Lippstadt - Es ist eines der höchsten christlichen Feste. Am Vorabend des 25. Dezember kommen wieder Familien zusammen, um sich feierlich auf Christi Geburt vorzubereiten. Bereits im Vorfeld sorgen kühle Temperaturen, Weihnachtsmärkte und das Naschwerk zu Advent für besinnliche Stimmung. Doch wie erleben Juden und Muslime die Feierlichkeiten zu Weihnachten?

Der Einzelhandel hat sich schon Monate zuvor auf dieses Ereignis vorbereitet und pünktlich Ende September das Sortiment von Sommer auf Weihnachten umgestellt. Alles vollkommen normal, mag man denken. Doch wie empfinden Menschen jüdischen und muslimischen Glaubens diese Zeit, in der sich der Großteil der Bevölkerung im weihnachtlichen Lichtermeer auf das Fest einstimmt. Lässt es sie kalt, feiern sie mit? Oder nutzen sie lediglich die beiden freien Tage?

Gerne einmal mitfeiern würde der aus der Türkei stammende Yusuf Yigit. „Aber ich wurde noch nie eingeladen.“ Nur einmal sei er in einer Kirche gewesen, „aber da wurde ich von allen so angeschaut“ - da sei er lieber wieder gegangen, sagt er.

„Gotteshaus ist Gotteshaus“

Alpay Ahmet war bereits einmal bei Arbeitskollegen zum Weihnachtsfest eingeladen. „Da erfuhr ich, dass Weihnachten ein Fest der Familie ist.“ Auch beim Gottesdienst in der Kirche war Ahmet dabei, „es ist ja auch ein Gotteshaus.“ Es sei ein „Erlebnis“ gewesen, das er vom muslimischen Opferfest oder vom Fastenbrechen zum Ende des Ramadans kenne. „Auch bei uns gibt es dann festliches Essen“. Weihnachten feiere er auch als Muslim durch die Feiertage, an denen er gerne Freunde besucht, „indirekt“ mit, sagt er.

Bayram Kiratz, der mit seinen 23 Jahren die dritte Generation der türkischen Einwanderer repräsentiert, weiß: „Ich bin mit Weihnachten aufgewachsen.“ Dass er nie die Gelegenheit hatte, selbst mitzufeiern, das bedauert er. Einmal hatte seine Familie einen Tannenbaum aufgestellt und geschmückt, auch einen Gottesdienst in einer Kirche hat er bereits besucht. „Gotteshaus ist Gotteshaus“, so Kiratz.

„Wir feiern dieses Fest in diesem Sinne nicht“, sagt die Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde, Tanja Rubens. Dennoch erfreue sie sich an der schönen Stimmung und der Atmosphäre. „Die Städte sind herrlich geschmückt, aber es ist uns bewusst, dass es nicht unser Fest ist“, sagt sie. In diesem Jahr falle das acht Tage dauernde Chanukka-Fest (zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem) genau in die Weihnachtszeit, erklärt Rubens. „Wir laden in diesem Jahr auch christliche Freunde am fünften Chanukka-Tag, dem 25. Dezember, ein.“ Auch war sie schon bei Freunden zum Weihnachtsfest eingeladen. „Das betrachte ich als große Ehre.“

Wie dicht Christen- und Judentum in Deutschland einst miteinander verwoben waren, das zeigt die „Weihnukka-Tradition“. Diese habe es vor 1933 gegeben, wie Tanja Rubens berichtet. Schon damals habe man vereinzelt das christliche und das jüdische Fest gemeinsam gefeiert.

Eine Einladung zum Fest als große Ehre

Aber ganz gleich, ob nun Weihnachten oder Chanukka, für die Kinder dürfte die Freude auf diese Tage am Ende gleich groß sein. Denn auch in der jüdischen Tradition können sich die Jüngsten an diesen Tagen auf Geschenke freuen.

23.12.2011 18:53
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