Dem Virus auf der Spur
von Julika Enders am 22. Mai 2020 15:46 Uhr Kinder

Spuren verfolgen, Fragen stellen und alle Nachforschungen haargenau aufschreiben – das klingt doch nach echter Detektivarbeit. Genauso arbeiten im Moment viele Mitarbeiter im Gesundheitsamt. Sie lösen zwar keinen Kriminalfall. Aber sie sind dem Coronavirus auf der Spur. Ihre Mission: Die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten.

Kreis Soest – In Deutschland ist vieles ganz genau geregelt: In Städten und Kreisen gibt es Behörden, die sich um ganz unterschiedliche Themen kümmern. Dazu gehört auch das Gesundheitsamt, das sich – wie der Name schon sagt – um die Gesundheit der Bewohner der Stadt oder des Kreises kümmert.

Normalerweise haben die Mitarbeiter ganz verschiedene Aufgaben. Sie kontrollieren zum Beispiel das Wasser in Badeseen, ob es sauber genug ist, darin zu schwimmen. Oder sie untersuchen Schulanfänger, ob sie fit genug sind für die Einschulung. Im Moment dreht sich im Gesundheitsamt aber so ziemlich alles um Corona. Wie Detektive spüren die Mitarbeiter dem Virus nach.

Doktor Ansgar Brockmann ist seit fast 20 Jahren Amtsarzt im Gesundheitsamt des Kreises Soest. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Zwar gebe es immer mal gefährliche Viren oder Keime. „Aber nie war etwas so schwerwiegend und hat jeden betroffen“, sagt er. Deshalb ist bei Corona von einer Pandemie die Rede. Pandemie bedeutet einen Krankheitsausbruch über Ländergrenzen hinweg. Und Corona betrifft die ganze Welt.

Die machen richtige Detektivarbeit

Dr. Ansgar Brockmann

Eine außergewöhnliche Situation also, die außergewöhnliche Maßnahmen erfordert. Deshalb arbeiten im Moment auch viel mehr Mitarbeiter im Gesundheitsamt als sonst. Bis zu 129 Mitarbeiter waren dort in den vergangenen Wochen im Einsatz, deutlich mehr als sonst. Fast 50 davon sind Kolleginnen und Kollegen, die normalerweise ganz andere Aufgaben haben, aber jetzt das Gesundheitsamt verstärkt haben. Auch die Arbeitszeiten wurden verlängert: Das Gesundheitsamt ist von montags bis sonntags im Einsatz.

Acht Teams haben verschiedene Schwerpunkte. Dazu gehört zum Beispiel das Team, das sich um diejenigen Personen kümmert, die Kontakt mit einem Covid-19-Patienten hatten. Covid-19, so heißt die Krankheit, die das Coronavirus auslöst. „Die machen richtige Detektivarbeit“, sagt Doktor Brockmann. Denn sie müssen genau nachforschen, wer mit dem Kranken zusammen war. Die Leute werden dann angerufen und darüber informiert, dass sie erst mal zu Hause bleiben müssen: Quarantäne.

Dann gibt es ein Team, das die Leute in Quarantäne jeden Tag anruft und ein Symptomtagebuch führt. Wie geht es Ihnen? Wie hoch ist Ihre Temperatur? Haben Sie Husten? Alles wird genau aufgeschrieben. Bis sich Symptome, also Anzeichen einer Krankheit, zeigen, können mehrere Tage vergehen. Deshalb müssen vorsichtshalber alle erst mal zwei Wochen zu Hause bleiben, damit sie das Virus nicht weiter verbreiten. Treten in den zwei Wochen Symptome auf, wird ein Abstrich gemacht (siehe Infokasten). Geht es den Leuten nach zwei Wochen gut, dürfen sie wieder raus.

Doktor Brockmann ist froh, dass die Verbreitung des Coronavirus im Kreis Soest nicht so dramatisch war und ist. Im Vergleich mit den Zahlen aus dem gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen ist die Entwicklung im Kreis Soest deutlich besser. Damit das auch so bleibt, mahnt er „Vorsicht walten zu lassen“, und sich weiterhin an die Regeln zu halten.

Darum werden nicht alle sofort getestet

Wenn jemand Kontakt mit einem am Coronavirus erkrankten Menschen hatte, muss er zu Hause bleiben und darf keinen Kontakt zu anderen Leuten haben. Zwei Wochen lang. Quarantäne heißt das. Erst wenn im Laufe dieser Zeit Symptome, also Krankheitszeichen, auftreten, wird ein Abstrich gemacht. Dann wird mit einem großen Wattestäbchen hinten im Hals, im Rachen, leicht gekratzt. Was dann an dem Wattestäbchen hängen bleibt, wird im Labor auf das Coronavirus untersucht. Findet man das Virus, ist der Test positiv, findet man nichts, ist er negativ. Und warum testet man nicht einfach alle sofort, bei denen ein Verdacht besteht? „Wenn jemand keine Symptome hat, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass der Test positiv ist“, erklärt Doktor Brockmann. Denn das Virus breitet sich erst mit der Zeit im Körper aus. Am Anfang sitzt es ganz tief in der Lunge. Ein Abstrich könnte negativ sein, obwohl der Patient das Virus hat. Erst wenn sich das Virus vermehrt hat, sitzt es auch im Rachen. Und dann haben die Leute meist auch Husten oder Fieber. Deshalb wartet man mit dem Abstrich so lange. Vorher ist das Ergebnis zu unsicher.