Handwerk

„Zimmerleute wird es auch in Zukunft noch geben“

GESEKE - Ob Eduard Künnekes armer Wandergesell ein Zimmermann war, verrät uns seine Operette zwar nicht. Aber man darf es vermuten. Weil nämlich in keinem anderen Handwerk das zeitweilige Leben auf der Walz so verbreitet war. Dem Verfasser sind erst vor wenigen Tagen zwei sehr sympathische Vertreter dieser ehrbaren Zunft begegnet. Es wird geschätzt, dass immer noch einige hundert von ihnen unterwegs sind - von Ort zu Ort, von Meister zu Meister.

Anton Cramer aus Geseke hat diesen Wanderpfad nicht betreten. „Selbst wenn ich gewollt hätte, wäre doch mein Vater nicht einverstanden gewesen.“ Denn er wurde dringend zu Hause benötigt. In dem Betrieb, den der Großvater 1924 in der heimischen Lüdischen Straße gegründet hatte. Und den der Sohn Theodor nach dem Krieg weiterführte. Bis ihn dessen Sohn in dritter Generation übernahm. Ein anderer Beruf sei für ihn überhaupt nicht in Betracht gekommen, sagt der heute 72-Jährige, der seinen Meisterbrief 1967 an der Holzfachschule Kress in Tübingen erwarb.

Die anfänglichen Berufsjahre sind noch stark vom Wirtschaftswunder geprägt. Wie Pilze seien die Neubauten aus dem Boden geschossen, erinnert sich Anton Cramer (den sie in Geseke übrigens nur Tönne nennen). Und da die meisten Häuser nun mal Dächer hätten, so seien, damals wie heute, Dachbauten das „Stützwerk“ der Zimmerleute. Daneben das übliche Spektrum: Fachwerk, Verschalungen, Wärme- und Schalldämmungen.

Eine Zeit lang hat sich die Firma Cramer auch mit Arbeiten befasst, die eher der klassischen Schreinerei zuzuordnen sind. Das habe man dann folgerichtig den Spezialisten überlassen. Heute habe die Fachwerk- sanierung bei ihnen den Vorrang, betont der Geseker Altmeister. Der ist er inzwischen, seit Sohn Antonius den Betrieb übernommen hat.

Mit ein wenig Stolz verweist Anton Cramer darauf, dass sein „Unternehmen vom Lande“ häufig Arbeiten im Auftrag der Stadt Dortmund übernimmt. Dort haben die Geseker wohl, in des Wortes rechter Bedeutung, einen „Stein im Brett“.

Ob besonders eindrückliche Arbeiten zu erwähnen seien? Die Antwort kommt spontan: Sanierung des Hauses Löckenhoff und Schulte (heute Engbers) in Lippstadts Langer Straße. Sowie die Ausbauten im Turm und im Langschiff der Geseker Marienkirche.

Die Kirche liefert Anton Cramer ein Stichwort. Zu einem „Döneken“. Cramers hatten im Turmgewölbe des Mönninghauser Gotteshauses zu arbeiten. Und ein Lehrling hatte den Schlüssel zu dem Gebäude. Was ihn zu einem übermütigen Schelmenstreich verleitete. Nach einem Zechgelage bestieg er mit einem Kumpel den Turm, umwickelte die Glocken mit alten Kartoffelsäcken - und wartete mit Schadenvorfreude auf die kommende Empörung. Die hielt sich allerdings in Grenzen. Trotz des gedämpften Glockenklanges. Ein hübscher Schabernack eben, habe der Pastor gemeint.

Wenn auch das Handwerk des Zimmermannes ein sehr beständiges ist - „Zimmerleute wird es auch in Zukunft noch geben“ - , so ging dennoch auch an ihm die Moderne nicht vorbei. „Ohne PC läuft bei uns nichts mehr, und anstelle von Hammerschlägen wird heute fast nur noch geschossen“, unterstreicht Anton Cramer die Entwicklung. Um gleich hinzuzufügen, dass der Computer sein Handwerkzeug aber nicht sei. Immerhin scheint er noch der gute Geist des Betriebes zu sein. Vor allem seine Kontaktfähigkeit ist weiterhin gefragt - bei der Einholung von Aufträgen etwa.

Die Firma Cramer hat heute acht Mitarbeiter. Darunter zwei Auszubildende. „Wir hatten immer zwei Lehrlinge, darunter auch schon mal Mädchen“. Der Ausdehnung wegen - und weil auf Grund einer EU-Verordnung zur Trockenhaltung des Holzes große Hallen benötigt werden, siedelte der Betrieb in den 1980er Jahren ins Gewerbegebiet Nord über.

Als alles Wichtige gesagt schien, tauchte noch einmal der arme Wandergesell auf. Einen solchen hatte auch Anton Cramer vor Jahren beschäftigt. „Leider blieb der nur acht Wochen. Ich hätte ihn gern behalten.“

- Willi Kröger

07.04.2011 19:25
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