Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft
von Daniel Kossack am 16. Juli 2021 17:13 Uhr Kinder -  Lesezeit 3 min

Die Weltmeisterschaft der Flying-Junior-Segler steht vor der Tür. Ende Juli fahren dafür auch Teams aus Lippstadt in die Niederlande. Beim Segeln sind die Regeln ganz andere als zum Beispiel beim Fußball. Das weiß auch Otto Eling. Der 16-Jährige ist der jüngste deutsche Teilnehmer.

Lippstadt – Regatten (Wettrennen) mit Segelbooten sehen beim Zuschauen ein bisschen verwirrend aus. Alle fahren kreuz und quer auf dem Wasser herum und an manchen Stellen knubbelt es sich. Das ist so, weil die Boote ausschließlich vom Wind vorwärts bewegt werden. Und der verändert sich die ganze Zeit über. Die Segler versuchen, den besten Wind zu erwischen und segeln deswegen verschiedene Wege.

Dass das am Anfang schwierig sein kann, weiß auch Otto Eling. Der 16-Jährige segelt schon seit acht Jahren. Otto ist der jüngste deutsche Teilnehmer, der zu der Weltmeisterschaft in die Niederlande fährt (26. bis 31. Juli). „Angefangen habe ich auf dem Opti“, sagt er. Das ist ein kleines Boot, auf dem der Segelclub Lippstadt (SCLI), in dem Otto Mitglied ist, Kindern segeln beibringt.

„Auf meiner ersten Regatta war ich auch ein bisschen überfordert“, gibt er zu. Aber er lernt schnell und wird bald Stadtmeister. Mit zwölf steigt er dann auf ein größeres Boot um: den FJ (Flying Junior). Der wird von einem Team aus zwei Leuten gesegelt.

Mit 13 zur Europameisterschaft

„Die erste große Regatta war die Europameisterschaft in Travemünde 2018“, erzählt er. Da ist er 13 und segelt mit einem „alten Hasen“, der ihm viel beibringt. Das ist auch ein Grund, warum Otto so gerne den FJ segelt. „Jeder bringt einem etwas bei. Der Konkurrenzkampf ist nur auf dem Wasser, abends sitzt man zusammen und hat Spaß.“

Damit es auf dem Wasser fair zugeht, gibt es viele Regeln. Zum Beispiel gilt „Backbord vor Steuerbord“ – also Links vor Rechts.

Weil die Boote keine Bremse und kein Gaspedal haben, ist der Start eines Rennens gar nicht so einfach. Die Startlinie darf natürlich bis zum Startsignal nicht überquert werden. Sie kann aber nicht auf das Wasser gemalt werden. Deswegen ist es gar nicht leicht, passend zu starten. „Starten war für mich am Anfang schwer. Da sind alle Boote gleichzeitig auf einer Stelle“, sagt Otto. Mit der Zeit sei er aber mutiger geworden.

Und wenn doch einmal jemand die Regeln bricht? Schiedsrichter fahren mit Motorbooten zwischen den Booten umher und verteilen Strafen.

Beim Segeln gibt es aber noch eine Besonderheit: Regelverstöße können auch abends nach dem Rennen noch entschieden werden. Das ist wie eine kleine Gerichtsverhandlung, zu der sogar Zeugen, meistens andere Teams, befragt werden. Die Schiedsrichter entscheiden dann, ob jemand die Regeln gebrochen hat und disqualifiziert wird. Das ist Otto aber noch nie passiert.

Inzwischen segelt er mit Alexander Bittner. Gemeinsam sind sie schon bei der WM 2019 in Italien auf dem Mittelmeer angetreten.

Bei einer WM treten Otto und Alexander aber nicht direkt für Deutschland oder den SCLI an. Es gibt nicht nur ein deutsches Team, sondern mehrere. Als Team segelt man also gegen alle – auch gegen die anderen Deutschen. In Italien mussten Otto und Alexander gegen über 50 Boote antreten. „Da sind wir im hinteren Drittel gelandet.“Jetzt möchte Otto sich deutlich verbessern. „In der Mitte zu landen, wäre schon schön.“

Segelnde Oldtimer

Der Flying Junior (kurz FJ) ist ein kleines Regattaboot, das gerade einmal vier Meter lang ist. Deswegen kann man mit dem FJ auch leicht auf Reisen gehen – so wie jetzt zur WM nach Holland. Gesegelt wird der FJ von einem Zweierteam: Dem Steuermann und dem Vorschoter. Ursprünglich war der FJ ein Jugendboot, heute segeln aber alle Altersgruppen auf Regatten gegeneinander. Oft bilden auch Eltern mit ihren Kindern ein Team. Vor über 60 Jahren wurde der erste FJ gebaut. Viele Boote stammen noch aus der Zeit. Sie sind segelnde Oldtimer. Wie Otto und Alex abschneiden, kannst du später auf Instagram (fjgermany) oder im Internet nachgucken.

www.fj-germany.de