GESEKE
Hexen, Pest und Judenpogrom

Geseke - Geseke um 1635: In der Straße, die heute Kleiner Hellweg heißt, wohnt die Familie Gerstenberg in einem schmucken Fachwerkhaus. Durch den Getreidehandel ist sie reich geworden, führt ein komfortables Leben. Die heile Welt der Gerstenbergs findet jedoch ein jähes Ende: Tochter Bettlin brennt mit Salomon Levy durch, dem Sohn der bekanntesten jüdischen Bankiersfamilie. Ein Skandal im Geseke der frühen Neuzeit.

Judenpogrom, Pest und Hexenverfolgung in der Hellwegstadt: Charlotte Schroeter hat mit „Das Gerstenberg-Haus“ ihren ersten Roman vorgelegt. Die 25-jährige Studentin bezeichnet sich selbst als „Wahlgesekerin“, fühlt sich der Stadt sehr verbunden. Besonders beeindruckt ist sie von der Heimatverbundenheit der Geseker. „Bräuche wie der Schnadgang oder die Lobetagsprozession haben sich vom Mittelalter bis in die heutige Zeit gehalten.“

Nicht zuletzt aus diesem Grund hat Schroeter die Hellwegstadt als Schauplatz für „Das Gerstenberg-Haus“ gewählt. „Warum müssen historische Romane in Heidelberg oder München spielen. Auch Westfalen hat etwas zu bieten“, sagt die junge Autorin.

Bis auf einige Ausnahmen - unter anderem taucht der ehemalige Stiftskirchenpfarrer Joachim Linnemann auf - sind die Romanfiguren frei erfunden. „Die Schauplätze sind aber alle original“, erklärt Schroeter. Das Haus am Kleinen Hellweg 10 gibt es tatsächlich. Auch den Hexenprozess aus dem Jahr 1637 hat sie eins zu eins übernommen. „Geschichte ist meine Leidenschaft“, so die Autorin. „Die Geseker Alben waren meine größte Quelle.“

„Das Gerstenberg-Haus“ besteht aus drei Handlungssträngen. Da ist die Tochter, die sich mit einem jüdischen Bankierssohn einlässt, schwanger wird und die Stadt verlassen muss. Die beiden Söhne der Familie haben sich freiwillig für den Fronteinsatz im Dreißigjährigen Krieg gemeldet. Aus der Schlacht zurückgekehrt, arbeitet einer von ihnen als Pestarzt in Geseke. Nach seinem Tod führt die Mutter seine Arbeit weiter - und wird wegen ihrer Heilkunst als Hexe angeklagt.

Der Roman ist der erste Band einer Trilogie. „Es handelt sich jedoch nicht um eine Familiensaga“, erklärt Schroeter. Im zweiten Band macht die Autorin einen Zeitsprung in das Jahr 1800. Gleich bleibt nur der Schauplatz - das Fachwerkhaus am Kleinen Hellweg. Die Familie, die dort lebt, ist aber mittlerweile eine andere.

Charlotte Schroeter hat Literatur und Geschichte an den Universitäten Paderborn und Bielefeld studiert. Zurzeit macht sie ihren Master in Komparatistik (vergleichende Literaturwissenschaft). „Seitdem ich schreiben kann, schreibe ich“, sagt sie. Schon mit zwölf Jahren hat Schroeter ihr erstes Buch an einen Verlag geschickt. „Das Gerstenberg-Haus“ ist nun der erste Roman, der auch gedruckt wird. - diet

Der Roman

„Das Gerstenberg-Haus“, ISBN 978-3-943380-19-4, erscheint am 1. April. Bereits jetzt nimmt der Salzkottener Eire-Verlag Vorbestellungen entgegen, und zwar per Post unter der Adresse Müllmersberg 2, 33154 Salzkotten oder per E-Mail unter post@eire-verlag.de. Bis zum 31. März ist das Buch zu einem reduzierten Preis erhältlich.