Fortschritt durch Zufall
von Redaktion am 11. Juni 2021 17:57 Uhr Kinder -  Lesezeit 3 min

Von Thomas Felder

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind uns die AHA-Regeln in Fleisch und Blut übergegangen. A wie Abstand halten, H wie Hygienemaßnahmen beachten und A wie Alltagsmaske tragen. Bei einer wichtigen Entdeckung der Medizingeschichte war es aber eine offenbar nicht ganz so genau eingehaltenen Hygieneregel, die eine entscheidende Erkenntnis brachte. Es geht um das Penicillin, das im Grunde durch einen Zufall entdeckt wurde. Die Entdeckung des Penicillins wiederum schuf die Voraussetzung für die Entwicklung von Antibiotika. Diese sind uns längst so vertraut wie inzwischen die AHA-Regeln. Aber schön der Reihe nach.

Sir Alexander Fleming (1881-1951) heißt jener Mann, der mit der Entdeckung des Penicillins in Verbindung gebracht wird. Er hatte im Spätsommer 1928 in seinem Labor mit Staphylokokken, einer Bakterienart, experimentiert. Staphylokokken sind Krankheitserreger, die zum Beispiel bei einer Lungenentzündung vorkommen.

Fleming wollte einen Beitrag leisten im Kampf gegen die krankmachenden Bakterien. Als er sich nach ein paar Tagen die von ihm angelegte Bakterienkultur ansah, musste er feststellen, dass sie von einem Schimmelpilz namens Penicillium notatum überzogen war.

Schimmel auf einer Bakterienkultur? Da war wohl nicht ganz sauber gearbeitet worden, vermutete Fleming. Er wollte die nach seiner Meinung verunreinigte Probe schon wegwerfen, als ihm plötzlich etwas auffiel. Da, wo die Schimmelpilze wuchsen, siedelten sich keine Bakterien an. Und es kam noch besser: Dort, wo Bakterien vorhanden waren, gingen sie sogar ein, weil die Pilze eine für die Bakterien tödliche Substanz abgaben. Fleming nannte diese Substanz Penicillin, weil sie vom Schimmelpilz Penicillium notatum stammt.

Alexander Flemings Entdeckung aus Zufall gilt als Durchbruch auf dem Weg zur Entwicklung von Antibiotika. Sie sind längst nicht mehr wegzudenken und wirken gegen krankmachende Bakterien. „Anti“ heißt „gegen“, „bios“ bedeutet „Leben“. Man kam vermutlich auf diesen Namen, weil Bakterien als kleinste Lebewesen gelten.

Fleming legt Grundstein für Antibiotika

Aus dem von ihm entdeckten Penicillin ein Medikament zu entwickeln, gelang offenbar Fleming nicht. Erst etwa zehn Jahre später war ein Bio-Chemiker in der Lage, ein Präparat herzustellen. 1941 wurde erstmals ein Antibiotikum verabreicht. Antibiotikum ist übrigens die Einzahl, die Mehrzahl heißt Antibiotika. Diese werden bei vielen Krankheiten eingesetzt, zum Beispiel bei Lungenentzündungen oder beim Wundstarrkrampf.

Antibiotika helfen jedoch nur gegen Infektionen durch Bakterien, nicht gegen Viruserkrankungen wie die Grippe. Hinzu kommt, dass offenbar immer mehr Keime von einem Antibiotikum nicht mehr bekämpft werden können. Diese Keime sind, wie es in der Fachsprache heißt, resistent gegen Antibiotika geworden.

Für seine Entdeckung aus Zufall wurde Sir Alexander Fleming 1945 mit dem Nobelpreis geehrt. Er starb 1955 – an einem Herzinfarkt.

Schrecken & Entdecken

Das Coronavirus hat alles verändert. In der Geschichte der Menschheit gab es manche schlimme Krankheit. Oft wurden gerade deshalb neue Heilmittel entdeckt. Denn auch die Medizin entwickelt sich immer weiter. Manchmal durch gezielte Forschung, manchmal sogar durch Zufall. In unserer Serie Schrecken & Entdecken zeigen wir euch Beispiele von Krankheiten und medizinischen Entdeckungen. Sie sollen euch Hoffnung machen, dass wir auch Corona in den Griff bekommen – wie zuvor die Pest und andere Krankheiten.

Bakterienkultur

Im Labor werden Bakterienkulturen zu Forschungszwecken herangezogen. Da Bakterien Lebewesen sind, vermehren sie sich durch Zellteilung von selbst. Meist wird eine Probe in eine Petrischale, das ist ein rundes geschlossenes Glasgefäß, gegeben und bei geeigneter Temperatur aufbewahrt. Innerhalb von Stunden oder Tagen vermehrt sich das Bakterium. So entsteht ein Bakterienkultur.