Blühender Fleiß, reicher Preis

von Redaktion am 29. Juli 2022 14:19 Uhr Kinder -  Lesezeit 3 min

Lipperbruch – Die Wildblumenwiese am Gymnasium Marienschule in Lipperbruch blühte in allen Farben – ein Augenschmaus und lehrreicher Unterrichtsstoff. Mehr als 30 Pflanzenarten der Lippstädter Mischung zeigten sich vor den Ferien in voller Pracht. Bis sie plötzlich abgemäht wurden. Für die Mahd, so nennt man die Wiesenernte, war die Klasse 6a zuständig. Die Schülerinnen und Schüler hatten auch einige Fragen, die sie nach getaner Arbeit dann mit ihrer Biologie-Lehrerin Meike Schütte der Biologin Luise Hauswirth stellten. Und die kennt sich aus mit Wildblumen, sie ist nämlich auch Mitbegründerin der Lippstädter Blumengroup.

Warum ist es so wichtig, Wildblumenwiesen anzulegen?

Die Erhaltung einer großen Vielfalt heimischer Arten ist sehr wichtig. Es gibt Tausende Arten Bestäuberinsekten wie Wildbienen, Schmetterlinge, Hummeln, Wespen, Käfer und Fliegen. Besonders spezialisierte Arten müssen erhalten bleiben, die ganz eng an einzelne Pflanzenarten gebunden sind. Die Spezialisierung hat sich im Laufe von Jahrtausenden in verschiedenen Naturräumen gebildet. So blühen viele Wiesenarten bei Lippstadt früher als zum Beispiel in Winterberg und die biologische Uhr ihrer Bestäuber ist darauf eingestellt.

Braucht man spezielles Saatgut?

Unser Vorbild ist eine krautreiche Wiese, wie sie im letzten Jahrhundert typisch und im Raum Lippstadt überall verbreitet war. Dafür nutzen wir regionales Saatgut, das auch in unserer Region geerntet und vermehrt worden ist. Diese Pflanzen sind bestens an unsere Boden- und Witterungsbedingungen angepasst und sind nicht durch Züchtung vereinheitlicht. Man weiß heute, dass die Wildformen eine gute Anpassungsfähigkeit an Umweltveränderungen haben.

Warum ist es denn so wichtig, regionales Saatgut zu verwenden?

Wie eng verbunden die heimischen Pflanzen mit ihren Bestäubern sind, hat man erst vor wenigen Jahren wissenschaftlich nachweisen können. Gehen Wiesenpflanzen durch die intensive Landwirtschaft verloren, verschwinden sicher auch einige Insektenarten. Das größte Problem aber sind die sogenannten Neophyten, also Pflanzen, die hier ursprünglich nicht gewachsen sind, sondern von den Menschen hier eingeführt wurden. Diese können die heimischen Arten verdrängen.

Welche Arten sind heimische Arten?

Arten, die von alleine hier eingewandert sind, also nicht vom Menschen eingebracht wurden, z.B. Natternkopf, Schafgarbe, Bocksbart, Storchschnabel und Habichtskraut. Diese Arten waren noch vor 30 Jahren häufig, werden aber leider seltener und mit ihnen ihre Bestäuberinsekten.

Die Wiese blühte so schön, warum wurde sie schon abgemäht?

Die Wiese ist für Zweischnittarten angelegt. So hat der Bauer eine reiche Ernte und alle Arten des Bestandes kommen zur Blüte, das kleine Gänseblümchen genauso wie der stattliche Bocksbart und die kletternde Vogelwicke.

Warum müssen wir das Mahdgut harken und abtragen? Warum kann es nicht liegen bleiben?

Wenn das Mahdgut liegen bleibt, würde es auf der Fläche verrotten oder stellenweise sogar verschimmeln. Auf Dauer würden sich Fehlstellen bilden und zu viele Nährstoffe frei werden, die das Wachstum der Gräser auf Kosten der Kräuter fördert. Außerdem können wir aus dem Mahdgut nach dem Trocknen neues, eigenes Saatgut gewinnen und auf weitere Flächen auftragen.

Was kann jeder einzelne tun, um die Artenvielfalt zu fördern?

Jeder einzelne kann etwas tun, indem er im Garten auch Flächen anlegt, auf denen Wildblumen wachsen und sich Insekten ernähren und vermehren dürfen. Des Weiteren sollte man darauf achten, dass die Vorgärten nicht mit Steinen oder Pflaster versiegelt werden.

Wie kann man sich politisch für Wildblumenwiesen einsetzen?

Die Lippstädter Blumengroup steht mit Ämtern der Stadt Lippstadt in Kontakt. Daraufhin wurden z.B. im Grünen Winkel Wildwiesenflächen geschaffen. Wir halten auch Vorträge, um interessierte Bürger zu beraten. Auch das Weitererzählen kann eine Hilfe sein.

Das Interview führte die Klasse 6a vor den Ferien.

Wildwiese übers Jahr

Über das Jahr hinweg zeigt eine Wildblumenwiese ganz unterschiedliche Gesichter. Die Lippstädter Blumengroup, die aus Vertretern der drei Naturschutzverbände ABU (Luise Hauswirth), NABU (Peter Hoffmann) und BUND (Heinrich Münz) besteht, nimmt uns zusammen mit den zwei Marienschulen in Lipperbruch mit auf ihre Wiesen. Gemeinsam berichten sie für Kitz, was dort wann passiert. Wir sind schon gespannt auf blühende Neuigkeiten.