Handwerk

„Wir bildeten Lippstadts erste Bäckerin aus“
LIPPSTADT - Die Bezeichnung Altmeister lässt er durchaus gelten. Schließlich hat er ja im Jahr 2001 Betrieb und Geschäft aufgegeben. Da war er 64 Jahre alt. Er hätte ganz gern noch weitergemacht, so als Senior im Betrieb des Sohnes. Wenn der denn gewollt hätte. Meister war er ja schon. Hatte seinem Brief sogar das Diplom eines Lebensmittelingenieurs folgen lassen. Es war wohl diese Qualifikation, die ihn am Ende eine andere berufliche Ebene betreten ließ. Immerhin aber auf dem Boden des angestammten Handwerks. Und so wollte denn Wolfgang Reinhold - im Rentenalter - nicht noch einmal im Alleingang den Pachtvertrag erneuern. Den hatte er erstmals im Jahre 1969 geschlossen, als er die Bäckerei der Familie Stratmann in Lippstadts Poststraße übernahm. Ein riskantes Unternehmen, denn die Firma - zuletzt nicht mehr in der Regie der Stratmanns - war ein wenig heruntergewirtschaftet. Und angesichts der vielen alteingesessenen Backbetriebe in der Stadt hätten ihn, so Wolfgang Reinhold, nicht wenige gefragt: „Was wollen Sie denn in Lippstadt?“Er, gebürtiger Schlesier, kam aus Geseke. Dort hatte er sein Handwerk erlernt. Anschließend hatte er einige Jahre im Rheinland verbracht. Berufliche Fortbildung. Seine Meisterprüfung macht er im Jahre 1961. Und mit dieser neuen Würde verdingt er sich zunächst in Mönninghausen, dann in Paderborn. Die Selbstständigkeit ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal unbedingt sein Ziel, doch als sich ihm die Gelegenheit bietet, da greift er zu. Es wird ein Glücksgriff. Was sich allerdings erst einige Jahre später zeigt. Denn am Anfang ist eine Durststrecke zu überwinden, auch bedingt durch den totalen Umbau der Poststraße im Jahre 1970. Das wirkte nicht gerade einladend auf die Kunden. Am Ende aber, zumal nach Schaffung der Fußgängerzone, war doch alles gut. Von da ab entwickelt sich das Geschäft geradezu rasant. Schon 1974 wird ein erster Umbau fällig. 1979 folgt der zweite. „Den positiven Verlauf,“ sagt der Altmeister, „habe ich aber auch guten Mitarbeitern zu verdanken.“ Ein Geselle arbeitete 20 Jahre bei ihm - bis zur Aufgabe des Betriebes.Viele junge Leute hat Wolfgang Reinhold zur Gesellenreife gebracht. Mit besonderem Stolz erwähnt er: „Wir bildeten Lippstadts erste Bäckerin aus.“ Auch auf einem anderen Gebiet war er schon mal Vorreiter in seinem Gewerbe. Aus seiner Bäckerei seien die ersten Campingbrötchen in Lippstadt gekommen. „Ein Renner,“ erinnert er sich. Und auch das von ihnen als Erste auf den heimischen Markt gebrachte vollkörnige Schinkenbrot sei bis zuletzt ein Verkaufsschlager gewesen.Was das Verkaufen überhaupt angehe, meint Wolfgang Reinhold, so sei gerade ein Bäckermeister auf tüchtige Hilfe im Laden angewiesen. „Ich kann soviel backen wie ich will,“ hat er einmal gesagt, „wenn die da vorne nichts verkaufen, dann nützt es alles nichts.“ Und mit „die da vorn“ hat er vor allem seine Ehefrau Annegret gemeint, die, obwohl nicht eigentlich vom Fach, sich als kongeniale Geschäftspartnerin erwiesen hat. Mit dem gewissen Händchen für die Ware und dem richtigen Tonfall gegenüber den Kunden.Wenn Wolfgang Reinhold an die beruflichen Anfänge zurückdenkt, dann fallen ihm natürlich die vielen Wandlungen ein. Nicht zuletzt im Geschmack der Verbraucher. Gab es früher maximal drei Brot- und zwei Brötchensorten, so liegt heute eine Vielzahl in den Regalen. Wobei die dunklen Sorten dominieren - und da vor allem das Vollkornbrot. „In meiner Lehrzeit griffen die Leute höchstens mal zum Pumpernickel.“Wolfgang Reinhold ist ein Bäckermeister, der sich aber auch auf dem Gebiet der „süßen Sachen“ fachkundig gemacht hat. Dennoch war zu der Zeit, als er noch Kuchen und Torten im Programm hatte, mehrere Jahre ein Konditormeister angestellt.In den letzten 15 Jahren seiner Selbstständigkeit hatte der Meister aus der Poststraße auch noch eine Filiale an der Langen Straße hinzugepachtet. Ohne die eine oder andere Filiale zusätzlich, so sein Credo, gehe es heute kaum noch. Die Backstube fehlt ihm nicht unbedingt. Aber er schaut bei jeder Gelegenheit in jeden Bäckerladen. „Wer einmal Teig an den Fingern hatte, der kann davon nicht lassen.“  n Willi Kröger
04.09.2009 00:00
Drucken Vorlesen Senden


Das Kommentieren dieses Artikels ist nach der Portal-Anmeldung möglich. Nicht angemeldete Leser können uns ihre Meinung gerne per E-Mail, Facebook oder auf postalischem Weg mitteilen.
Anzeige
Suche
Lokal
Überregional
Eingeloggt sieht man mehr
Wenn Sie sämtliche Artikel einsehen möchten, loggen Sie sich bitte ein.
Prospekte
Patriot Aktionen
Frage des Tages
Der BVB an der Tabellenspitze, die Bayern nur auf Platz 2: Wer holt in dieser Saison den Meistertitel?
Jetzt abstimmen
Ergebnis
Umfragen-Archiv
Fotogalerien-Archiv
Kalenderblatt
Heute, 22.09.2017
38. Kalenderwoche, 265. Tag des Jahres
Noch 100 Tage bis zum Jahresende
Sternzeichen: Jungfrau
Namenstag: Gunthild, Mauritius
HISTORISCHE DATEN
Sonnenaufgang:
aa
Sonnenuntergang:
a
Mondaufgang:
b
Monduntergang:
c
Mondphase:
d
mehr
Zeitungsverlag Der Patriot GmbH • Hansastraße 2 • 59557 Lippstadt • Postfach 2350/2360 • Tel.: (02941) 201-00 • Fax (02941) 201-297