Im Zickzack zum Segelschein
von Daniel Kossack am 17. Juli 2020 16:52 Uhr Kinder

Segeln verbinden viele mit dem Meer und großen Yachten. Um die Grundlagen zu lernen, muss man aber gar nicht weit fahren: Auf dem Margaretensee in Lippstadt lernen Kinder als Teil des Ferienspaßprogramms der Stadt eine Woche lang alles, um ihr Boot selbst fortzubewegen.

Lippstadt – Es ist schöner Wind am Margaretensee. Acht kleine Boote, genannt Optis, legen vom Steg ab, fahren ein paar Runden im Dreieck und legen wieder an. Dabei werden die Boote richtig schnell und so manche waghalsige Richtungsänderung ist zu beobachten.

Was zunächst einfach klingt und mit einem Paddelboot schnell gemacht wäre, ist auf einem Segelboot gar nicht so einfach – zumal alle Kinder im Alter von neun bis 13 Jahren vorher noch nie gesegelt sind.

Sie haben sich über das Ferienspaßprogramm der Stadt bei den Segelkursen angemeldet, die der Segelclub Lippstadt (SCLi) seit über 15 Jahren anbietet. Seit zehn Jahren leitet Vera Rüthing diese Kurse. Sie ist gleichzeitig Jugendwartin des Vereins. „Die ersten Versuche zu kreuzen sind meistens nicht so erfolgreich“, erklärt sie. Kreuzen? „Man kann nicht direkt gegen den Wind segeln. Deswegen muss man quasi im Zickzack fahren, um an sein Ziel zu kommen.“ Deswegen sollen die Kinder auch ein Dreieck abfahren, so kommt der Wind in jeder Runde einmal von vorne, von der Seite und von hinten. Jedes Mal muss das Segel anders gestellt werden.

Dort, wo am ersten Tag noch einigermaßen Ratlosigkeit bei den Teilnehmern herrschte, haben sich schon nach drei Tagen sichtbare Fortschritte eingestellt. Nicht nur seglerisch, sondern auch an Land. „Wir lernen auch Knoten, die sehr wichtig für Segler sind und theoretische Grundlagen wie Vorfahrtsregeln“, erklärt die Kursleiterin.

Vorfahrtsregeln sind auch auf dem Wasser wichtig, damit die Boote nicht zusammenstoßen. Einfach sofort stehen bleiben kann man auch nicht, denn ein Segelboot hat keine Bremse. Anders als im Straßenverkehr gilt auf dem Wasser: Backbord vor Steuerbord, also Links vor Rechts.

Beim Segeln ist also vieles anders als an Land. Das meiste kann aber tatsächlich innerhalb von einer Woche gelernt werden. Dabei müssen die angehenden Segler von Anfang an alles selbst machen – unter Anleitung. Sie bauen die Optis alleine auf und bringen sie ins Wasser. Auch beim Segeln sind sie auf dem Boot alleine, ein Opti ist nämlich nur für einen Segler gebaut.

Am Anfang schleichen sich da natürlich Fehler ein, ein Boot kippt sogar um. Das passiert Seglern dauernd, ist also kein Grund zur Sorge. Den Umgang mit so einer Situation lernen die Kinder im Theorieunterricht. Ein Opti kann nämlich auch vom Segler selbst wieder aufgerichtet werden.

Am Ende des Kurses kommt sogar ein Prüfer, der eine Prüfung zum „Jüngstensegelschein“ abnimmt. Damit darf man, unter Aufsicht, theoretisch überall mit einem Opti segeln. Die Kursleiterin empfiehlt aber, noch viel zu üben. „Die Grundlagen lernen die Kinder in einer Woche, aber richtig gut segeln können sie dann natürlich noch nicht. Wirklich gut sind auch Segler erst nach mehreren Jahren Übung.“ Wie wohl in jeder anderen Sportart auch.

Was ist ein Opti?

Ein Opti (kurz für Optimist) ist eine Bootsklasse, die für Kinder bis 14 Jahre gedacht ist. Die Boote sind gerade einmal 2,3 Meter lang, 1,13 Meter breit und haben eine Segelfläche von 3,5 Quadratmetern. Ideal also für Kinder, um segeln zu lernen, bevor es auf größere Boote geht, auf denen dann auch häufig zwei oder mehr Segler ein Team bilden. Sogar Weltmeisterschaften werden mit Optis ausgesegelt – 2019 in der Karibik auf dem offenen Meer.