Ein Klassenkamerad zum Kuscheln

von Redaktion am 16. September 2022 15:01 Uhr Kinder -  Lesezeit 2 min

Dichtes flauschiges Fell, spitze Ohren und vier Pfoten – das ist Bjarki. Er ist ein Hund der Rasse Samojede, und er gehört zur Schule im Grünen Winkel. Ja, genau: Bjarki sitzt mit den Kindern im Unterricht und sorgt als erster Schulhund an der Förderschule für eine entspannte Lernatmosphäre.

Von Emma Petershagen

Lippstadt – „Immer gut gelaunt, superlieb und zwischendurch ein Dickkopf“ – so beschreibt Sylvia Romweber Bjarki. Sie ist Lehrerin an der Schule Im Grünen Winkel und hat ihren Hund zum Therapiehund ausgebildet. Seit einem Jahr ist Bjarki nun Teil ihrer Klasse 6c. Zuvor mussten er und sein Frauchen dafür selbst die Schulbank drücken. Denn natürlich darf nicht jeder Hund einfach so ins Klassenzimmer.

Ein Jahr lang haben die beiden jedes Wochenende von 9 bis 16.30 Uhr die Ausbildung absolviert. Da konnte auch Lehrerin Sylvia Romweber einiges über Hunde lernen: Anatomie, also Körperbau, Genetik, das ist die Lehre von der Vererbung zum Beispiel typischer Eigenschaften und Merkmale, Kommunikation zwischen Hund und Mensch sowie Hunde-Mimiken. Wenn ein Hund etwa gestresst sei, hechle er, winkle die Ohren nach hinten an und ziehe die Rute ein, sagt die Sonderschullehrerin. 153 Seiten lernte sie in ihrer Freizeit für die inzwischen erfolgreich bestandene Prüfung.

Aber auch Bjarki musste manches lernen und übte zum Beispiel fleißig Kommandos ein. Ob er nun abrufbar im Spiel ist, gut an der Leine geht oder liegen bleibt, wenn sein Frauchen mal gerade nicht in der Nähe ist – Bjarki beherrscht das alles jetzt. Obwohl seine Besitzerin eingesteht, dass „er auch gerne zweimal guckt, bis er zur Durchführung des Kommandos ansetzt“. So ist das eben bei Dickköpfen.

Grundvoraussetzung für die Arbeit als Therapiehund ist unter anderem, dass die Vierbeiner eine hohe Reizschwelle haben, oder anders gesagt: nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen sind. Beim Aussehen ist beispielsweise entscheidend, dass das Fell weich und relativ hell ist. Dadurch wirke der Hund freundlicher – bei Bjarki reicht wohl sein Dauergrinsen aus. Die praktische Prüfung bestand der Vierbeiner vor kurzem.

Bjarki, was übersetzt „kleiner Bär“ heißt, ist Spielgefährte und gelegentlicher Kuschelkamerad aller Schüler, die mal eine kleine Auszeit im Schulalltag brauchen. In der wöchentlichen Schulhundestunde für jeweils eine Klasse bis zur siebten Stufe können die Kinder in der Aula zum Beispiel mit dem Fellknäuel durch einen Tunnel gehen. „Das macht echt Spaß“, erzählt eine Schülerin.

In der 6c ist Bjarki immer mit von der Partie, besonders im Sportunterricht zeigt er gerne sein Können beim Hindernisparcours – wenn auch nicht bei der Absolvierung des Parcours, sondern lieber beim Umstupsen der Pylonen, wie die Zwölfjährigen lachend erzählen. Im Klassenzimmer aber sorgt Bjarki für ein ruhiges Klassenklima.

Mittlerweile haben übrigens alle drei Förderschulen in Lippstadt einen Schulhund.